Geldern: Viel Lob für Führerschein ab 17
VON FABIAN VIDACEK - zuletzt aktualisiert: 21.08.2010Geldern (RPO). Polizei, Fahrschulen, Fahrschüler und deren Eltern sind sich einig. Das Modell des begleiteten Fahrens hat sich bewährt. Das Bundeskabinett hat jetzt beschlossen, das bisherige Modellprojekt ab 2011 auf Dauer einzuführen.
Seit 2005 gilt das bundesweite Modellprojekt, nach dem Jugendliche bereits mit 17 Jahren ans Steuer dürfen, jedoch in der Begleitung eines Erwachsenen (siehe Infokasten). Das Bundeskabinett stimmte jetzt dem Gesetzesvorschlag von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zu, das begleitete Fahren ab Januar 2011 dauerhaft einzuführen.
Wie aktuelle Unfallstatistiken für Deutschland zeigen, fallen knapp 30 Prozent der Verletzten oder Getöteten in die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen, obwohl nur jeder zwölfte der Gesamtbevölkerung zu dieser Gruppe gehört. Die Zahlen im Kreis Kleve sind nahezu identisch.
Voraussetzungen
Beim begleiteten Fahren dürfen Anfänger mit 17 Jahren Fahrzeuge der Klasse B führen. Eine Bescheinigung wird mit 18 Jahren in den Führerschein eingetauscht. Es muss bis zur Volljährigkeit eine Begleitperson mitfahren, die über 30 ist, seit fünf Jahren den Führerschein und höchstens drei Punkte in Flensburg hat.
Erfahrung hilft jungen Leuten
Der Führerschein ab 17, bei dem die jungen Fahrer ein Jahr mit einer Begleitperson fahren müssen, soll Sicherheit im Straßenverkehr geben und das Unfallrisiko senken. Heinz van Baal, Polizeipressesprecher für den Kreis Kleve, bewertet das begleitete Fahren durchweg positiv. "Die Erfahrungen der Begleitperson, häufig Mutter oder Vater, wirken sich positiv aufs Fahrgeschehen aus." Im Kreis kam es in den letzten vier Jahren nur zu fünf Unfällen bei 17-jährigen Autofahrern, lediglich bei einem Unfall war die Person Unfallverursacher.
Auch Thomas Marko, Inhaber der Fahrschule Brauers in Geldern, ist vom begleiteten Fahren positiv überrascht. "Ich muss zugeben, dass ich anfangs skeptisch war. Ich habe zu wenig Verantwortungsbewusstsein bei den Minderjährigen befürchtet, doch sie haben mich vom Gegenteil überzeugt." Derzeit macht fast die Hälfte seiner Fahrschüler den Führerschein ab 17, sind also oft erst 16 Jahr alt. "Das Angebot wird sehr gut angenommen. Ich denke, dass die Eltern den Töchtern oder Söhnen viel Sicherheit im ersten Jahr geben können."
Lisa Matuschek (19) aus Geldern hat ihren Führerschein bei Fahrlehrer Marko mit 17 Jahren gemacht. Ein Jahr lang fuhr sie im Beisein ihrer Mutter oder ihres Vaters und ist vom Erfolg des begleiteten Fahrens überzeugt. "Ich habe durch das Jahr viel Sicherheit dazugewonnen, meine Eltern konnten mir gute Tipps geben." Zwar sei es hin und wieder zu Diskussionen gekommen, weil ihre Eltern einige Dinge anders gelernt hatten. Dies sei jedoch die Ausnahme und auch nicht weiter schlimm gewesen. Ihre Mutter, Susanne Matuschek, pflichtet der Tochter bei. "Man kann als Elternteil seine Erfahrungen mit einbringen und auf mögliche Fehler aufmerksam machen. Was aber gar nicht oft nötig war", sagt sie. Ebenfalls den frühen Führerschein gemacht hat Jessica Betten (19) aus Walbeck: "Die Eltern können bei Situationen helfen, die so in der Fahrschule nicht vorgekommen sind. Ich halte das begleitete Fahren für eine tolle Sache."
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