Geldern: Kein Graben für den Nierspark
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010 - 11:50Geldern (RPO). Das am Bahnhof geplante Neubaugebiet "Nierspark" in Geldern wird nun doch keinen zentralen
Wassergraben bekommen. Aus Kostengründen wird es stattdessen mehr Bauflächen geben. Die SPD ist dagegen.Gegen die Stimmen der SPD hat der Ausschuss für die Entwicklung des Niersparkes gestern Abend eine gravierende Änderung beschlossen: Das am Bahnhof geplante Neubaugebiet "Nierspark" wird nun doch keinen Wassergraben entlang der Haupterschließungsstraße bekommen. Die Fläche, die für den Wassergraben vorgesehen war, soll stattdessen als Bauland genutzt werden – und dadurch der klammen Stadt mehr Geld bringen. Kurz: Das Nierspark-Projekt wird abgespeckt. Heftig kritisierte die SPD diese Entwicklung.
Wie Fraktionschef Hejo Eicker erklärte, befürchten die Sozialdemokraten dadurch den Verlust eines Alleinstellungsmerkmals des Baugebietes. Dies könne das Gebiet schlechter vermarktbar machen. Seine Sorge: Der Nierspark könne zum "durchschnittlichen, unscheinbaren Allerweltsprojekt" werden.
1,4 Millionen gespart
Durch die Änderungen werden 1,4 Millionen Euro an dem Baugebiet Nierspark im Westen des Stadtgebietes im gesamten Projektzeitraum (bis 2019 im Haushalt berücksichtigt) gespart.
Die Stadt investiert allein an Baumaßnahmen rund 20 Millionen Euro am Nierspark.
Grüner Finger wird kleiner
Beschlossen wurde gestern Abend auch, dass 600 Quadratmeter Grünfläche, ein Teil des so genannten "Grünen Fingers", ebenfalls als Bauland genutzt werden sollen. Während sich die Grünen und die FDP bei der Abstimmung über die einzelnen Änderungen enthielten, votierte die CDU geschlossen für eine Kürzung des Projektes. Allerdings ist innerhalb der Fraktion das Projekt umstritten, erklärte Christdemokrat Karl-Heinz Biermann. Seine persönliche Meinung weiche von der der Fraktion ab. Wasser ziehe Menschen an und sei ein einzigartiges Gestaltungselement. Das habe er, so berichtete er, jüngst bei einem Besuch in Berlin in einem dortigen Wohngebiet erlebt. Dennoch stimmte er mit seiner Fraktion für die Änderungen. "Aber meine innerliche Überzeugung habe ich jetzt gesagt", erklärte er.
Johannes Leurs, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten, hält die Kürzungen angesichts der städtischen Finanzlage für unabdingbar. Auch die CDU hätte den Graben gerne gehabt, führte er aus. Doch die Wirtschaftlichkeit stehe im Vordergrund. Zudem sei das Baugebiet auch ohne den Wassergraben attraktiv. Für die Grünen erkärte der sachkundige Bürger Johannes Leder, dass auch diese einen Graben für ein Qualitätsmerkmal hielten. "Aber man muss Einnahmen gegen Ausgaben stellen. Uns bleibt nichts übrig, als auf Qualitätsmerkmale zu verzichten." Die SPD, die beim Bauprojekt immer den Punkt der Qualität betont hat, sorgt sich nun vor weiteren möglichen Einsparungen. Eicker sprach von einem "Dominoeffekt", sein Fraktionskollege Josef de Mülder warf den anderen Fraktionen "kurzfristiges Denken" vor. Nur wenn das Niersprojekt etwas ganz Besonderes sei, könne es langfristig gut vermarktet werden. Für die SPD gehören dazu Weite und der Wassergraben. Zum Nierspark gehören diese beiden Aspekte künftig jedoch nicht. Die CDU baute einer möglicherweise schwierigeren Vermarktung vor. Sollte sich das Projekt nicht so gut verkaufen lassen wie geplant, sagte Johannes Leurs, dann solle es nicht heißen, dass es an der von der CDU bestimmten abgeschwächten Variante liege. Schließlich hätte grundsätzlich auch die SPD für das Projekt Nierspark gestimmt und dieses mit auf den Weg gebracht.
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