Geldern: Schlechte Zeiten für Sieger
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 07.09.2007Geldern (RPO). Eine Analyse der bisherigen Wahlen zeigt, dass der Plan, Bundestags- und Kommunalwahl 2009 terminlich zu trennen, für CDU und FDP nach hinten losgehen könnte – wenn sie den Bundesentscheid gewinnen.
Bisher kennen die Repräsentanten der Gelderner CDU viele gute Argumente, um die Pläne der Landesregierung zu unterstützen, Bundestags- und Kommunalwahl 2009 terminlich zu trennen (die RP berichtete).
Ob die hiesigen Christdemokraten von der Idee aus Düsseldorf aber immer noch so begeistert sind, wenn sie einen Blick in die Geschichte geworfen haben, darf bezweifelt werden. Eine RP-Analyse der Wahlergebnisse seit 1949 zeigt, dass die Partei vor einem Dilemma steht: Entweder hofft sie, dass Angela Merkel 2009 abgewählt wird, oder sie stellt sich vorsichtshalber schon mal auf Sitzverluste im Stadtrat ein.
Kleine Parteien
FDP Obwohl die Liberalen lange zur Regierung zählten, wurden sie als kleiner Koalitionspartner meist wie eine Oppositionspartei gesehen: Sie verbuchten mehr Stimmen auf kommunaler Ebene.
Grüne In den Anfangsjahren legten die Grünen bei jeder Wahl zu, seitdem werden sie ähnlich wie die FDP behandelt.
Die Ergebnisse der Analyse
Die Untersuchung vergleicht die Gelderner Stimmergebnisse der großen Parteien bei Bundestagswahlen mit denen bei den jeweils darauf folgenden Kommunalwahlen – eben jene Konstellation, die die Regierungsparteien für das Jahr 2009 anstreben. Bis 1969 lagen die Wahlen für das Bonner und das Gelderner Parlament jeweils drei Jahre von einander getrennt. Die CDU verbuchte in allen vier Fällen deutlich höhere Ergebnisse auf Bundesebene. SPD und FDP fuhren stets auf kommunaler Ebene die besseren Resultate ein.
Mit der Bundestagswahl und der ersten großen Koalition wendete der Trend. Bis 1983/84 war es nun die SPD, die mehr Stimmen für Bonn als für Geldern sammelte und zwar unabhängig davon, ob die Wahltermine nur sechs Wochen oder drei Jahre auseinander lagen. CDU und FDP präsentierten sich nach dem Ende der großen Koalition bis in die Mitte der Achtziger bei den Entscheidungen über den Stadtrat stärker.
Die Entwicklung wiederholte sich danach noch zwei Mal. Zwischen 1987 und 1998 waren die CDU-Anteile für die Bundesebene besser, danach gilt dies wieder für die SPD. Die übrigen Parteien lagen im Stadtrat besser.
Die Schlussfolgerungen
Wer immer in Bonn beziehungsweise in Berlin den Kanzler stellte, verlor in Geldern anschließend Stimmen. Die Herzogstädter neigen offenbar zu Sanktionswahlverhalten, das heißt, sie bestrafen ihre Vertreter vor Ort für die als schlecht empfundene Bundespolitik. Dieses Sanktionswahlverhalten zeigt sich auch, wenn die Kommunalwahl sehr schnell auf die Bundestagswahl folgt. Sollte die CDU also, wie es sich derzeit abzeichnet, 2009 die Bundestagswahl gewinnen, stehen bei der Kommunalwahl Verluste zu erwarten.
Als die beiden Wahlen 1994 am selben Tag stattfanden fielen die CDU-Verluste so gering aus wie sonst nur zwei Mal, und die SPD verbuchte das geringste kommunale Plus überhaupt.
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