Geldern: Ruwel bleibt zuhause
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 20.12.2006Geldern (RPO). Die neuen Eigentümer der Ruwel GmbH haben den Aufbau einer Auslandsfertigung vorerst abgeblasen und konzentrieren sich auf die deutschen Standorte. In Geldern soll in zweistelliger Millionenhöhe investiert werden.
Ruwel-Investitionen
Ruwel erwirtschaftet 61 Prozent seines Umsatzes von (164 Millionen Euro) mit Kfz-Elektronik. Das Werk Geldern 500 Mitarbeitern ist auf diese Branche fokussiert. Eine Millionen-Investition steckte Ruwel jetzt in neue Laserbohrtechnik für 0,1 mm-Bohrlöcher, inverstiert wurde auch in einen neue Fotodruck-Bereich, Automatische optische Inspektion und eine zweite sogenannteLötstopplack-Linie .
Als Wilfried Sehner noch Vorstandsvorsitzender der Ruwel AG war, nannte er beharrlich einen einzigen Grund, warum der zweitgrößte europäische Leiterplattenhersteller unbedingt einen starken Finanzinvestor brauche: Aufbau einer Billig-Kostenfertigung im Ausland. Inzwischen haben die Finanzpartner das Ruder übernommen und die AG in eine GmbH zurückverwandelt, um den zum Geschäftsführer zurückgestuften Sehner enger an die Kandare nehmen zu können. Und das Auslandsengagement ist vorerst abgeblasen.
Propagiert und abgesagt
Während Sehner im Vorwort des neuen „Ruwel-Journals“ (im Internet unter http://www.ruwel.de/_files/de/ruwel_journal_8_d.pdf) unverdrossen den Aufbau einer Auslandsfertigung propagiert, sagt der neue Aufsichtsratschef den Plan drei Seiten weiter ab: „Wie ich bereits auf den Betriebsversammlungen in Geldern und Wetter ausgeführt habe, liegt unser aktueller Fokus eindeutig auf der Restrukturierung und Optimierung der inländischen Standorte. Intelligente, anspruchsvolle Produkte kann man unverändert auch in Deutschland profitabel produzieren, wenn ,clevere‘ und motivierte Mitarbeiter sowie gut organisierte Produktionsprozesse und Produktionsabläufe dahinter stehen“, so Joachim Koolmann.
Der 49-jährige Investmentbanker, der mit Frau und Tochter in London lebt, vertritt Ruwels Teileigentümer Bear Stearns, der mit 20 Prozent der GmbH-Anteile der kleinste der neuen Besitzer ist (BlueBay 45 Prozent, Cargill 35 Prozent). Als Aufsichtsratsvorsitzender hat er den Klever Ex-Eigentümers „Mom“ Zevens abgelöst, der ausbezahlt wurde.
Neuer starker Mann im operativen Geschäft bei Ruwel ist der Unternehmensberater Detlev Schauwecker von AlixPartners, der im Rang eines Geschäftsführers mit dem Kampftitel „Chief Restructuring Officer“ installiert wurde. Der 43-Jährige, der seine Karriere als Marketing-Mann für das polnische Kaffeegeschäft von Kraft Foods begann und 1996 zu Roland Berger wechselte, hat zuletzt als Finanzvorstand auf Zeit den kriselnden Feinstrumpf-Hersteller Kunert AG saniert. Ob Laufmaschen-Branche oder Leiterplatte, der Job des Diplom-Kaufmanns als Manager auf Zeit ist immer der gleiche: Den Laden finanziell vom Kopf auf die Füße stellen.
Und das möglichst zackig, denn die drei Finanziers wollen nicht ewig Ruwel-Eigentümer bleiben. „Die Zeitachse unserer Investments ist grundsätzlich zwischen zwei und fünf Jahren“, so Bear Sterns-Vertreter Koolmann im „Ruwel-Journal“. Danach sucht das Finanzkonsortium Käufer. Was der Sanierungsprozess für die rund 500 Mitarbeiter am Standort Geldern bedeutet, ist entsprechend unklar. Akut sieht Unternehmenssprecher Frank Hoiboom keine Arbeitsplätze in Gefahr: „Die Investitionen, die jetzt bei uns getätigt werden, sind keine Rationalisierungen. Wir erweitern ganz erheblich unsere Kapazität.“
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