Geldern: „Machen Sie ’ne Marke draus“
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 23.10.2006Geldern (RPO). 150 Gäste kamen zur Verleihung des „Gelderner Schaufensters“. Den Festvortrag hielt der Krefelder IHK-Vizepräsident Franz-Joseph Greve – und sagte den Geldernern auch unbequeme Wahrheiten über ihre Stadt. Sechsmal Jubel, sechs völlig überraschte Preisträger – mit teils abenteuerlichen Geschichten hatte Werbering-Geschäftsführer und Moderator Gerd Lange die Gewinner des „Gelderner Schaufensters 2006“ ins vollbesetzte BürgerForum gelockt, und tatsächlich hielten alle Jury-Mitglieder bis zur Preisverleihung dicht.
Mit 150 Gästen feierten die beliebtesten Bäcker und Verkäuferinnen, von Rheinischer Post und Niederrhein Nachrichten schon in den Samstagausgaben präsentiert, bis nach Mitternacht im Bürgerforum der Stadt.
Wofür steht Geldern?
Nachdem im vergangenen Jahr Horst Thoren, stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post, den Festvortrag gehalten hatte, schloss sich in diesem Jahr Franz-Joseph Greve an, Krefelder Einzelhändler und Vize-Präsident der IHK Mittlerer Niederrhein. Ausgiebig, pointiert und ohne Schmeichelei schilderte der Nachbar mit 52 Jahren Handelserfahrung den Geldernern, wie sich ihre Stadt eigentlich auswärtigen Besuchern präsentiert: „Geld, Kaufkraft und Pulver sind da, sie schöpfen Kaufkraft aus dem Umland ab, das ist sensationell gut.“ Unklar sei jedoch, wofür Geldern eigentlich stehe: „Machen Sie ’ne Marke draus!“ Dazu gehöre auch seiner Sicht auch, dass man den Wirtschaftspreis umbenenne: „Schaufenster Geldern statt Gelderner Schaufenster.“
Die Preisträger
Mehr als 2000 Kunden beteiligten sich an der Abstimmung über die beliebteste Bäckerei Gelderns und die beliebteste Verkäuferin: Platz 1: Pooten
Platz 2: Kamps
Platz 3: Herlé
Beliebteste Verkäuferin: Agnes Spütz (Rhiem)
Beliebteste Auszubildende: Inga Heimann (Büsch)
Sonderpreis der Jury: Unternehmerfamilie Hotstegs für die Toor-Brillen zur Fußball-WM.
Keine Fußgängerzone Hartstraße
Was die Stadt Besuchern an ihren Zufahrtsstraßen aus Richtung Krefeld und Veert als optisch als Willkommensgruß anbiete, gehe allerdings gar nicht: „Da müssen Sie ran.“ Was Geldern dagegen dar nicht brauche, so Greve, sei eine weitere Fußgängerzone auf der Hartstraße: „Lassen Sie sich das nicht einreden. Totberuhigt ist totberuhigt. Die Leute wollen was erleben. Die sitzen am liebsten da, wo Betrieb ist, wo der Diesel-Ruß auf dem Kaffee schwimmt.“ Da hätte mancher hinten im Saal gern das Gesicht des Bürgermeisters in der ersten Reihe gesehen.
Allerdings las Greve auch den Einzelhändlern die Leviten: Textilhändler, die ihre Ware auf Rundständern in die Fußgängerzone schöben, könnten auch gleich ein Schild raushängen „Hier sind Sie falsch!“ Und: „Es ist mir bei meinem Rundgang durch Geldern leider nicht gelungen, mir einen Überblick über die Öffnungszeiten zu verschaffen.“ Offensichtlich habe es sich auch noch nicht überall herumgesprochen, dass die Mittagszeit die rentabelste Zeit im Einzelhandel sei: „Die Kunden, die da kommen, wissen genau was sie wollen. Und die tauschen nichts um.“
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