Geldern: Viel Ruhm, keine Karriere
VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 29.07.2009Geldern (RPO). Er war in Europa ein vieldiskutierter Autor seiner Zeit: Cornelis de Pauw, Xantener Kanoniker und französischer Ehrenbürger. Von Friedrich II. ebenso geschätzt wie von Napoleon. Letzterer setzte ihm einen Obelisken.
niederrhein Am Xantener Domstift war der Kanonikus de Pauw (18. oder 19. August 1739 - 7. Juli 1799) eher der Außenseiter, vermutet Elisabeth Maas vom Stiftsarchiv am Viktor-Dom. Grund: Französisch war die Muttersprache des in Amsterdam geborenen de Pauw; mutmaßlich hat er auch nie anders gesprochen.
Ein Niederrheiner war Cornelis de Pauw dennoch, ein Berühmter seiner Zeit allemal. Denn von 1761 bis zu seinem Tod lebte er – von einzelnen Abstechern nach Potsdam abgesehen – im Xantener Stift als Bibliothekar und Wissenschaftler, der sogar einen Ruf an die Akademie der Wissenschaften in Berlin ablehnte. "Möglicherweise wollte er sich Stimmungsschwankungen Friedrichs II. nicht aussetzen", vermutet Elisabeth Maas. Allerdings reiste der Kanonikus sowohl 1770 als auch 1775 jeweils für einige Monate als Vorleser für den Monarchen nach Potsdam.
Vorleser in Potsdam
Cornelis de Pauw (18. oder 19. August 1739 – 7. Juli 1799) wurde in Amsterdam geboren. Seit 1761 Kanoniker in Xanten und zugleich Subdiakon für Lüttich (1765). Seit 1770 publizierte de Pauw.
Cornelis de Pauw lehnte eine persönliche Karriere ab. Nach seinen Abstechern zum Vorlesedienst im Zirkel Friedrich II. in Potsdam zog es ihn immer nach Xanten zurück, wo er auch starb.
Französischer Ehrenbürger wurde de Pauw 1792; Napoleon setzte 1811 einen Obelisten in Xanten.
Gedankenaustausch mit Voltaire
Friedrich der Große wurde auf den Xantener Kanoniker durch dessen völkerkundlichen Werke aufmerksam. Und über Friedrich II. hatte de Pauw auch einen Gedankenaustausch mit Voltaire. Denn Cornelis de Pauw galt als unabhängiger Denker, der trotz seiner Erziehung bei den Jesuiten Orden ablehnte, weil die sich nach seiner Einschätzung von ihren ursprünglichen Zielen entfernten.
Der Xantener Kanoniker verkörperte den Wissenschaftlertypus seiner Zeit. Als Bibliothekar betrieb er Quellenstudien und stand im Austausch mit anderen Bibliotheken. Seine Verbindungen reichten in die Akademie der Wissenschaften in Berlin und Paris und nach Wolfenbüttel in die Herzog August Bibliothek. Dort übersetzte auch Gotthold Ephraim Lessing Texte von Cornelis de Pauw. In Wolfenbüttel befinden sich heute noch de Pauws gesammelte Werke.
De Pauw war auf vorzügliche Kontakte angewiesen. Denn zu seiner Zeit war das Xantener Stift zu arm, um sich eine Bibliothek zu leisten, die für den Wissenschaftler auf der Höhe der damaligen Zeit war. Jedenfalls ist der chronische Geldmangel überliefert, mit dem de Pauw zu kämpfen hatte.
Doch seine Recherchen ab 1770 über "les Americains", die er in drei Bänden (Indios, Patagonier, Inuit (Eskimos) festhielt, wurden ins Englische und ins Schwedische übersetzt. 1773 legte er zwei Bände "sur les Egyptiens et les Chinois" und 1787 / 88 "sur les Grecs" nach, ohne jemals diese Länder geschweige denn Kontinente bereist zu haben. Diese Werke wurden heiß diskutiert und ins Englische, Deutsche und Niederländische übersetzt.
Elisabeth Maas: "Das war zu jener Zeit üblich. Erst mit Alexander von Humboldt veränderte sich ab 1799 die Wissenschaft." Das Quellenstudium in der Abgeschiedenheit der Studierstube ließen mit von Humboldt die Entdecker und Forscher mit ihren Untersuchungen vor Ort hinter sich. Anfang des 19. Jahrhunderts verblasste denn auch der Ruhm de Pauws.
Cornelis de Pauw galt als politischer Mensch und abstrakter Theoretiker (Elisabeth Maas). Um die alltäglichen Belange des Domstifts scherte er sich nicht sonderlich, zumal er sich nur in seiner Muttersprache unterhielt. Doch er mischte sich ein, wenn's um Bildung und Erziehung ging. So vertrat er die Auffassung, dass dafür nicht Priester, sondern Volksschullehrer eingesetzt werden sollten.
Sein abstraktes Denken könnte möglicherweise dazu geführt haben, dass Friedrich der Große in seinem 213. Brief an Voltaire schrieb: "Chinesen, Inder und Tataren überlasse ich Ihnen und de Pauw." Von Napoleon ist nachprüfbar überliefert, dass er de Pauws Werke über die Ägypter auf seinem Ägypten-Feldzug gelesen hat. Eine Legende jedoch wird sein, dass der französische Kaiser Louisiana in der Neuen Welt verkauft haben soll, weil er bei de Pauw so viel Schreckliches über die kannibalistischen und gottlosen Ureinwohner gelesen hatte. Eher könnte zutreffen, dass dies für Napoleon eine vorzügliche Begründung für den Verkauf war, um die eigene Kriegskasse wieder auffüllen zu können.
Obelist aufgestellt
1792 wurde Cornelis de Pauw, der mit mehreren Beiträgen in der Encyclopädie von Jean le Rond d'Alembert vertreten ist, französischer Ehrenbürger. 1811 bezeugte Kaiser Napoleon seine Wertschätzung: Er veranlasste, dass Cornelis de Pauws Grab vom Kreuzgang des Doms auf den Domvorplatz verlegt wurde und ließ dort einen Obelisten aufstellen. Allerdings vergaß der damalige Bürgermeister nicht den Hinweis darauf, dass der Kaiser dies angeordnet, die Stadt Xanten jedoch bezahlt hat.
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