Geldern: Licht vom Schattenmann
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 09.02.2008Geldern (RPO). Dieter Ralla ist nicht nur Technik-Chef in der Diskothek E-Dry, an jedem Freitag wird er zum Lightjockey. Dann setzt er bis zum Morgengrauen die Musik des DJs in Licht um, ohne dass es jemand merkt.
Der Lightjockey führt ein Schattendasein. Findet Dieter Ralla, 43, graue Haare, Bäuchlein. Ralla findet auch: Der DJ ist der Held, der LJ ist der Idiot. „Von zehn Gästen wissen vielleicht drei, was wir da machen.“ Er muss es wissen, schließlich ist er für die Technik in der E-Dry verantwortlich, jeden Freitag macht er den LJ, setzt die Musik in Licht um. Ralla steht in der Halle der E-Dry hinter einem Pult, auf dem sich gefühlte 25 000 Knöpfe und Regler befinden und eine Heimorgel. Nein, nein, sagt er, die Frage ahnend, er mache keine Musik, auch wenn die Gäste sich manchmal Musik von ihm wünschten. Die Tasten sind ans Pult angeschlossen und steuern das Licht und den Laser. So wie Ralla das alles erklärt, muss das Pult für ihn das sein, was für Kinder der Spielplatz ist. Er mag die Technik, er mag die Musik. Als er 1999 für seine Firma den Laser in der E-Dry einbaute, blieb er direkt als Lightjockey da. Seit sechs Jahren ist er für die ganze Technik im Hause verantwortlich, „für alles, woran ein Kabel hängt.“
Lightjockey gesucht
Dieter Ralla sucht noch einen Lightjockey für die E-Dry.
Voraussetzungen Ehrgeiz, Fleiß und Interesse für Technik. Wer als Lightjockey arbeitet, sollte sich fürs Wochenende nichts vornehmen. In den ersten drei Monaten gibt es kein Geld. Damit trennt Ralla die Spreu vom Weizen.
Kontakt: dieter@e-dry.de
Wie in einem Raumschiff
Dann lässt Ralla seinen LJ-Kollegen hinters Pult. „Mach mal ne richtig schöne Lichtshow,“ sagt er. Es läuft „Insomnia“ von Faithless, und der Zuschauer ahnt, was ein LJ mit 150 Scheinwerfern und einem Laserapparat in der E-Dry bewirken kann. Es sieht aus wie in einem Raumschiff, in dem die komplette Besatzung mit Lichtschwertern kämpft. Mit sehr langen Lichtschwertern. Pro Minute braucht der Laserapparat sieben Liter Kühlwasser. „Im Winter ist schon mal die Leitung gefroren, da stand die Anlage still.“ Die Technik ist dabei nur das Werkzeug des LJs. Ralla sagt: „Ein Computer erfasst keine Stimmung.“ So steht er Freitagabends von 22.30 Uhr bis sechs Uhr morgens hinter dem Pult und drückt Knöpfe. Was schwieriger ist, als es aussieht. „Das ist kein geschmeidiger Job mit Gratis-Getränken und Frauen im Arm. Nur ein nüchterner LJ ist ein guter LJ. Wenn hier morgens die Putzfrau kommt, darf die auch nicht betrunken sein.“ Ein schlechter LJ drücke einfach irgendwas, der gute, beherrscht das Timing und die Kunst, vieles gleichzeitig zu tun. Da bleibt keine Zeit, eine Show abzuziehen wie der DJ. „Der LJ ist eine Spaßbremse.“
Immer wieder kommt Ralla auf das Schicksal des LJs zurück. Er sagt: „Wenn uns überhaupt jemand bemerkt, dann denkt er: Achso, die machen nur Licht.“ Und wenn der Gast im Morgengrauen die E-Dry verlässt und das Gefühl hat, einen guten Abend erlebt zu haben, führt er das nie auf die Lichtshow zurück. „Die bemerken nur das Gesamtbild.“ Gezahlt wird auch wenig. In Geldern sieben Euro pro Stunde. Ralla findet: „Man muss da einfach Bock drauf haben.“
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