Geldern: Streuen im Akkord
VON MARTIN VAN DER PÜTTEN - zuletzt aktualisiert: 22.12.2010 - 12:42Geldern (RPO). Die Mitarbeiter des Bauhofes in Geldern leisten auch den Winterdienst im Stadtgebiet. Bei den derzeitigen Verhältnissen müssen sie dabei viele Überstunden schieben. In aller Frühe sorgen sie für freie Straßen.
Wenn um 3 Uhr morgens die Schicht von Jürgen König beginnt, dann hat er die Straßen noch ganz für sich allein. Als einer von zwei Kolonnenführern des Bauhofes in Geldern ist er zuständig für die Koordinierung des Winterdienstes im Stadtgebiet Geldern.
Von seinem Wohnort Twisteden startend, beginnt er jeden Morgen seine Kontrollrunde über Lüllingen und Walbeck, immer auf der Suche nach gefährlicher Straßenglätte. "Es werden zuerst die Stellen angefahren, wo es erfahrungsgemäß zuerst glatt wird", erklärt König die Vorgehensweise. Sobald er Straßenglätte festgestellt hat, macht er sich auf dem Weg zum Gelände des Bauhofes in Geldern an der Siemensstraße und schlägt Alarm. 16 Mitarbeiter des Bauhofes, die sich im Winter stets im Bereitschaftsdienst befinden, klingelt er nacheinander aus dem Bett und verkündet: "Wir haben heute wieder einen Streueinsatz."
Zur optimalen Bekämpfung von Straßenglätte setzt der Bauhof in Geldern eine Mischung aus flüssiger Salzsole und trockenem Streusalz ein. Erst beides zusammen gewährleistet einen optimalen Halt des Streumittels auf der Fahrbahn. Trockensalz allein würde von den entlangkommenden Fahrzeugen sofort von der Straße geweht werden.
Je zwei Mann Besatzung
Während seine Kollegen sich auf den Weg machen, beginnt König bereits damit, die Einsatzfahrzeuge mit Streusalz aufzufüllen. Insgesamt acht Fahrzeuge mit je zwei Mann Besatzung sind bei Schnee, Eis oder gefrierendem Regen jeden Morgen im Einsatz, davon drei Großfahrzeuge, die klassischen Schneepflüge. Daneben kümmern sich kleinere Maschinen um die Fahrrad- und Gehwege. "In unseren Bereich fallen alle Straßen im Stadtgebiet, die keine Bundes-, Land- oder Kreisstraßen sind", erklärt Bauhofleiter Robert Greef. Nur für Ortsdurchfahrten der Bundesstraßen ist der Bauhof Geldern ebenfalls zuständig. Nach Wichtigkeit sind alle Verkehrswege in drei Kategorien unterteilt. Straßen der Priorität A werden besonders gestreut, während die Priorität C, zu der die meisten Wohngebiete gehören, nur auf gesonderte Anordnung der Verwaltung geräumt wird.
Sind alle Fahrzeuge mit flüssigen und festen Streusalzen und den genauen Einsatzrouten ausgerüstet und im Einsatz, beginnt auch für Kolonnenführer König die zweite Runde. Gegen fünf Uhr beginnt er die Kontrolle der ersten gestreuten Strecken. Er untersucht nun, ob die gestreute Menge Salz zur Beseitigung der Glätte ausreichend war. Inzwischen hat es erneut angefangen zu schneien. "Gleich kommen bis zu 4000 Schüler nach Geldern, wir müssen noch einmal zum Nierspark", sagt König und macht sich auf den Weg zur neuen Bahnunterführung. Doch dort haben seine Kollegen ganze Arbeit geleistet, die Stufen und Rampen sind weiterhin frei von Schnee und Glätte. Schneeglätte ist König dabei noch am liebsten. "Da sehen die Leute wenigstens sofort, dass es glatt ist. Viel tückischer sind Blitzeis und Raureifglätte", sagt er. Für ihn ist um 6.30 Uhr die zweite Runde beendet. Danach gilt es, Büroarbeiten zu erledigen und die weitere Entwicklung abzuwarten. Wenn es hart auf hart kommt, können er und seine Einsatztrupps schon einmal bis 18 oder gar 20 Uhr unterwegs sein.
"So viel Schnee habe ich in meiner Dienstzeit seit 2002 noch nicht erlebt", schüttelt Bauhofleiter Greef den Kopf. Für seine Mitarbeiter, die in zwei Teams im wöchentlichen Wechsel im Einsatz sind, bedeutet dies zahlreiche Überstunden. "Die werden nur ausbezahlt und können nicht abgefeiert werden. Sonst hätte ich im Sommer keine Leute mehr", beschreibt Greef die Situation.
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