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Gelderland: Preisschlacht um die Milch

VON KATRIN REINDERS - zuletzt aktualisiert: 04.08.2012

Gelderland (RP). Hohe Energie- und Futterkosten neben aktuell niedrigen Milchpreisen machen den Landwirten das Leben schwer. Alle Hoffnungen ruhen auf steigenden Export und den Verbrauchern: Sie sollen mehr für gute Qualität ausgeben.

Milchbauer Johannes Steegers aus Kerken müsste zehn Cent mehr für den Liter Milch bekommen, damit sich das Geschäft lohnt: Futter- und Energiekosten machen ihm das Leben schwer.  Foto:  Jürgen Venn
Milchbauer Johannes Steegers aus Kerken müsste zehn Cent mehr für den Liter Milch bekommen, damit sich das Geschäft lohnt: Futter- und Energiekosten machen ihm das Leben schwer. Foto: Jürgen Venn

Ein Autohersteller macht es so: Wenn seine Produkte ausreichend auf dem Markt zu finden sind, verbaut er weniger Blech. Doch: Wenn hunderte Kühe im Stall stehen, Futter brauchen und gemolken werden müssen, sieht das ganz anders aus. Sie produzieren nicht nach Marktlage und brauchen täglich ihren "Kraftstoff".

Steigende Kosten gegenüber sinkender Milchpreise machen aktuell den Landwirten wieder das Leben schwer. Fakt ist: Es gibt genügend Milch – somit können Discounter Molkereien im Preis drücken. Das letzte Glied in der Kette sind die Produzenten, sprich Milchviehbetriebe, die aktuell einen Basispreis von 26 Cent pro Liter erhalten (je nach Fett- und Eiweißgehalt sowie der tätigen Molkerei, inklusive Mehrwertsteuer, werden dem Landwirt 30 Cent ausbezahlt).

Info

Die Preise

Rund 45 bis 55 Cent kostet derzeit ein Liter fettarme Milch im Supermarkt.

Der Preis liegt damit auf einem sehr niedrigen Niveau im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten.

Dennoch: Die globale Milcherzeugung schreitet weiter voran, so eine Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums.

Wären es rund zehn Cent mehr, könnte man von einem kostendeckenden Geschäft sprechen, sind sich die Landwirte einig. "Aktuell bekommen die Milchviehbetriebe den Preisverfall jedoch ordentlich zu spüren", sagt Landwirt Johannes Steger aus Kerken. 120 Milchkühe stehen in seinem Stall. Erhält er nur einen Cent weniger als im Vorjahr, spricht man gleich von einem Verlust in Höhe von 10 000 Euro. "Bei fünf Cent weniger sind wir bei 50 000 Euro", rechnet er vor.

Wie man damit umgeht? Tief durchatmen. In guten Zeiten Rücklagen schaffen, Investitionen zurückhalten und beim Futtereinkauf über größere Mengen einen besseren Preis erzielen – "mehr kann man nicht tun", meint Steger, "wir sind nicht die direkten Verkäufer, die den Preis bestimmen."

Dem kann sich Wilfried Oestrich aus Issum anschließen. 230 Milchkühe und 175 Hektar füllen seinen Arbeitsalltag. Zwei Millionen Liter Milch pro Jahr stammen von seinem Hof – auch bei ihm schlägt ein Cent weniger ordentlich in die Bilanz: "Die Betriebe haben die Talsohle momentan durchschritten, aber bis man von einer Kostendeckung bei der Milcherzeugung sprechen kann, müsste es um zehn Cent pro Liter nach oben gehen ", ist er sich sicher. Vor allem mit Blick auf die Betriebskosten habe die Landwirtschaft finanziell mittlerweile einiges aufzufangen. "Der Absatz ist gut, doch auf einem niedrigen Preisniveau", sagt Oestrich.

Die Hoffnungen ruhen nun auf einen erfolgreich wachsenden Export weltweit. Und darauf, dass Milch wieder "echten" Wert bekommt. Aktionen der Landwirte rund um die Milch haben gezeigt, dass Kunden durchaus mehr für Butter und Co. bezahlen würden.

Sollte aus Protest erneut Milch über die Straße laufen? "Meiner Ansicht nach bringt das nichts", sagt Ludger Bröcheler, Milchhofbetreiber aus Kevelaer. Ein Lösungsweg, den die Landwirte andeuten: Wenn das Exportgeschäft steigt und eine Verknappung des Angebots in Deutschland erreicht wird, könnte es bergauf gehen.

Quelle: RP/ac
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