Geldern: Ruwel entlässt 150 Mitarbeiter
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 12.05.2007Geldern (RPO). Katerstimmung bei Betriebsversammlung im Seehotel: Trotz Millionen-Investitionen in den Standort sollen 150 Ruwel-Mitarbeiter im Werk Geldern kurzfristig entlassen werden. Mitarbeiter fürchten: Das ist erst der Anfang.
Die Stimmung gestern nachmittag im Seehotel passte zum Sturm, der vor der Tür wütete. Hinter der Tür erfuhr die Ruwel-Belegschaft ab 16 Uhr Details zu dem Plan, der seit Tagen im Werk die Runde macht: 150 Mitarbeiter des Stammwerks sollen kurzfristig entlassen werden sollen. Aus der Belegschaft wurden Befürchtungen laut, dies könne erst der Anfang eines Prozesses sein, an dessen Ende in zwei Jahren in Geldern keine 80 Arbeitsplätze für Entwicklungsarbeiten und Sonderfertigungen übrig wären.
Haupt-Kunde Bosch wandert ab
Aktueller Anlass für die Massenentlassung von mehr als 25 Prozent der 550-köpfigen Belegschaft: Ruwel soll nach RP-Informationen umfangreiche Fertigungsaufträge seines Hauptkunden Bosch für Spezial-Leiterplatten an die asiatische Konkurrenz verloren haben. Nach Ruwel-Angaben erwirtschaftet das früher dem Klever Unternehmer „Mom“ Zevens gehörende Stammwerk rund 61 Prozent des Umsatzes von gut 164 Millionen Euro mit Auto-Elektronik. Vom Werk Geldern aus werden praktisch gar keine anderen Branchen bedient.
Rund 350 Mitarbeiter nahmen schätzungsweise an der Betriebsversammlung in der Halle Gelderland teil. Ab 1. Juli sollen die Kündigungen ausgesprochen werden, möglicherweise in mehreren Wellen. Befristete Arbeitsverhältnisse sollen schon früher beendet werden. Für die Betroffenen sei ein Sozialplan mit einer Beschäftigungsgesellschaft ausgehandelt, aber wohl noch nicht unterschrieben. Erst im Dezember hatte Ruwel angekündigt, mehrere Millionen Euro in die technologische Ausstattung des Gelderner Werks zu investieren – weil man davon ausgehe, dass die Nachfrage nach Spezial-Leiterplatten für Automotive-Anwendungen in den kommenden Jahren „stark ansteigen“ werde.
Sehner in aller Stille entfernt
Einen Arbeitsplatz hat die Unternehmensleitung bereits in aller Stille entfernt: Ex-Vorstand Wilfried Sehner, der die Sanierer ins Haus geholt hat, kehrte aus einem lange Urlaub gar nicht erst zurück und wurde per Handelsregistereintrag aus der Firma gekickt. Sehner hatte maßgeblich an der Übernahme des Unternehmens durch die Investorengruppe Bear Stearns, BlueBay Asset Management und Cargill Value Investment mitgewirkt und sich davon die dringend benötigte Finanzspritze (rund 80 Millionen Euro) für den Aufbau einer Auslandfertigung in Rumänien erhofft.
Statt dessen suspendierten die Investoren sowohl Sehner als auch den Rumänienplan und konzentrierten sich zu weit geringeren Kosten auf die deutschen Standorte. Das Kommando übernahm Detlev Schauwecker, den die Investoren beim Sanierungs-Spezialisten AlixPartners ausgeliehen haben.
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