Wachtendonk: Kies unter der Gelinter Heide
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 22.01.2010 - 12:39Wachtendonk (RPO). Ein rund 70 Hektar großes Areal südöstlich von Wachtendonk ist als Sondierungsfläche für Abgrabungen vorgesehen. Nach derzeitiger Planung beginnt der Abbau 2018 und dauert 20 Jahre.
An einigen Stellen auf Wachtendonker Gemeindegebiet wollten Sand- und Kiesfirmen neue Baggerlöcher entstehen lassen. Übrig geblieben ist nach der jüngsten, der 51. Änderung des Gebietsentwicklungsplans (GEP) schließlich eine so genannte Sondierungsfläche: ein rund 70 Hektar großes Areal in der Gelinter Heide südöstlich der Ortschaft "Stadt Wachtendonk".
Niederländische Mutterfirma
"Sondierungsflächen sind Freihalteflächen, auf denen nichts passieren darf, was eine Abgrabung verhindern könnte", erklärte Hans-Hugo Papen, Vorsitzender des Planungsausschusses im Regionalrat, den rund 80 Besuchern, die zu einem Informationsabend der Wachtendonker CDU zum Thema Auskiesung gekommen waren. Ihnen erläuterte Claudia Lebbing, was die Gelinter Kiesbaggerei GmbH & Co. KG, eine 100-prozentige Tochter des niederländischen Unternehmens Teunesen zand en grint b.v., in der Gelinter Heide vorhat.
Wunsch und Plan
Rohstoff In NRW werden laut Ingo Schäfer vom Geologischen Dienst NRW jährlich 120 bis 150 Millionen Tonnen Steine und Erden-Rohstoffe gefördert.
Verwendung Davon gehen mehr als 50 Prozent in den öffentlichen Hoch- und Tiefbau, ein Viertel in den gewerblichen Bau und ein Fünftel in den Wohnungsbau.
Sondierungsflächen Für die 51. GEP-Änderung hatten Kiesunternehmen laut Hans-Hugo Papen Abgrabungswünsche für 1750 Hektar im Kreis Kleve und für 800 Hektar im Kreis Wesel angemeldet. Dargestellt sind im GEP jetzt 590 beziehungsweise 400 Hektar.
Sie baut bereits auf genehmigten Flächen zu beiden Seiten der Autobahn 40 Sand und Kies ab. Von der Jahresproduktion von 600 000 Tonnen gehen nach Angaben der Planerin 300 000 bis 400 000 Tonnen an die Firma Red Sun in Kevelaer, die daraus Betonpflastersteine und Pflanzkübel aus Beton herstelle, sowie 80 000 Tonnen an die Firma Dyckerhoff, Produzent von Transportbeton und Zement. Das Kieswerk Gelinter gibt laut Lebbing etwa 15 Menschen Arbeit. Hinzu kommen etwa 20 Jobs zum Beispiel für Lastwagenfahrer und Zulieferer. Außerdem hingen indirekt Arbeitsstellen in der Bauindustrie daran. Die 70 Hektar große Sondierungsfläche bedeutet eine erhebliche Ausweitung der Abgrabung der Gelinter Kiesbaggerei nach Norden, anschließend an deren jetzige nördliche Auskiesung an der A 40. Derzeit ist geplant, die neue Abgrabung in fünf Schritten von Süden nach Norden voranzutreiben.
Sie soll 2018 beginnen und 2038 abgeschlossen sein. Eine Rekultivierung folgt jeweils ein Jahr nach den jeweiligen Auskiesungen. Als Folgenutzung gab Lebbing naturnahe Entwicklung sowie "ruhige Erholung" wie zum Beispiel Wandern, Radfahren und Angeln an. "Hier kann die Gemeinde ihre Wünsche einbringen", sagte sie. Ihre Planungen kann die Firma nur verwirklichen, wenn sie die nötigen Grundstücke besitzt. Geschäftsführer Joop Teunesen teilte mit, dass mit den Eigentümern erste Gespräche stattgefunden hätten.
Befürchtungen von Zuhörern, die Abgrabung gefährde das Grundwasser und damit die Trinkwasserversorgung, traten Mitarbeiter des Geologischen Dienstes NRW entgegen. "Wasserschutzgebiete sind in der Regel für Abgrabungen tabu", sagte Dr. Volker Wrede. Diplom-Geologe Ingo Schäfer wies darauf hin, dass die Frage von Verunreinigungen aus der Umgebung des Baggersees durch eine Umweltverträglichkeitsprüfung geklärt werden müsse. KOMMENTAR
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