Straelen: Tiefkühlimperium Bofrost
VON JÖRN LOTZE - zuletzt aktualisiert: 30.08.2007 - 16:00Straelen (RPO). Das Straelener Familienunternehmen Bofrost ist Europas größter Tiefkühlkosthändler. Mit Qualität und Service will sich das Unternehmen gegen die Konkurrenz der Supermärkte behaupten.
Straelen Es ist bitterkalt. Minus fünf Grad. Die Lagerarbeiter beim Straelener Tiefkühlriesen Bofrost sind dick eingepackt: Schutzmäntel und Handschuhe tragen sie, einige auch Mützen, während sie die Tiefkühlware für die Lkws zusammenstellen.
Alle rund 115 deutschen Bofrost-Niederlassungen werden von hier aus versorgt. 2000 Tonnen Tiefkühlkost schlagen die Männer in der eisigen Kälte tagtäglich um. Angenehm ist es nicht hier zu arbeiten. Doch die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden. Schließlich ist es das Geschäftsidee von Europas größtem Tiefkühllhändler.
Familienunternehmen
Bofrost ist ein Familienbetrieb. Den Gründer Josef H. Boqoui machte seine Geschäftsidee zum Milliardär. Der heute 73-jährige hat sich 2004 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen.
Das Unternehmen ist in Einzelgesellschaften zersplittert, wodurch es wenig transparent ist.
Ob Seelachs oder Erbsen, direkt nach Fang oder Ernte werden die Produkte bei Minus 70 Grad schockgefroren. So bleiben alle Vitamine erhalten. Und bis die Bofrost-Verkäufer die Ware an der Haustür ihrer gut 2,8 Millionen Kunden in Deutschland abliefern, darf nichts antauen.
„Das ist doch unser großer Qualitätsvorteil gegenüber der Tiefkühlware aus dem Supermarkt“, sagt Thomas Stoffmehl, Sprecher der Bofrost-Geschäftsführung. „Wenn sie dort kaufen, vergeht viel zu viel Zeit bis sie die Sachen bei sich im Gefrierfach haben.“ Da taue schon einiges an und darunter leide nunmal die Qualität.
Die wird bei dem Familienunternehmen groß geschrieben. Bofrost stellt jedoch nichts selbst her. Es ist ein reines Handelsunternehmen. „Wir haben uns bewusst gegen eine eigene Produktion entschlossen.“, sagt Stoffmehl, Wenn sie selbst Fabriken haben, stehen sie irgendwann vor der Frage: ,Halte ich meine Qualitätstandards ein oder laste ich meine Kapazitäten aus.’ Eine solche Situation wollen wir vermeiden.“
So aber gibt es strenge Vorschriften für die Lieferanten. Und damit die befolgt werden, stehen die Bofrost-Qualitätsprüfer schon mal unangemeldet vor der Fabriktür. Zudem machen alle Produkte Stopp in der Straelener Zentrale, wo sie stichprobenartig überprüft werden: bakteriologische und chemische Tests gibt es -aber auch die Größe der Salamischeiben auf der Pizza werden penibelst nachgemessen. Geschmacklich muss auch alles stimmen: Zur Qualitätskontrolle gehört daher auch eine Küche mit Backofen, Mikrowelle und ein feinsäuberlich gedeckter Esstisch. Bis zu siebenmal am Tag wird dort eingehende Ware probiert.
Auch neue Produkte landen in der Küche. Schließlich gibt es mit jedem der halbjährlich erscheinenden Kataloge rund 30 neue Angebote. Ein 20-köpfiges Team wechselt sich beim Vorkosten ab. Heute auf dem Speiseplan: Risotto, eine Gulasch-suppe, Teigwaren sowie ein paar weitere Fertiggerichte – und das alles um zehn Uhr in der Frühe . „Essen muss schon Spaß machen“, sagt Christian Göbser, einer der Bofrost-Vorkoster.
Vom Rösti-Käse-Tröpfchen, bis zum Obstquartett „Altes Land“- heute gibt es bei Bofrost fast alles. Angefangen hat aber alles mit Speiseeis. In den 60er Jahren tuckerte Bofrost-Gründer Josef Boquoi mit seinem Kleinlaster über die Höfe am Niederrhein und verkaufte den Bauern Eiskrem an. Es war ein Riesenerfolg. In den 70er und 80er wuchs Bofrost (ursprünglich Boquoi-Frost) rasant.
1987 entstand in Italien der erste Auslandsstützpunkt. Heute ist der Tiefkühlgigant in einem Dutzend europäischer Ländern vertreten und erwirtschaftet mit rund 9500 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro. In Deutschland hat Bofrost seinen Konkurrenten im Tiefkühl-Direktvertrieb, Eismann aus Mettmann, weit hinter sich gelassen und kommt auf einen Marktanteil von 70 Prozent. Auch im Gesamtmarkt für Tiefkühlkost und Eiskrem ist Bofrost Marktführer.
Die Supermärkte und Discounter haben aber aufgerüstet. „Das Angebot ist seit den 90er Jahren deutlich gestiegen,“ sagt Stoffmehl. Dennoch bleibt er optimistisch. Vier bis fünf Millionen Haushalte in Deutschland könnte schon bald die Zielvorgabe sein, so Stoffmehl. „Wir setzen dabei auf den direkten Kontakt über unsere Verkäufer.“ Wie wichtig der ist, zeige sich immer, wenn einer der rund 3000 Verkaufsfahrer im Urlaub ist und ein anderer einspringt. „In der Zeit gehen die Umsätze vielfach nach unten.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


