Geldern: Was weiß der Ex-Freund?
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 18.08.2007Geldern (RPO). Im Mordprozess gegen Ralf G. aus Weeze deutete sich gestern Entlastung für den Angeklagten an. Der frühere Verlobte des Opfers kommt für viele der Vorwürfe in Betracht – und soll auf den Tatort hingewiesen haben.
Die Beziehung
Anfang Sabine M. und Sven O. trafen sich im Dezember 2004 in einer Disco, zogen im März 2005 in Essen zusammen und verlobten sich nach etwa einem Jahr.
Ende Sabine M. trennte sich im Sommer 2006 von O. und berichtete Freundinnen, er habe zu sehr „geklammert“. Außerdem habe sie Sven R. kennengelernt.
Weeze/Essen Vielleicht ist Sven O. nur sehr oft zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, vielleicht aber ist er auch der Zeuge, auf den die Verteidiger von Ralf G. die ganze Zeit gehofft haben. Sven O. ist der Ex-Freund von Sabine M., jener jungen Frau, die Ralf G. erwürgt haben soll. Sven O. war Filialleiter der Kette „Dunkin’ Donuts“, bei der Ralf G. als Hausmeister zwei Sexualdelikte und elf Einbrüche begangen haben soll. In einigen der Städte, in denen Geld aus dem Tresor verschwand, tauchte just am Tag der Tat Sven O. auf. Und auch am Mord-Wochenende hat sich der 22-Jährige mehrmals seltsam verhalten.
Nachdem Sabine M. am Samstag, 9. Dezember, nicht nach Hause gekommen war, begannen Freunde und Kollegen sie zu suchen. Dabei riefen sie auch Sven O., der später zu ihnen stieß und bei der Suche half. Mehrere Zeugen beschrieben sein Verhalten als auffällig, erschwerend kam hinzu, dass er die Suchenden auf die entscheidende Idee gebracht haben soll. „Habt ihr eigentlich im Keller von ,Dunkin’ Donuts’ gesucht?“, soll O. gefragt haben. Im Keller der Filiale fand die Polizei die Leiche von Sabine M. In der Nacht, in der die 22-Jährige umkam, ist O. nach eigenen Angaben bis vier Uhr morgens in einer Disco gewesen.
Im Hinblick auf die Einbrüche erscheint O. verdächtig, weil er in „seiner“ Dunkin’-Donuts-Filiale Geld aus der Kasse genommen hat, um Schulden zu begleichen. Eine dieser Taten gestand O., für insgesamt drei verurteilte ihn das Amtsgericht Essen im April wegen Unterschlagung und Veruntreuung.
Dazu kommen folgende zwei Fälle: In die Kölner „Dunkin’Donuts“-Filiale wurde ausgerechnet an einem Abend eingebrochen, an dem O. mit Freunden in die Domstadt gefahren war. Die Essener Cafés änderten nach den ersten Einbrüchen ihr Sicherheitskonzept und ließen die Tageseinnahmen nicht mehr im Tresor, sondern beauftragten die Mitarbeiter, das Geld zur Bank zu bringen. Eine Mitarbeiterin fragte O., ob er diese Aufgabe für sie übernehmen könne, weil sie zu einem Geburtstag müsse. Er verneinte, sie ließ das Geld während der Feier in der Filiale zurück, und genau in dieser Zeit wurde dort eingebrochen.
Mit seiner Aussage belastete Sven O. gestern auch das vermeintliche Vergewaltigungsopfer Edvina I. Die Mönchengladbacherin habe im Sommer 2006 plötzlich Geld für eine Waschmaschine und einen Laptop gehabt, sagte O. Diese Aussage deckt sich mit denen von Zeugen, die Edvina I. verdächtigen, Ralf G. erwischt und erpresst zu haben.
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