Geldern: "Ohne Investor kein Airport"
zuletzt aktualisiert: 11.06.2010Geldern (RPO). Ludger van Bebber über den Flughafen-Kredit.
Kreis Kleve Der Kreis Kleve muss sich offenbar noch in Geduld üben, bis er die Kredite, die an den Airport gingen, zurückbekommt. Statt Ende des Jahres soll dies erst 2016 geschehen. RP-Redaktionsleiterin Corinna Kuhs sprach darüber mit Airport-Geschäftsführer Ludger van Bebber.
Investor Herman Buurman will eine Zeitverschiebung zur Rückzahlung. Warum?
Ludger van Bebber Zunächst darf ich darauf hinweisen, dass nicht der Investor, sondern die Flughafen Niederrhein GmbH als Darlehensnehmer den Kreis Kleve und die Gemeinde Weeze gebeten haben, eine Verlängerung der Kredite zu gewähren. Zum Verständnis muss man auf das seinerzeit von Kreis und Gemeinde empfohlene Konzept des "Euregionalen Zentrums für Luftverkehr, Logistik und Gewerbe" zurückgreifen. In diesem Konzept sind die Gutachter davon ausgegangen, dass für den Aufbau des Flughafens bis zum Jahr 2010 48 Millionen Euro benötigt werden. Zur Deckung dieser Gesamtkosten sollten neben den Erlösen der Flughafen Niederrhein GmbH (FN) rund 19 Millionen Euro als Zuschuss der öffentlichen Hand, rund 1,3 Millionen Euro Eigenkapital und etwa 7,3 Millionen Euro Fremdkapital dienen.
Wie viel wurde bislang tatsächlich investiert?
van Bebber Tatsächlich sind bis heute rund 90 Millionen Euro für den Aufbau des Flughafens notwendig gewesen, und statt der geplanten 1,3 Millionen Euro Eigenkapital hat der Investor 38,2 Millionen Euro Eigenkapital in die GmbH gegeben. Die von den Gutachtern avisierten Fördermittel wurden nur zu einem Bruchteil gewährt, und der dadurch entstandene Fehlbetrag wurde dann zu einem Teil mit den Darlehen des Kreises Kleve und der Gemeinde Weeze abgedeckt.
Das heißt?
van Bebber Ohne die drastische Stützung im Bereich des Eigenkapitals durch den Investor in den schwierigen Anfangsjahren gäbe es heute die Flughafen Niederrhein GmbH nicht mehr. Im Jahr 2005 wurden die Darlehen mit der Fälligkeit 31. Dezember 2010 zusammengefasst mit der Zielsetzung, diese Darlehen dann durch eine Bankfinanzierung abzulösen.
Und warum funktioniert diese Ablösung nicht?
van Bebber Wir haben in den vergangenen Monaten mit mehreren Banken verhandelt. Neben der Frage der Ablösung der Darlehen ist es aus unserer Sicht aber auch zwingend notwendig, Finanzierungszusagen in Höhe von 15 bis 20 Millionen Euro für die Entwicklung des Flughafens in den nächsten Jahren zu realisieren. Wir haben trotz der juristischen Probleme und der Wirtschaftskrise eine herausragende Entwicklung in den vergangenen drei Jahren erreichen können: Der Flughafen ist zur Nummer 3 in NRW hinter Düsseldorf und Köln aufgestiegen, er ist die größte private Arbeitsstätte im Kreis Kleve und hat aufgrund seiner Entwicklung in den letzten Monaten bereits wieder mehr als 100 neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt sind auf dem Gelände des Flughafens mehr als 1200 Jobs entstanden. Diese Entwicklung wollen wir fortsetzen.
Das klingt sehr positiv. Warum dann der Aufschub bei der Kreditrückzahlung?
van Bebber Die Verzögerungen in den Aufbaujahren durch die juristischen Probleme haben zusätzliche Mittel verschlungen und die Entwicklung verzögert. Insgesamt ist das Unternehmen aus jetziger Sicht in der Lage, die zukünftigen Investitionen zu finanzieren, eine gleichzeitige Ablösung der Altdarlehen ist jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich gewesen. Daher haben wir die Verlängerung beantragt und gleichzeitig mitgeteilt, dass wir aufgrund der wirtschaftlichen Gesundung des Flughafens zukünftig in der Lage sind, zeitnah eine Verzinsung zu gewährleisten, die dem Darlehensgeber deutliche Zinsgewinne gewährleistet.
Info Der Kreistag beschäftigt sich am Dienstag, 15. Juni, mit dem Thema in nicht-öffentlicher Sitzung. www.rp-online.de/kevelaer
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