Geldern: Miese Stimmung im Finanzamt
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 03.11.2007Geldern (RPO). Während die Stadt sich auf das neue Behördenzentrum mit Finanzamt und Polizei freut, ist die Stimmung bei den Steuereintreibern schlecht: Das Gelderner Finanzamt verliert Mitarbeiter. Gewerkschaft: „Eine Katastrophe.“
Wenn Finanzminister Dr. Helmut Linssen seine Steuererklärung 2007 an das Gelderner Finanzamt schickt, wird der Wahl-Issumer diesmal vielleicht etwas länger als bisher auf den Steuerbescheid warten müssen – was seine eigene Schuld ist. Denn der Abbau des Landes-Personals, mit dem Linssen den NRW-Haushalt saniert, trifft auch die Finanzämter, die das Geld ja eigentlich hereinholen sollen. Bis zum Jahresende schickt Linssen rund 1100 Finanzbeamte in den vorzeitigen Ruhestand.
Bürger werden es spüren
„Auf das Finanzamt Geldern entfallen acht Beschäftige, auf die wir in Zukunft verzichten müssen. Das ist eine Katastrophe“, sagt Klaus Aengenheyster, Ortsverbandsvorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft im Finanzamt Geldern. Schon jetzt habe das Finanzamt Geldern zu wenig Personal gehabt. Den faktischen Personalabbau durch den vorzeitigen Ruhestand würden wohl auch die Bürger zu spüren bekommen.
Steuergewerkschaft
Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft (DSTG) eine Fachgewerkschaft für die Beschäftigten der Steuerverwaltung und der Finanzgerichte. Spitzenorganisation ist der Deutsche Beamtenbund, in der DSTG sind aber auch Angestellte und Arbeiter organisiert. Die DTSG hat in NRW rund 22 000 Mitglieder.
„Der jetzige Abbau von 4,5 Prozent der Belegschaft dürfte sich auch für die Bürger im Gelderland zum Beispiel durch längere Durchlaufzeiten der Steuererklärungen und entsprechend spätere Steuerrückerstattungen bemerkbar machen“, meint Aengenheyster. Durch den Personalabbau in den Finanzämtern spare das Land kein Geld, sondern zahle am Ende drauf: Wenn man sich klar mache, dass ein Betriebprüfer dem Staat rund fünf Mal so viel einbringe, wie er an Personalkosten verursache, und ein Kollege im Innendienst das Doppelte seiner Personalkosten, werde klar, „dass diese Sparaktion der NRW-Regierung eine Milchmädchenrechnung ist, die nicht aufgeht“, so Aengenheyster. Am Ende zahle der Bürger „für diese sinnlose Politik die Zeche“.
Die Gemütslage der Kollegen im Finanzamt Geldern beschreibt der Gewerkschaftsvorsitzende so: „Man hat uns in den letzten Jahren fortwährend so genannte Sonderopfer zugemutet. Bedingt durch die erfolgte Streichung des Urlaubsgeldes, die mehrfache massive Kürzung des Weihnachtsgeldes und andauernde jährliche Nullrunden büßen die meisten Kollegen in diesem Jahr fast einen kompletten Monatslohn ein. Was das für einen Normalverdiener bedeutet, brauche ich wohl niemanden zu erklären.“ Die Stimmung sei nicht gut.
Wenn die Kollegen dann noch von den Politikern hörten, dass der Aufschwung jetzt auch bei den Arbeitnehmern angekommen sei, fühlten sie sich verhöhnt und begriffen das nur noch als puren Zynismus. Insgesamt hätten die Kollegen inzwischen kaum noch den Eindruck, dass ihr Dienstherr ihre Arbeitsleistung gebührend respektiere und anerkenne. Aengenheyster: „Da helfen auch nicht die obligatorischen Weihnachtsgrüße, die uns zum Jahresende aus dem Finanzministerium erreichen.“
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