Geldern: Jugendstilpavillon vor der Müllkippe bewahrt
VON ANDREAS BUCHBAUER - zuletzt aktualisiert: 06.08.2010Geldern (RPO). Hätte sich Heinrich Helders während seiner Ausbildung nicht in Stilkunde fortgebildet, dann wäre der Jugendstilpavillon vermutlich auf einer Müllkippe gelandet.
Bei einer Betriebsgelände-Erweiterung entdeckte der gelernte Steinmetz und Steinbildhauermeister das Bauwerk versteckt hinter Bäumen, Brombeersträuchern, Efeu und Brennesseln. Das war 1994. Ziemlich verlottert stand das einstige Schmuckstück da. Rundum mit Brettern und Teerpappe vernagelt, ein großes Loch in der Dachspitze. Heinrich Helders erkannte: Das kriegt er wieder hin.
Für Denkmalpreis nominiert
Heute steht der Jugendstilpavillon wieder in voller Pracht in Helders' Garten in Walbeck. Der 71-Jährige hat ihn eigenhändig restauriert. Jetzt fiebert er der Vergabe des Rheinischen Denkmalpreises entgegen. Denn Helders' Jugendstilpavillon ist für die Auszeichnung, die der Landschaftsverband Rheinland auslobt, nominiert.
Doch bis der Pavillon wieder sein glanzvolles Aussehen von einst hatte, war es ein langer Weg. Er begann an jenem Tag, als Helders das Bauwerk entdeckte. Bevor es auf dem Müll landete, fragte Helders seinen damaligen Chef, ob er den Pavillon nicht haben könne. "Klar", lautete die Antwort. Nach Feierabend holte Heinrich Helders den Pavillon, beziehungsweise das, was damals davon übrig war, zusammen mit seinem Schwiegersohn Clemens Clahsen ab.
Doch direkt machte sich der Walbecker nicht an die Restaurierungsarbeiten. Fein säuberlich zerlegt lagerte er den Pavillon 14 Jahre lang. "Ich habe öfter vor den Einzelteilen gestanden und überlegt, ob ich die Zeit investieren sollte, alles wieder herzurichten", sagt Helders. Im Herbst 2008 fiel die Entscheidung. Helders begann mit den Arbeiten, und informierte sich umfassend über den Jugendstil.
Die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert verbreitete Stilrichtung wurde unter anderem durch japanische Farbholzschnitte beeinflusst. Diesen Einfluss kann man an Helders' Pavillon gut beobachten: Am oberen Ende der Sechseck-Säulen, kurz vor dem Übergang zum Dach des Pavillons, erkennt man die an japanische Zierde erinnernden Formen.
Heute staunen Freunde von Heinrich Helders oft über den schönen Pavillon im Garten. Mehr als ein Jahr hat er daran rumgewerkelt, die Materialkosten lagen bei rund 1000 Euro. "Der Aufwand hat sich gelohnt", sagt Helders. Zusammen mit Ehefrau Annemarie (67) wartet er nun ab, wie die Vergabe des Rheinischen Denkmalpreises ausfällt. Zu wichtig nimmt er den Preis nicht. "Ich habe dieses Schmuckstück im Garten", sagt er. "Das ist die Hauptsache."
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