Gelderland: Was der Jeck alles am Hals hat
VON MONIKA KRIEGEL - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Gelderland (RP). Die Vielfalt der Karnevalsorden ist schier grenzenlos. Die Tollitäten lassen sie für sich individuell gestalten, zum Teil mit Hinweisen auf ihre Hobbys oder Berufe. Die Auszeichnungen sind heiß begehrt.
Gute zweieinhalb Kilogramm zeigte die Waage an, auf die der Vater der Gelderner Prinzessin Susanne I. sämtliche Orden gelegt hatte, die die 13-Jährige zum Zeitpunkt des RP-Prinzenempfangs in dieser Session erhalten hatte. Bis zum Ende der "Fünften Jahreszeit" dürften noch viele weitere närrische Auszeichnungen am Band um ihren Hals baumeln. So ist es Tradition bei den Karnevalisten: Sie tauschen ihre Orden bei allen möglichen offiziellen Anlässen aus und sollten diese tunlichst bis Aschermittwoch tragen. "Sonst ist eine Runde fällig", bestätigt Christiane Plaumann, Vorsitzende der KKG Geldern.
Unverkäuflich
In einem sind sich alle Karnevalisten einig: Ihre Auszeichnungen werden nicht verkauft, auch nicht an Sammler. Denn sie sollen das bleiben, wofür sie stehen: Als sichtbares Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für monatelange, überwiegend ehrenamtliche Arbeit vor, hinter und auf der Bühne. Und als schöne Erinnerung.
Die Narren in der Herzogstadt unterscheiden im Wesentlichen vier verschiedene Kategorien. Christiane Plaumann: "Ganz oben angesiedelt ist der Orden der Förderation Europäischer Narren, von dem nur zwei pro Session verliehen werden." Rund sieben Exemplare gebe es vom so genannten "Einmal-im-Leben-Orden". Damit dürfen sich beispielsweise das Prinzenpaar, deren Eltern oder auch die Drachentöchter schmücken. Das metallene Konterfei mit dem Kinderprinzenpaar am Band werde etwa 200 bis 300 Mal in Metall gegossen. Und dann gebe es in Geldern noch den gesponserten ovalen "Jedermann-Orden" aus Hartpapier mit einer Auflage von 2000 Stück, den sich jeder Karnevalist zum Preis von einem Euro kaufen kann und der sogar als Los zählt.
Keinen "Orden von der Stange" verteilt Erwin I. in Hartefeld. Der "Prinzenorden", werde jedes Jahr eigens für die Persönlichkeit kreiiert, weiß Herbert van Stephoudt, stellvertretender Vorsitzender des Spielmannszugs Blau-Weiß Hartefeld. Also finden sich bei Erwin I. die Vereinsfarben wieder, aber auch symbolisch Besen und Harke für seinen Beruf – Gärtner – sowie Utensilien eines Feuerwehrmanns für das Hobby des Prinzen. Genauso hielt es die Veerter Prinzessin. Die Veerter Mispelblüte war Vorlage, als individuelles Zeichen von Annegret I. reitet eine kleine Hexe auf einem Besen.
Hans Kubon aus Veert ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Karneval aktiv und hütet seine Orden wie einen Schatz. Das ihm wichtigste Stück sei die Auszeichnung der 1. KKG Goch als "Verdienter Karnevalist am Niederrhein". "Weil ich dieses Klimpern schön finde", hat sich Prinz André I. in Kapellen entschlossen, seinen Prinzenorden mit dem Motiv Clown und Trommel mit einer 70er Auflage anfertigen zu lassen. "Die Hälfte habe ich jetzt schon verteilt", berichtet er, jedes Exemplar habe seine eigene Geschichte und Bedeutung. Immerhin habe er seinen ersten im Kindergartenalter umgehängt bekommen. Aus der Karnevalswagenschmiede Jacques Tille stammt die Figur das Prinz Pöksken, der Galionsfigur in Issum. Im Fassboden spielt sich das Motto des Sessionsordens von Ko und Ka wieder.
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