Geldern: Opfer auf „langer Reise nach Hilfe“
VON ANNA GRUTZA - zuletzt aktualisiert: 17.12.2008Geldern (RPO). Im Prozess um sexuellen Missbrauch an einer inzwischen erwachsenen Wachtendonkerin standen am Dienstag vier Zeugen vor dem Landgericht Kleve. Die große Jugendkammer erhebt Anklage wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 500 Fällen gegen den Vater der jungen Frau, einen 67-Jährigen aus Duisburg.
Die Übergriffe intensivierten sich laut Staatsanwaltschaft ab dem zehnten Lebensjahr des Kindes, es kam zu zwei nächtlichen Besuchen pro Woche. Der Angeklagte hatte angegeben, die Vorwürfe seien frei erfunden und seine Tochter müsse an einer Krankheit leiden.
Wie mehrere Zeugen ausgesagt hatten, habe das Kind öfters versucht, medizinische Hilfe zu bekommen und sich mehrmals stationär und ambulant behandeln zu lassen. Gestern verlas eine Zeugin, eine Diplompsychologin aus Viersen-Süchteln, einen Bericht, den sie im Jahr 2003 über das mutmaßliche Opfer, das im Prozess als Nebenklägerin auftritt, erstellt hatte.
Es sei eine massive Angst des Mädchens spürbar gewesen. Es habe sich bei belastenden Themen und sie überwältigenden Erinnerungen von der Realität entfernt und in die Welt einer Vierjährigen zurückgezogen. Dabei sei ihre Stoffpuppe ihr ständiger Begleiter gewesen. Sie habe eine massive Angst gehabt, über die Tat zu sprechen, denn dann würde „etwas Schlimmes passieren“.
Diese Erfahrungen habe sie gemacht, als ihr Vater ihre Mutter zusammengeschlagen und ihr gedroht habe, dies wäre nur eine „Kostprobe“. Ihre „traumatischen Berichte“ gingen bis zu ihrem fünften Geburtstag zurück. Die Psychologin beurteilte das Mädchen als „Jugendliche auf einer langen Reise nach Hilfe“. Der zweite Zeuge, ein Kinderarzt, stellte dem Gericht vor, wie schwierig es sei, einen Missbrauch eindeutig durch klinische Untersuchungen zu belegen.
Bei der Aussage der Wachtendonkerin wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.
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