Geldern: Selbstbewusste Spitzen-Bauern
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 03.11.2007Geldern (RPO). Lange nicht mehr ging es der Agrarbranche so gut wie jetzt. Das stellte Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, auf der Mitgliederversammlung der Kreisbauernschaft Geldern fest.
Festakt in Kempen
Jubiläum Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) hat gestern in Kempen mit einem Festakt die Gründung des Rheinischen Bauernvereins vor 125 Jahren gefeiert.
Gäste RLV-Präsident Friedhelm Decker, NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg und Gerd Sonnleitner.
Der Mann sprach mit breiter Brust. „Wir sind die Problemlöser schlechthin, und der Nachwuchs drängt in unsere Zukunftsbranche“, sagte Gerd Sonnleitner gestern Abend auf der Mitgliederversammlung der Kreisbauernschaft Geldern. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes verband seine Teilnahme am Festakt in Kempen (siehe Info) gleich mit noch einem Termin am Niederrhein. Rund 400 Zuhörer wollten sich in der Halle Gelderland nicht entgehen lassen, was der Gast aus Bayern zu sagen hatte.
„Geldern kommt von Geld“
Sonnleitner arbeitete sich in seiner Einleitung bereits scherzhaft an die bessere wirtschaftliche Lage der Agrarier heran. Er habe über üppigste Gemüsefelder gestaunt, bekannte er. „Geldern kommt wohl von Geld her“, lieferte er eine ganz neue Deutung des Stadtnamens.
Die Stimmungslage der Landwirtschaft ist nach seiner Darstellung so gut wie lange nicht mehr. Außer bei den Sauenhaltern und Schweinemästern sowie den Biogas- und Biokraftstoffherstellern gehe es überall steil aufwärts, zitierte er das Konjunkturbarometer Agrar. Zwei wesentliche Gründe führten seiner Ansicht nach zu dieser Entwicklung: Die Europäische Union habe sich dem Weltmarkt geöffnet und die Weltmärkte zögen an, was zu einem Schub auch in der Veredlungsproduktion geführt habe. Die Getreidevorräte reichten noch für maximal 50 Tage, ein laut Sonnleitner kritischer Wert.
„Wenn es so weiter geht, brauchen wir in 20 Jahren die doppelte Getreideernte“, prophezeite der Bauernpräsident. Wie Gelderns Bürgermeister Ulrich Janssen in dessen Grußwort zuvor forderte auch Sonnleitner dazu auf, mit den Flächen sparsam umzugehen.
Die Zeiten des Überflusses seien vorbei, versicherte Sonnleitner. Er rechnet mit einem weiteren, wenn auch moderaten Anziehen der Nahrungsmittelpreise. Nach jahrzehntelangem Stagnieren oder sogar Sinken der Preise und nachdem man den Bauern das Mitziehen mit der Teuerungswelle nicht vergönnt habe, werde jetzt alles ein wenig zurechtgerückt. „Dabei ist die Butter immer noch billiger als 1987“, wandte er sich gegen jegliche Kritik.
Einen Bewusstseinswandel gegenüber der Landwirtschaft konstatierte Sonnleitner. Erfreut ist darüber auch Heinz Deselaers, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Geldern. „Heute erfahren Bauern Dank und Anerkennung für ihre gute Arbeit, für das Erzeugen erstklassiger Lebensmittel und für wichtige Leistungen in der Landschafts- und Kulturpflege“, fasste er die Lage zusammen.
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