Geldern: Ruwel feiert Arbeitslosigkeit
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 21.10.2009Geldern (RPO). Der aus der Insolvenz entkommene Leiterplattenhersteller lädt entlassene Mitarbeiter zur "Solidaritätsparty" ein. Dabei soll auf dem Werksgelände in Geldern gefeiert werden, dass das Unternehmen noch besteht.
Ruwel International, durch Übernahme frisch aus der Insolvenz entkommen, lädt zur "großen Solidaritätsparty" ein. Damit feiert der Leiterplattenhersteller nichts anderes als die Arbeitslosigkeit. Denn die Einladung ging nicht nur an Mitarbeiter, die noch bei Ruwel beschäftigt sind und damit einen Grund zum Feiern hätten. Sondern auch an jene, die im Zuge des Insolvenzverfahrens entlassen wurden – und ihre Kündigungsschutzklagen nach massiven Überredungsversuchen seitens des Unternehmens zurückgezogen haben. Diese Menschen haben zwar eine Abfindung erhalten, stehen aber auf der Straße. Und ausgerechnet sie sollen nun fröhlich feiern. "Wir haben nicht aufgegeben und gekämpft, bis zum Schluss", heißt es in der mit Ausrufezeichen gespickten Einladung, die der RP vorliegt. "Und wir haben es geschafft. Vor allem auch Dank Eures Verständnisses, Eurer Einsicht und Eurer Hilfe!!!"
Ständiges Auf und Ab
Februar Ruwel meldet Insolvenz an. Insolvenzverwalter wird Horst Piepenburg. 180 Mitarbeiter werden entlassen.
Juli Der frühere Ruwel-Eigentümer Bernd Zevens kündigt an, das Werk in Pfullingen kaufen zu wollen.
August Insolvenzverwalter Horst Pipeneburg verkündet das Aus für Ruwel in Geldern. Als Grund nennt er, dass Investor Bluebay das Werk nicht übernimmt, wenn es 180 Kündigungsschutzklagen gibt.
September Bluebay übernimmt Ruwel nun doch, nachdem viele Kündigungsschutzklagen zurückgezogen wurden.
Auf Teile des Gehalts verzichtet
Investor Bluebay, der Interesse an Ruwel bekundet hatte, wollte das Werk nur dann gemeinsam mit dem asiatischen Geschäftspartner Unimicron übernehmen, wenn keine oder nur sehr wenige Kündigungsschutzklagen im Raum stehen. Daraufhin hatten Ruwel-Mitarbeiter auf Teile ihres Gehaltes verzichtet, um die Abfindungssumme für die Entlassenen zu erhöhen. Einige der Gekündigten berichteten gegenüber der RP, regelrecht bedrängt worden zu sein, die Klagen gegen eine Abfindung zurückzunehmen.
Bluebay ist kein neuer Investor für Ruwel. Das Unternehmen gehörte zu dem internationalen Konsortium, das den Leiterplattenhersteller finanziell verhungern ließ – bis die in Geldern ansässige Firma Anfang Februar Insolvenz anmelden musste.
Dem Anlass entsprechend ist die Einladung zur "Solidaritätsparty" geschmacklos gestaltet: Ein Comic-Bild eines Storches, dem die Kehle zugeschnürt wird, ist auf das Blatt kopiert. Darüber die Überschrift: "Never ever give up! – NIEMALS aufgeben!!!". Unterschrieben hat die Einladung "im Namen des Organisationskreises" Ruwel-Pressesprecher Frank Hoiboom. Die Kollegen "daheim", die durch ihre Unterschrift den Weg für "Ruwel International" freigemacht haben, seien "ganz besonders herzlich" eingeladen. Gefeiert wird am Freitag, 31. Oktober. Es ist passenderweise der Abend der Horrornacht Halloween.
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