Geldern: Teures Kultur-Gut
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 09.12.2008Geldern (RPO). Erstmals seit vier Jahren sind die Abo-Verkäufe wieder deutlich gestiegen. Trotzdem rechnet die Verwaltung damit, kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen in 2009 mit mehr als 800 000 Euro bezuschussen zu müssen.
Theater steht bei den Geldernern wieder hoch im Kurs. Große Freude herrscht deswegen auch beim Kulturring: Erstmals seit der Saison 2004/2005 sind die Aboverkäufe für die kommende Saison wieder gestiegen, und zwar von 368 auf 432 Abonnements.
Diese Zahlen werden heute im Kulturausschuss vorgestellt. Der Wermutstropfen dabei: Die Städtischen Dienste Kultur sind defizitär. Das ist in anderen Städten zwar auch der Fall und zwangsläufig, doch beläuft sich das Minus in Geldern fürs nächste Jahr voraussichtlich auf rund 820 000 Euro – für 2007 stehen im Vergleich dazu rund 691 000 Euro auf der Soll-Seite. Kultur ist, wie man sieht, also teuer, doch beschert der Stadt zunächst auch Gewinne. Welche Einnahmen bringen die kulturellen Veranstaltungen der Stadtkasse?
Der Kulturausschuss
Ort und Zeit Heute, Dienstag, 9. Dezember, 17 Uhr im Bürgerforum
Themen Eintragungen in die Denkmallisten, Zuschüsse zur Erhaltung denkmalwerter Gebäude, Jahresabschluss der städtischen Dienste Kultur, Einführung des Gelderner Familienpasses, Wirtschaftsplan der städtischen Dienste Kultur.
Offside-Festival
Für 2009 rechnet die Verwaltung damit, dass Theaterveranstaltungen und Konzerte Einnahmen von 51.000 Euro erbringen werden. Für an der Garderobe abgebene Kleidung, so die Prognose weiter, werden die Veranstaltungsbesucher 700 Euro ausgeben. Wie viel das Offside-Festival in 2009 voraussichtlich an Einnahmen beschert, ist noch nicht abzusehen. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht geklärt, ob die finanzielle ABwicklung des Offside 2009 wieder über das Gründerzentrum GGZ oder über die SDG-Kultur“ erfolgt, heißt es in der Vorlage weiter.
Dem gegenüber stehen die Ausgaben. Allein der Materialaufwand schlägt 2009 voraussichtlich mit 93.450 Euro zu Buche. Mit Abstand die größte Rechnungsstelle sind die „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“, die für 2009 bei rund 970.000 Euro liegen sollen. Neben Aufwendungen für „Sach- und Dienstleistungen“ (357.880 Euro) stehen dabei noch so genannte Transferaufwendungen (289. 307 Euro) an.
Die Vereine werden in 2009 mit 62.131 Euro bezuschusst. Davon erhält die Familienbildungsstätte 5113 Euro, der Schaustellerverein Pfingskirmes beispielsweise 1025 Euro im Vergleich zu den Chören, die 1800 Euro erhalten.
Auch Lesen ist Kultur. Deswegen beträgt der Zuschuss für diekatholische Bücherei 88.600 Euro. Die Kunstvereine erhalten 11.419 Euro. Viel Geld lässt sich die Stadt die Volkshochschule kosten: Die Umlage beträgt in 2009 122.500 Euro.
Für die CDU-Vorsitzende Marianne Ingenstau sind Ausgaben für die Kultur in Geldern unverzichtbar, daran sei „nicht zu rütteln“. „Wir leisten uns beispielsweise die Bücherei. Das wäre ein falsches Zeichen, da einzusparen.“ Die gestiegenen Aboverkäufe findet sie sehr erfreulich. SPD-Chef Hejo Eicker würde gerne noch mehr Geld für die Kultur in Geldern ausgeben.
„Wir leisten uns als eigenes Kulturprogramm nur das Theater. Das ist wenig“, sagt Eicker. Wo würde er mehr Geld investieren? „Die Zuschüsse für die VHS sind im Vergleich zu anderen Städten nicht besonders hoch.“
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