Issum: Jecken kritisieren Kawaters
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010 - 13:01Issum (RPO). Beim Karnevalszug in Sevelen nahmen die Jecken lokalpolitische Themen auf. Deutlich wurde: Der Ortsteil Sevelen fühlt sich Issum gegenüber benachteiligt. Viele Besucher jubelten am Straßenrand den Zugteilnehmern zu.
Die Kannibalen vom Reiterverein hatten sich einiges vorgenommen. "Wir wollen einen Eisbären vernaschen", kündigte einer von ihnen kurz vor dem Start des Sevelener Karnevalszugs an. Da hatten die Männer und Frauen mit der ansehnlichen Knochensammlung auf dem Wagen die Auswahl, denn gleich zwei der insgesamt 19 Gruppen hatten sich in das wärmende weiße Fell gehüllt. Die DLRG änderte für den Rosenmontag ihre wichtige Tätigkeit und verwandelte sich in "Bärenretter". Die Nachbarschaft "Heller Weg" meinte "Klimaschaden: Oermter Eisbären gehen baden" und ließ auf frostigem Boden Tulpen blühen.
Seit 1975
Geschichte Das Sevelener Schiebkarrenrennen findet seit 1975 statt. 1991 fiel es wegen des Golfkriegs aus.
Veranstalter Der Umzug und das Rennen werden vom Sevelener Trommlerkorps und von der St.-Antonius- und St.-Hubertus-Bruderschaft Sevelen organisiert.
Millionen verbaut
Wie von den Sevelener Jecken gewohnt, wurden wichtige kommunalpolitische Themen aufgegriffen. Kritik an der Ungleichbehandlung der Gemeindeteile übte der SV Exitus Esters, der einen dem Bürgermeister gewidmeten, vier Meter hohen "Kawi-Tower" durchs Dorf zog. In Issum würden Millionen verbaut, doch was bekomme Sevelen, meckerte die Truppe. Als Knappen samt Burg kamen die Black Horse Rangers mit dem Motto "Die Gemeinde hat weniger Geld, drum geht's zurück in die Burgenwelt".
Unter US-Polizeischutz
Die zweibeinigen Orgelpfeifen des Kirchenchors wollten vor allem Männer für den Gesang werben. Im Seppl-Kostüm lobte die Freiwillige Feuerwehr die Verbindung mit dem schweizerischen Sevelen: "Eine Partnerschaft, die Freude macht".
Gegen die Schweinegrippe hatte der Kegelclub "De Oermsche Prumme" eine US-Polizeitruppe aufgeboten. Für erneuerbare Ressourcen machten sich die zwölf "Spätzünder"-Frauen stark, die auf Sonnenblumenenergie setzen.
Paradiesvögel und Pippi Langstrumpfs, Zwerge, Elvis Presleys und Marilyn Monroes rundeten das farbenfrohe Bild des kleinen, aber feinen Umzugs ab. Mit schwungvollen Klängen wurden die Kostümierten vom Trommlerkorps Sevelen und dem Musikverein "Eintracht" Nieukerk in Richtung der Sevelener Ortsmitte gespielt, bejubelt von hunderten Zuschauern, die der Kälte ebenso trotzten wie die Aktiven. Auf dem Kirchplatz war dann beim Schiebkarrenrennen sportlicher Einsatz der Zugteilnehmer gefragt, während die übrigen Karnevalisten sich bei Musik im Freien und in den Gaststätten weiter vergnügten.
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