Gelderland: Parteibuch auf Probe
VON BARBARA GROFE UND SILKE SCHIRMER - zuletzt aktualisiert: 17.10.2006Gelderland (RPO). Die Parteien sind erfinderisch bei der Mitgliederwerbung. Die SPD lockt seit kurzem mit einer Gastmitgliedschaft. Die CDU setzt auf den Zeitgeist. Die FDP organisiert bald ein Rhetoriktraining, die Grünen favorisieren Projektarbeit.
Lust auf’s Mitmachen?
Kontakt (alphabetisch):
Bündnis 90/Die Grünen (Kreis): Geschäftsstelle, Brückentor 2, Kleve, % 0 28 21 / 1 34 30.
CDU (Kreis): Bürgercenter, Lindenallee 49, Kleve, % 0 28 21 / 99 77 90.
FDP (Kreis): Servicecenter, Kleiner Markt 7, Kleve, % 0 28 21 / 2 80 98.
SPD (Kreis): Geschäftsstelle, Wiesenstraße 31-33, % 0 28 21 / 7 81 00.
Wenn es um Mitgliederwerbung für seine Partei geht, zieht der seriöse, ältere Herr von nebenan als Werber einfach mehr Jugendliche an, als es Nationalkicker Lukas Podolski als Kampagnengesicht täte. Davon ist Gelderns CDU-Chef Stefan Wolters überzeugt. „Sich als Christdemokrat krampfhaft frech zu geben und mit Stars ablichten zu lassen, geht nach hinten los“, sagt Wolters. Er setzt auf den Heimvorteil: „Unsere Mitglieder stehen an den Info-Ständen und punkten durch Wissen um lokale Probleme.“
Eine gezielte Aktion zur Mitgliederwerbung führt die CDU-Geldern momentan nicht durch. Denn: „Unsere Jugend besinnt sich aktuell auf Werte zurück. Immer mehr kommen auf mich zu, um über Familie, Fleiß und Pflicht zu sprechen“, meint Wolters. Die Gastmitgliedschaft als Bindemittel für Unentschlossene zeige in Geldern nicht solchen Erfolg. Das Motto: ganz oder gar nicht.
Zwei Jahre reinschnuppern
Die Bundes-SPD hingegen baut darauf. Denn die von der ARD veröffentlichten Mitgliederzahlen zeigen, dass mehr als das übliche Werben um die Gunst der politisch Interessierten nötig ist: Die SPD habe zwischen 1990 und 2006 bundesweit 40 Prozent ihrer Mitglieder verloren und drohe ihre Position als mitgliederstärkste Partei zu verlieren. Sie bietet seit kurzem Gastmitgliedschaften an. Gedacht seien sie, so Kreistagsabgeordneter Otto Weber, für diejenigen, die „sich nicht direkt auf Dauer binden wollen“, die erstmal sehen wollen, ob sie da reinpassen. Die Mitgliedschaft ist auf zwei Jahre beschränkt, danach entscheiden die Tester, ob sie bleiben. Weber erklärt, dass dies nur ein Baustein sei. Ein anderer sei die Projektarbeit. „Wir werden zum Beispiel eine Projektgruppe Lärmschutz ins Leben rufen – so wollen wir Menschen gewinnen, die an einem Thema mitarbeiten wollen.“ Der Vorsitzende der Kevelaerer Grünen, Karl-Heinz Kandolf, setzt auf die gleiche Karte. „Als die Diskussion über die Stilllegung des Lehrschwimmbeckens für die Kevelaerer Grundschüler in der heißen Phase war, haben wir viele junge Eltern gebunden“, erklärt Kandolf. Eine Notwendigkeit, denn, so der Versitzende, auch die Grünen an der Basis seien gealtert. Das Durchschnittsalter der 24 Mitglieder in Kevelaer liege bei Anfang 40. Was tun? „Ökologische Projekte vor Ort haben am schnellsten Jugendliche gebunden. Hier müssen wir mehr Zeit reinstecken, um Politikverdrossenheit entgegenzuwirken“, meint Kandolf.
Keinen Grund zur Verdrossenheit sehen die Liberalen. Der neue, von Straelens FDP-Fraktionsvorsitzendem Michael Traurig initiierte Arbeitskreis Mitgliederwerbung steht vor seinem ersten Workshop. „Wie gehe ich auf Leute zu, ohne den Charme eines aufdringlichen Verkäufers zu haben? Um das zu lernen, werden wir ein Rhetoriktraining machen.“
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