Geldern: Herbsttheater mit sieben Sätzen
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 27.09.2008Geldern (RPO). unsere Woche
Sieben Sätze reichen der Gelderner CDU-Spitze aus, um über ihre derzeit wohl wichtigste Personalentscheidung zu informieren. Aus sieben Sätzen besteht die Pressemitteilung, die die Christdemokraten gestern Nachmittag unter der Überschrift „Ulrich Janssen nominiert“ verschickten. Wenig Text, der sogar in die knapp bemessenen 1120 Zeichen von sieben Handy-Kurzmitteilungen gepasst hätte. Den Gelderner Christdemokraten, von denen einige in jüngster Zeit durch öffentliche Plaudereien auffielen, hat es inzwischen offenbar die Sprache verschlagen: Eine zuerst angekündigte Pressekonferenz, eigentlich üblich bei derartigen Entscheidungen, blies die Parteispitze kurzerhand wieder ab – aus „berufsbedingten zeitlichen Gründen“.
Man hält sich bedeckt und schönt die internen Querelen lieber schriftlich zu „missgedeuteten Auslegungen“. Dass die CDU bei einer Sondersitzung hektisch und – nach den eigenen Zeitvorgaben auch unerwartet – Ulrich Janssen zum Bürgermeisterkandidaten macht und dann demonstrativ betont, wie „überwältigend“ die Mehrheit für den amtierenden Bürgermeister war, ist angesichts des Kurses der vergangenen Tage nichts anderes als der etwas hilflose Versuch der Schadensbegrenzung: NRW-Finanzminister Helmut Linssen und die Kreis-CDU hatten sich bereits in das christdemokratische Herbsttheater, das ihnen in Geldern vorgeführt wurde, eingemischt und von den Akteuren unverzügliche Klärung gefordert. Der Stadtverbandsvorstand konnte die Entscheidung über einen CDU-Bürgermeisterkandidaten damit nicht mehr länger herauszögern und weiterhin darauf bestehen, erst im Winter einen Namen zu nennen: Der Druck aus der eigenen Partei – innerhalb und außerhalb Gelderner Stadtgrenzen – wurde zu groß.
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