Geldern: Starker Start ins Festival
VON ULLI TÜCKMANTEL, MICHAEL KLATT UND CONSTANZE KRETZSCHMAR - zuletzt aktualisiert: 18.08.2007Geldern (RPO). Gestern begann am Holländer See und in der Innenstadt das Offside Open. Die Zuschauer bekamen ungewöhnliche Musik zu hören und zu sehen – vielen machte die Musik Spaß.
Da fühlten sich nicht wenige an Karneval erinnert. Laut, grell und überschäumend war die Parade, die einige Mitglieder des Shibuza Shirazu Orchesters gestern am frühen Abend in Gelderns Innenstadt veranstalteten. Tänzer mit grau bemalten Gesichtern posierten auf Brunnenrändern und Beeteinfassungen, erstarrten für Sekunden zu Skulpturen; Frauen mit grünen Perücken und bunten Kunstblumen im Haar schritten lieblich lächelnd durch die Fußgängerzone. Und all das war unterlegt von einem Tongemälde aus Blas- und Percussionsinstrumenten, die sich, nach wilden Sequenzen, immer wieder zu einem achttaktigen Thema im Sechsachtel-Takt vereinigten.
Die Partner
Veranstalter Moers Music GmbH in Kooperation mit den Städten Geldern und Straelen sowie der niederländischen Gemeinde Arcen en Velden.
Künstlerischer Leiter Burkhard Hennen.
Preise Tagesticket 34 Euro für Erwachsene, 17 Euro für Jugendliche (16 bis 21 Jahre, Lichtbildausweis erforderlich).
Silberne Wesen
Schnell waren die Künstler aus Japan, die das OffsideOpen-Festival für eine knappe Stunde ins Zentrum trugen, von Publikum umringt. Der optische Eindruck, noch unterstützt von silbernen Luftballonwesen, die an einen Drachen und an eine Laus erinnerten, war gewaltig. Dutzendweise gingen Kameras in Anschlag. Die Meinungen über die Musik waren geteilt. „Dieser Jazz ist mir zu free“, sagte ein Eisesser vor „Dolomiti“. „Sehr unterhaltsam und spaßig“, lautete ein anderes Urteil.
Spaß auf der Bühne hatte die Ronald Snijders Extended Funk Band – und der übertrug sich sichtlich aufs Publikum. Sie spielte als Erste auf der Hauptbühne von Offside Open, binnen einer Viertelstunde vermehrte sich das Publikum von einer Handvoll zu mehreren hundert Menschen. Snijders ist Flötist, aber weit entfernt von einem klassischen Flötisten: Er springt im bunten Hemd auf der Bühne herum, ahmt beim Flötespielen manchmal ein Schlagzeug nach, begleitet sich singend selbst. Viel Raum lässt er für seine Bandmitglieder, jeder von ihnen reißt das Publikum bei seinen Soli mit.
Nachdem Gelderns Bürgermeister Ulrich Janssen live auf Antenne Niederrhein am Nachmittag Burkhard Hennen zum Vater des Festivals erklärt hatte, rätselte er bei der offiziellen Festival-Eröffnung um 17 Uhr vor rund 300 geladenen Gästen, was eigentlich genau die Rolle der drei mitveranstaltenden Städte ist: „Wir sind die Geburtshelfer dieses Festivals, und was dabei heraus gekommen ist, das sehen wir dann am Montag.“ Völlig überraschend ging kurz vor 18 Uhr ein Schauer über dem Festivalgelände nieder, der aber nur bewies, dass das Festival wasserdicht ist. Insgesamt zählten die Veranstalter bereits am ersten Abend zum Konzert mit David Murray und dem World Saxophone Quartett deutlich mehr als 1000 Besucher.
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