Geldern: Polizist attackiert Kameramann
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 18.06.2009Geldern (RPO). Im Gelderner Egmondpark musste ein Mann reanimiert werden, der vermutlich betrunken in den See gegangen war. Ein Journalist, der den Einsatz der Rettungskräfte filmen wollte, wurde offenbar von Polizisten niedergerungen.
Bei einem an sich schon dramatischen Rettungseinsatz ist es in Geldern am Dienstagabend zu einem Zwischenfall zwischen Polizisten und einem Journalisten gekommen. Das Geschehen entwickelte sich nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei so: Ein 29-Jähriger aus Geldern war gemeinsam mit einem 45-jährigen Begleiter aus Geldern vermutlich alkoholisiert und voll bekleidet in den See im Egmondpark gelaufen.
Als Zeugen auf das Geschehen aufmerksam wurden, drohte der 29-Jährige bereits, im Wasser unterzugehen. Die Helfer sprangen daraufhin sofort ins Wasser und versuchten, den Mann über Wasser zu halten. Allerdings, so die Polizei, gelang ihnen dieses Vorhaben auf Grund des Gewichts des Mannes nur einige Minuten, so dass der 29-Jährige schließlich unter Wasser geriet. Erst hinzugezogene Taucher der Gelderner Feuerwehr konnten den Mann aus dem trüben Wasser bergen.
Ermittlungen
In der Stellungnahme der Polizei hieß es Mittwoch: "Die Pressefreiheit ist ein hohes grundgesetzlich garantiertes Gut. Einschränkungen der Pressefreiheit sind nicht zu tolerieren. Auf Initiative der Kreispolizeibehörde Kleve werden in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Kleve die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu einem möglichen strafrechtlich relevanten Verhalten des Polizeibeamten beim Polizeipräsidenten Krefeld geführt."
Weitere Retter konnten den Mann dann reanimieren und ins Krankenhaus bringen. Laut Polizei schwebte der Mann, der sich ohne festen Wohnsitz in Geldern aufhielt, gestern nach wie vor in Lebensgefahr.
Während des Einsatzes kam es zu einem Streit zwischen einem Polizisten und einem Kameramann, der das Geschehen filmen wollte. Das gesamte Vorfall war gestern auf einem Internet-Videoportal zu sehen – aufgenommen offenbar von der Kamera des Journalisten. Das Video mit dem Titel: "Polizeibeamter drehte im Dienst durch. Kameramann wird geschlagen" zeigt, wie sich ein Polizist dem Kameramann nähert und ihn auffordert, das Filmen einzustellen. Als der Journalist sich weigerte, der Aufforderung nachzukommen, wird er offenbar plötzlich von einem oder mehreren Polizisten zu Boden gerungen.
Auf Video zu sehen
Die Polizei berichtete gestern, dass es zu einem "Zwischenfall zwischen einem Polizeibeamten und einem Medienvertreter" gekommen war und zur Prüfung des Verhaltens des Polizisten auch ein Disziplinarverfahren gegen den Beamten eingeleitet wurde.
Gegenüber der RP zeigte sich der aus Essen kommende Kameramann entsetzt über das Vorgehen der Polizei. Er habe sich absolut korrekt verhalten und ein Recht gehabt, das Geschehen zu filmen. Der Einsatzleiter habe ihm zuvor eine Dreherlaubnis erteilt und einen Platz zum Drehen zugewiesen, den er nicht verlassen habe. Dann sei die Situation eskaliert: "Der Polizist hat mich umgehauen oder umgerungen. Ich fiel zu Boden, und meine Nase blutete." Seine Kamera sei zu Bruch gegangen.
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