Geldern: Kein Lied am Geldertor
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009Geldern (RPO). Die Kinder der Gelderner Grundschulen und Kindergärten zogen gestern zum Sankt-Martins-Zug durch die Innenstadt. Am Mühlenturm fiel das gemeinsame Singen aus – das Feuerwerk setzte zu früh ein.
Martin von Tours
Geboren Um 316/317 in Sabaria, Hauptstadt der damaligen römischen Provinz Pannonien (heute: Szombathely, Ungarn).
Mantelteilung Im Winter 334 begegnete Martin der Überlieferung nach am Stadttor von Amiens jenem Bettler, dem er mit der Mantelteilung gegen die Kälte half.
Gedenken Dieser Tat wird mit der Martinsgeschichte und den Martinszügen gedacht.
Sankt Martin hat sogar Leibwächter. Beim Martinsumzug war der Schutzheilige gestern am Gelderner Markt jedenfalls fast unnahbar – von Gattern umzäunt, flankiert von zwei Feuerwehrmännern mit Fackeln. Beim Thema Personenschutz muss Heinz Giesen aber lachen. Er würde sich eher als "Begleiter" bezeichnen. Der 61-Jährige ist bei der Freiwilligen Feuerwehr. Und diese begleitet schon ewig den Sankt-Martins-Zug in Geldern. "Ich bin seit 37 Jahren dabei", sagt Giesen stolz, während er seine Fackel bedrohlich nah am Heiligen hält – gut, dass der Bart nicht brennt. Denn so konnte sich Martin dem Zuwinken der singenden Kinder widmen.
Geometrie im Kommen
Um 17.30 Uhr gingen die Kindergartenkinder auf den Weg, zehn Minuten später kamen an der Friedrich-Spee-Straße die Grundschüler hinzu. Von hier aus ging es über das Issumer Tor durch die Fußgängerzone zum Markt, dann über den Westwall, die Bahnhofstraße, Marktstraße und über die Gelderstraße zum Mühlenturm. Dort war es schon seit einigen Minuten dunkel. Die Straßenbeleuchtung wurde ausgeschaltet. Nur die Tankstelle flutete den Platz noch mit Licht. Bis 18.28 Uhr – pünktlich zum Einzug Sankt Martins, zu Fuß, übrigens, erlosch auch das letzte Lämpchen am Geldertor.
Doch Helligkeit fabrizierten die Laternen und Fackeln zur Genüge. Bei der Gestaltung wurden in diesem Jahr so ziemlich alle möglichen geometrischen Formen angewendet – ob Kuben, Pyramiden oder Viel-Ecke: Mathematik scheint wieder auf dem Vormarsch. Zumindest in der Bastelstunde der Grundschulen. Vielleicht war den Lehrern auch einfach aufgefallen, dass im vergangenen Jahr viele Laternen in Tier-Form zu sehen waren. Die 3a der St. Adelheid-Grundschule blieb dennoch ihrer Linie treu und bastelte Bienen. Und die 5a der Liebfrauenschule trumpfte mit Küken auf.
Am Geldertor sprach Sankt Martin von der Drehleiter der Feuerwehr aus. "Hallo. Schönen guten Abend zusammen", waren seine ersten, für einen Schutzheiligen recht profanen Worte. Doch dann folgte die Geschichte des Heiligen. Und die Aufforderung an die Kinder, Gutes zu tun. Für die Mitmenschen. Es war eine tragende Rede, für die Martin offenbar etwas zu lange brauchte. Denn eigentlich sollte noch ein Lied gesungen werden. Doch scheinbar war der Zeitplan durcheinander geraten. Die Konzentration der Kinder beschränkte sich nur noch auf das Feuerwerk am Mühlenturm. Und als ein Goldregen herunterfiel, war der Platz auch ohne das Licht der Tankstelle wieder erleuchtet – in andächtiger Stille.
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