Gelderland: Zu alt für den Rat?
VON STEFAN KRIEGEL UND MAXIMILIAN PLÜCK - zuletzt aktualisiert: 20.10.2008Gelderland (RPO). In Kleve will die CDU keine Kandidaten mehr für den Rat aufstellen, die älter als 70 Jahre alt sind. Im Gelderland stößt diese von oben verordnete Verjüngungskur auf Ablehnung. Alter sei kein geeignetes Kriterium, heißt es.
Kein Höchstalter
Die Gemeindeordnung von Nordrhein-Westfalen trifft keine Aussagen über ein Höchstalter für Ratsmitglieder. Paragraph 65 bestimmt lediglich, dass ein Bürgermeister mindestens 23 Jahre alt sein muss. Außerdem wird der Bürgermeister vom Altersvorsitzenden des Rates vereidigt und in sein Amt eingeführt.
Wer jemals an einer Ratssitzung teilgenommen hat, der kennt das Bild: Vor allem ältere Politiker sitzen dort zusammen und streiten über die Geschicke und die Zukunft ihrer Stadt oder Gemeinde. Die CDU Kleve will das jetzt ändern. Deren Stadtverbandsvorsitzender Jörg Cosar hat angekündigt, man wolle bei der Kommunalwahl 2009 nur noch Kandidaten aufstellen, die jünger als 70 Jahre alt sind. Die CDU im Gelderland hält diese verordnete Verjüngungskur für unnötig.
Junge Kandidaten fehlen
GELDERN Vielfach sei ja gar nicht das Problem, dass die Alten an ihren Stühle kleben, meint beispielsweise Michael Paesch (74). Der Landwirt im Ruhestand und CDU-Mann sitzt für den Wahlbezirk im Gelderner Rat. „Es fehlt vielmehr an jungen Kandidaten“, meint der für Kapellen zuständige Ratsherr. „Vor allem in den ländlichen Regionen, wo ja ein großteil in der Landwirtschaft arbeitet, fehlt doch häufig die Zeit für all die Sitzungen.“ Sein Parteichef Stefan Wolters gibt zu bedenken: „Natürlich würden wir uns über frischen Wind in der Fraktion freuen. Aber Überlegungen wie in Kleve gibt es bei uns nicht.“
STRAELEN Heinz Vehreschild, Stadtverbandsvorsitzender in Straelen, hält überhaupt nichts von den Plänen der Klever. „Wir haben bewusst einen Ratsherren, der 70 Jahre alt ist, in der Fraktion. Nur so bekommt man doch eine Verbindung zu den Senioren.“ Er pocht darauf, dass vor allem angesichts des demografischen Wandels sich mehr ältere Menschen politisch engagieren sollten.
KERKEN „Ein Gremium wie eine Fraktion im Gemeinderat muss sich verjüngen, sonst hat es keine Zukunft“, ist Heinz van den Berg (65), CDU-Fraktionschef in Kerken, überzeugt. Er meint jedoch auch, dass eine gute Mischung aller Altersgruppen ein gute Zusammenarbeit in einer Fraktion ausmacht. Zu seiner Fraktionsmannschaft gehören mit Gertrud Hammelstein und Willi Rütten zwei Christdemokraten, die bereits über 70 sind.
Im Einzelfall entscheiden
ISSUM „Ich bin als 66-Jähriger nicht mehr sehr weit weg von dieser Grenze“, bemerkt der Issumer CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Jaschke. Deshalb klinge es etwas komisch, wenn er von dieser Altersbegrenzung nichts halte. Seiner Auffassung nach sollte die Mitgliederversammlung immer im Einzelfall entscheiden. Denn auch ein Bewerber um ein Ratsmandat, der über 70 ist, könne geistig und körperlich immer noch fitter sein als ein erheblich jüngerer Kandidat.
WACHTENDONK „Wir haben über Fraktion und Ausschüsse die gesamte Alterstsruktur gut abgedeckt“, sagt Wachtendonks CDU-Chef Georg Camp. „Zudem geht es in erster Linie um geeignete Kandidaten, nicht um das Alter.“ Allerdings wäre die Altersgrenze in Wachtendonk eh kein Problem, da dort kein CDU-Fraktionsmitglied und auch bei den potenziellen Kandidaten niemand 70 Jahre oder älter ist.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


