Das Erbe der Drachentöter
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 16.08.2006 - 11:44Wer über die Wichard- und über die Lupoldstraße in Gelderns Süden läuft, berührt sozusagen den "Mantel der Historie". Denn die Brüder Wichard und Lupold waren es der Überlieferung nach, die in grauer Vorzeit einen schrecklichen Drachen erschlugen, der, als er sein Leben aushauchte, "Gelre Gelre" röchelte und so der Stadt zu ihrem Namen verhalf.
Zigtausende von jungen Geldernern haben diese Sage ihrer Heimatstadt gelernt, deren Beinamen "Drachenstadt" und "Herzogstadt" in die Vergangenheit weisen. Als neuen Slogan haben sich die Marketing-Experten vor einigen Jahren "LandLebenStadt" einfallen lassen. "Schulstadt" wiederum ist ein Begriff, der gleichermaßen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft steht. Alle allgemein bildenden Schulen finden sich in Geldern, dazu einige, zum Teil vom Kreis Kleve getragene Sonderbildungseinrichtungen. Nicht verwunderlich, dass die Unterhaltung der Schulgebäude einen großen Batzen im städtischen Haushalt ausmacht.
Doch nicht allein des Lernens wegen kommen die Menschen nach Geldern. Die Kultur nimmt einen hohen Stellenwert ein. Und dabei kommen immer wieder historische Gemäuer zu neuen Ehren. Im Mühlenturm, dem letzten Überbleibsel der mittelalterlichen Stadtbefestigung, finden regelmäßig Kunstausstellungen statt. Ebenfalls der Bildenden Kunst öffnet sich der alte Wasserturm am Bahnhof. In der Pfarrkirche St. Maria Magdalena und in der evangelischen Heilig-Geist-Kirche erklingen geistliche Konzerte, ebenso im alten Refektorium der Berufsschule.
Schloss Haag bietet das Ambiente für das Mittsommernacht-Tanzfest und für Freilufttheater. Die Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums ersetzt die fehlende Stadthalle. Der internationale Straßenmalerwettbewerb im Spätsommer vereint kleine Kreidekünstler sowie Meistermaler und zieht tausende von Zuschauern an. Eine ganz andere Art von Freizeitgestaltung bietet die Groß-Discothek E-dry.
Schwer zu leiden hatte Geldern unter den Bombenangriffen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Schätzungsweise 80 Prozent der Bausubstanz wurden zerstört. Eine Hypothek, die sich auf die Stadtplanung immer noch auswirkt. Die Gestaltung des Marktplatzes, der großen Freifläche zwischen Maria-Magdalena-Kirche und der Heilig-Geist-Kirche, bestimmte die Kommunalpolitik jahrelang. Der künstliche Wasserlauf mit Lichtelementen hat, nach anfangs spöttischen Kommentaren, Akzeptanz gefunden.
Ein neues großes Projekt ist die Nutzung des Bahnhofsgeländes. Hier ist unter anderem ein Dienstleistungszentrum mit Finanzamt und Polizeibehörde denkbar und damit ein neues zweites Stadtzentrum neben dem Markt. Wichtige, auch touristische, Funktionen erfüllen manche Gelderner Ortschaften. In Pont zeigt sich die Niers im renaturierten Zustand. Walbeck ist Feinschmeckern als "Spargeldorf" ein Begriff. "Schwere Jungs" sitzen in der Justizvollzugsanstalt in Pont ein. In Lüllingen werden Gartenbauprodukte versteigert.
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