Geldern: Mercedes-Diebstähle in Serie
VON GUIDO SCHWARTGES - zuletzt aktualisiert: 21.05.2009Geldern (RPO). Um zahlreiche Einbrüche am Niederrhein geht es in einem Prozess am Landgericht Kleve. Der 39-jährige Niederländer bestreitet jegliche Beteiligung und bezichtigt die Polizei der Manipulation von Beweisen.
Die Verhandlung
Die Gerichtsverhandlung gegen den Niederländer ist auf acht Sitzungstage angelegt. Die erste Strafkammer des Landgerichts hat insgesamt 35 Zeugen vorgeladen. Besonders bei den niederländischen Zeugen besteht das Problem, dass sie nicht verpflichtet sind, vor einem deutschen Gericht auszusagen. Wenn der 39-Jährige verurteilt wird, wird die Strafe in den Niederlanden vollstreckt.
straelen/geldern Der Angeklagte W. sitzt im Sitzungssaal des Klever Landgerichts hinter einer Barriere aus Holz – auf der langen Bank neben ihm hat er Unterlagen, Ordner und Dokumente ausgebreitet, mit denen er die Anklage anfechten und ihr Fehler vorwerfen will. Doch die Holzstangen sind nicht die einzige Barriere, die den 39-jährigen Niederländer vom Rest des Gerichts trennen. Es ist vor allem eine Verständigungsbarriere, die auch der bestellte Dolmetscher nicht überwinden kann – was nicht an der Qualität der Übersetzung liegt.
Der Niederländer W. ist in 23 Fällen des gewerbsmäßigen Diebstahls angeklagt. Zu den ihm zur Last gelegten Straftaten gehören Autodiebstähle, vornehmlich der Marke Mercedes und Einbrüche. Die Diebstähle wurden unter anderem in Straelen und Geldern, in Wesel, Dinslaken, Borken und in Teilen der Niederlande zwischen Oktober 2003 und Mai 2007 durchgeführt.
Verschwörung der Polizei
Der Angeklagte will die Beweise, die der ersten Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Schöttler vorliegen, nicht verstehen, versucht, aus seiner Sicht Ungereimtheiten aufzuzeigen, beschuldigt niederländische Polizisten, ihm die Taten anhängen zu wollen.
Der zentrale Fall, der letztlich zur Ergreifung des Angeklagten führte, ereignete sich in Kleve. Nach einem Blitzeinbruch 2006 bei Intersport an der Hoffmannallee verunglückten die Täter auf der Flucht mit gestohlenen Autos. Sie selbst entkamen zu Fuß, ließen aber Gegenstände zurück. Das Landeskriminalamt konnte an einer Sturmhaube und an einem Paar Handschuhen die DNA des Angeklagten nachweisen. Daneben noch Spuren von fünf unbekannten Tätern.
Der Angeklagte W. streitet das vehement ab: "Das kann überhaupt nicht sein." Eine Aussage, die er in den knapp vier Stunden des ersten Verhandlungstages mehr als strapaziert. Der 39-Jährige aus der Nähe von Arnheim hat eine Lebensgefährtin und drei uneheliche Kinder in den Niederlanden. Seit einem Unfall 2000 ist er arbeitsunfähig. Folgeschäden führt er immer wieder an, um zu belegen, dass er nicht beteiligt gewesen sein könne. Strafkammer und Staatsanwalt nehmen das kommentarlos hin.
Die Zeugen, die zum ersten Verhandlungstag geladen waren, sind wieder ausgeladen worden. Sie werden zu einem späteren Termin gehört werden. Zu einem wirklichen Ergebnis hat die Hauptverhandlung nicht geführt. Fest steht nur, W. wird, wie bereits in den Niederlanden, wo noch ein Verfahren wegen Diebstahls gegen ihn läuft, alle Anklagepunkte vehement abstreiten.
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