Straelen: Paten für Memorienkalender
VON BIANCA MOKWA - zuletzt aktualisiert: 01.11.2011Straelen (RP). Bei einer Internetrecherche ist Jens Hielscher auf ein verschollen geglaubtes Messbuch aufmerksam geworden. Gemeinsam mit Johannes Heekeren erwarb er das Buch und stellte es dem Stadtarchiv Straelen zur Verfügung.
Passend zu Allerheiligen präsentiert Bernhard Keuck das Nekrologium. Dabei handelt es sich um ein Buch, in das die Messen zum Gedenken der Toten eingetragen werden.
Mit Samthandschuhen behandelt der Straelener Stadtarchivar das kostbare Stück, dessen früheste Eintragung aus dem Jahr 1507 stammt. Lange Zeit galt das gute Stück als verschollen. Über 200 Jahre lang haben Pastoren handschriftlich ihre Eintragungen auf den 48 Seiten Pergament hinterlassen.
Zuletzt aufgetaucht sei das Nekrologium, als fünf Stadthistoriker sich 1928 daran machten, die Stadtgeschichte aufzuschreiben. Das Projekt scheiterte nach einem Streit, und damit verschwand auch das Dokument.
Das Stadtarchiv
Das Stadtarchiv Straelen ist eine Fundgrube der Geschichte Straelens. Im historischen Gebäude in der Kuhstraße 21 werden alte Urkunden, Karten und allerhand Fundstücke aufbewahrt.
Um einen möglichst großen Überblick über die Historie zu erhalten, werden Dokumente und Fotos aus Straelener Gebiet entgegengenommen. Ansprechpartner im Stadtarchiv ist Bernhard Keuck unter Tel. 02834 6598.
Neben den Eintragungen von bestellten Messen für Tote lassen sich viele weitere Informationen aus dem Leben der damaligen Zeit in Straelen ableiten. So übersetzte Keuck bereits einen kleinen Teil der handschriftlichen Eintragungen aus dem Lateinischen.
Unter dem 24. April findet sich die Eintragung: "Seit alters zieht am Markustag die Prozession übers Feld um den Holzpael und das Hagelkreuz, und Enthaltsamkeit vom Fleisch ist geboten. Fällt der Tag auf einen Sonntag oder in die Osterwoche, so ist Fleischspeise gestattet und die Prozession zieht nur über den Kirchhof."
Was am Markustag geschah
Eine andere Eintragung hält fest, dass für die Messe 30 Taler hinterlegt wurden. Das war im Jahr 1634. "Damals galt die Vorstellung, dass man sich mit vielen Messen einen möglichst guten Platz im Himmel erkaufen konnte", erklärt Keuck. "Das ist handfeste Kulturgeschichte", freut sich der Stadtarchivar über die Rückkehr des Nekrologiums. Möglich wurde dies durch die intensive Internetrecherche von Jens Hielscher.
Der Stendener ist regelmäßiger Gast im Stadtarchiv und hatte am Tag noch mit Keuck über genau diesen Totenkalender gesprochen. "Abends erhielt ich einen Anruf: Du glaubst nicht, was ich gefunden habe", sagt Keuck. Im Internet war die Jahreszahl des Kalenders angegeben und Ausschnitte abfotografiert. Ein langes "auf die Bank schieben" kam nicht in Frage.
Hätte jemand aus dem Ausland das Stück Straelener Geschichte erworben, wäre es weg gewesen, sind sich die Geschichtsfans einig. Gemeinsam mit Johannes Heekeren machte Jens Hielscher den Kauf perfekt und stellte das mittelalterliche Memorienbuch dem Stadtarchiv zur Verfügung. F"Straelen ist meine Heimatstadt. Da ist es wichtig, dass solche Dokumente erhalten bleiben", sagt Heekeren.
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