Geldern: Umjubelter Gitarrenmeister
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 17.01.2011Geldern (RPO). Der Culturkreis Gelderland präsentierte Jan Akkerman im Saal der "Niersbrücke". Der Niederländer lieferte mit seinen drei ebenso virtuosen Mitstreitern ein famoses Konzert ab.
Mag sein, dass Jan Akkerman mit seinen 64 Jahren das eine oder andere Zipperlein plagt. Arthritis zählt nicht dazu, zumindest nicht in den Fingergelenken. 250 Zuschauer erlebten im ausverkauften Saal der "Niersbrücke" mit, wie der Gitarrist zwei Stunden lang äußerst virtuos über die Saiten seiner Les Paul fegte und so für einen begeisternden Start in das Veranstaltungsjahr des Culturkreises Gelderland sorgte.
"Wir hätten 4500 Karten verkaufen können", beschrieb Culturkreis-Mann Detlev Pertz bei der Begrüßung den Andrang auf die Tickets. Ganz bewusst baut der Verein auf den relativ kleinen, in "Muddy-Waters-Saal" umbenannten Raum. So ergibt sich der fast hautnahe Kontakt zwischen Publikum und Band, was sich bei diesem Konzert von Anfang an positiv auf die Atmosphäre auswirkte.
40 Jahre im Geschäft
Jan Akkerman ist 1946 geboren worden. International berühmt wurde der Niederländer in den frühen 1970er Jahren vor allem als Gründungsmitglied der Bands "Brainbox" und "Focus". Er spielte mit Musikern unterschiedlicher Stilrichtungen, zum Beispiel BB King, Charlie Byrd, Cozy Powell und Ice-T.
Entspannter Auftakt
Schon beim entspannten Auftaktstück bewies Akkerman, dass man seine Stimmbänder schonen kann, wenn man seine Gitarre so wie er singen lässt. Als solistisch ebenbürtiger Partner trat Keyboarder Coen Molenaar in Erscheinung, während Bassist Wilbrand Meischke und Schlagzeuger Marijn van den Berg das äußerst tragfähige Rhythmus-Fundament lieferten. Im Laufe des Abends sollten der Tieftöner und der Trommler aber noch mehrfach den Beleg für ihre Solo-Kapazitäten liefern. Meischke zum Beispiel krönte einen langsamen Blues mit seinem Bass-Gewitter oder spielte im Verein mit Akkerman zum Teil halsbrecherische Unisono-Passagen. Van den Berg bearbeitete seine Batterie bei der Zugabe, ohne die das Publikum das Quartett nicht ziehen ließ, ausgiebig.
Ruhepunkte wie die Paul-Weller-Adaption "You do something to me" waren die Ausnahme. Selbst sanft beginnende Stücke wie das erdige "Tranquilizer" oder das funkige "Streetwalker" mündeten in ein Gitarren-Furioso mit Wah-Wah-Effekten und Hochgeschwindigkeitsläufen.
Das Rätselraten in der Pause, ob denn Material aus der Brainbox- und Focus-Phase zu hören sein würde, ließ Akkerman nicht lange unbeantwortet. Wiedererkennungs-Applaus gab es, als das Thema das angejazzten "Focus II" erklang. Ins orientalisch anmutende "Palace of the king" verwob der Gitarrist das einstige Flöten-Motiv von "House of the king", rockiger und dynamischer sogar als die Original-Version. Und als Akkerman und seine Mitstreiter die beiden größten Focus-Hits, "Hocus Pocus" und "Sylvia", anstimmten, kannte der Jubel im Saal keine Grenzen mehr.
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