Geldern: SPD: Pass taucht zu früh auf
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 04.12.2008Geldern (RPO). Die SPD lehnt vorerst ab, in Geldern einen Familienpass mit Vergünstigungen einzuführen. Das Projekt findet sie zwar gut, es reicht ihr aber nicht. Sie möchte warten, bis das Konzept auch soziale Komponenten berücksichtigt.
Ab dem 1. Januar gibt es für Gelderner Eltern ein neues Angebot: Mit dem Familienpass erhalten sie Gutscheine für Veranstaltungen, Schwimmbad und Rabattangebote in teilnehmenden Geschäften. Das hat der Jugendhilfeausschuss beschlossen – gegen die Stimmen der SPD. Die endgültige Entscheidung wir der Stadtrat fällen.
Die Sozialdemokraten sind nicht grundsätzlich gegen das Projekt, ihnen geht das aktuelle Konzept jedoch nicht weit genug. „Wir möchten die Einführung des Familienpasses so lange zurückstellen, bis eine soziale Komponente eingearbeitet wird“, erklärte Sigrid Eicker im Ausschuss die Haltung der Sozialdemokraten. Es fehlten „präventive Maßnahmen“, um auch Kindern aus sozial schwachen Elternhäusern alle erforderlichen Zukunftschancen einzuräumen. Da reiche es nicht, nur Vergünstigungen anzubieten.
Start mit 2000 Stück
Die Erstauflage des Familienpasses mit Broschüre soll 2000 Exemplare betragen. Damit können rund 62 Prozent der Familien mit Kindern unter 16 Jahren erreicht werden. Beantragen können den Pass die Erziehungsberechtigten bei der Stadt Geldern gegen Vorlage des Ausweises für zwei Jahre.
Einkommensunabhängig
Den Familienpass erhalten Eltern, die mindestens ein Kind unter 16 Jahren haben. Der Pass wird unabhängig vom Einkommen ausgestellt und bietet beispielsweise zwei kostenlose Karten für Kinder-Kulturveranstaltungen in Geldern oder eine Familienkarte für das Gelderner Parkbad. Rund 70 Unternehmen und Händler beteiligen sich und bieten vor allem Rabatte für Karteninhaber an.
„Der Familienpass darf aber nicht zur Rabattkarte verkommen“, bemängelt Eicker. „Kinderarmut und soziale Integration sind nicht berücksichtigt.“ Zudem halte die SPD eine „Verteilung nach dem Gießkannenprinzip“ für falsch.
Eltern Neugeborener erhalten von der Stadtverwaltung den Familienpass in einem von Kindergartenkindern bemalten Willkommenspaket, in dem es auch Infos zu Erziehung und Hilfen gibt. Das sei, so urteilen die Grünen, ein „Türöffner, der vermittele, dass es keine Schande ist, wenn man sich Unterstützung bei der Kindererziehung holt“. Die SPD hatte sich im Stile des „Dormagener Modells“, das gegen Kindeswohlgefährdung arbeitet, weitere dieser Komponenten erhofft.
Wie genau diese aussehen könnten, habe aber auch die SPD auf die Schnelle nicht gewusst, ärgert sich CDU-Fraktionsvorsitzende Marianne Ingenstau, die zur Arbeitsgruppe gehört, die den Familienpass entwickelt hat. „Es war ein hartes Stück Arbeit, das Projekt überhaupt auf die Beine zu stellen.“ Bürgermeister Ulrich Janssen wertet den Pass gar als „herausragende sozialpolitische Leistung dieser Stadt“. An weiteren Sozialkomponenten solle noch gearbeitet werden.
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