"Allgemein sportinteressiert"
zuletzt aktualisiert: 16.07.2011Pfarrer Alois van Doornick ist als ehemaliger Turner dem Sport sehr zugetan. Im Gespräch mit der Rheinischen Post spricht er über Berührungspunkte und Schnittmengen zwischen Glaube und Sport.
Ob und inwiefern der Glaube im Sport eine Rolle spielen kann, darüber äußerte sich Alois van Doornick, Pfarrer von St. Antonius Kevelaer und St. Quirinus Twisteden und zugleich Präses der DJK Twisteden, im Gespräch mit der Rheinischen Post. Die Fragen stellten Stefanie Sandmeier und Marco Büren.
Zur Zeit läuft die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Fiebern Sie mit vor dem Fernseher?
Alois van Doornick Ich habe noch am Mittwochabend das Halbfinale zwischen Japan und Schweden gesehen. Davor natürlich auch die deutsche Mannschaft. Das hat mir gefallen. Gerade die Japanerinnen spielen wirklich einen guten Fußball. Sehr präzise, wie ich finde.
Mundart und Sport
Alois van Doornick ist Pfarrer in den Pfarrgemeinden St. Antonius Kevelaer und St. Quirinus Twisteden. Neben seiner vielfältigen seelsorglichen Arbeit ist van Doornick der Mundart zugetan. Der Sport hat für ihn ebenfalls einen hohen Stellenwert. So beteiligte er sich auch aktiv am Biathlonwettbewerb der SSG Kevelaer.
Aber Sie schauen Frauenfußball nicht nur, weil die WM gerade in Deutschland stattfindet?
van Doornick (lacht) Nein, ich würde schon sagen, dass ich allgemein sportinteressiert bin. Ich habe auf dem Collegium Augustinianum Gaesdonck eine Abiturprüfung im Turnen abgelegt, kenne mich also dort und in der Leichtathletik aus. Außerdem fahre ich regelmäßig mit dem Rad. Für das Fußballschauen bleibt gelegentlich auch Zeit, etwa bei der DJK Twisteden, wo es im Übrigen auch eine gute Frauen-Fußballmannschaft gibt. Diese habe ich zuletzt gegen Fortuna Keppeln, das Team aus meinem Heimatdorf, spielen sehen.
Zur DJK haben Sie in Ihrer Funktion als Präses ein besonderes Verhältnis.
van Doornick Richtig. Dort bin in die Vorstandsarbeit eingebunden. Aber unabhängig davon ist das auch ein besonderer Verein, weil viele Menschen dank ihres ehrenamtlichen Engagements viel für die Gemeinschaft, letztlich auch für das Dorf, leisten. Daneben gibt es in dem kleinen Dorf – und das muss ich betonen – auch noch einige andere gut arbeitende Vereine.
Vereine, wo der Glauben anders gelebt wird als in anderen?
van Doornick Dazu fehlen mir konkrete Vergleichsmöglichkeiten. Aber bei der DJK ist es schon so, dass viel für die Gemeinschaft der Kinder getan wird, für die "Mannschaft", um im Bild des Sports zu bleiben – etwa mit Ferienlagern, wo dann auch gebetet wird. Darüber hinaus werde ich zu Messfeiern geladen; es gab auch schon Gottesdienste auf dem Sportplatz. Die Pflege christlicher Werte und das Einbinden von Gott prägt die Kinder. Ich bin froh darüber, dass dies so ist.
Wie schlägt man am besten die Brücke zwischen Glaube und Sport?
van Doornick Ich will es mit dem Apostel Paulus erklären, der sagt: Die Läufer im Stadion laufen alle, aber nur einer erhält den Siegespreis, der bis zum Ende durchhält. So wird uns gelehrt, dass wir unseren Glauben ja auch mit unserem Körper leben, beispielsweise durch Wasser und Weihrauch, durch Pilgern und Prozessionen. Der Leib ist also für den Glauben ganz wichtig, und so ist die Leib-Bildung durch den Sport auch für die christliche Menschwerdung wichtig. So entwickeln sich Werte wie Fairness und Zuverlässigkeit, die im Sport wie im täglichen Miteinander wichtig sind.
Geht durch die längeren Unterrichtszeiten der Kinder und damit durch die fehlende Zeit für den Sport nicht auch ein prägendes Element verloren?
van Doornick Ich finde schon, dass der Leistungsdruck auf die Kinder zunimmt und dabei auch andere bedeutende Dinge auf der Strecke bleiben oder zumindest zu kurz kommen. Das geht so weit, dass manche Kinder schlichtweg durch ihre Umwelt überfordert sind.
Haben Sie den Eindruck, dass es dabei auch nicht mehr gefragt ist, Schwächen zu zeigen?
van Doornick Ich glaube, dass bei den Kindern im Fußball wohl die meisten vermeintlichen Schwächen dadurch entstehen, dass etwas von ihnen verlangt wird, was Sie eigentlich noch gar nicht können müssen.
Dann wiederum gibt es Sportler, auch Profis, die ihren Glauben bewusst sichtbar leben...
van Doornick ... was, wie ich finde, in der Öffentlichkeit durchweg positiv dargestellt wird.
Erscheint es dabei nicht als Widerspruch, dass auf der anderen Seite Dinge wie Doping oder Wettbetrug den Sport belasten?
van Doornick Insbesondere vom Profi-Sport, denke ich, dass dieser längst nicht mehr frei ist von den Zielen und dem Druck, der durch wirtschaftliche Zwänge entsteht – wo der Wunsch nach Profit weit vorne steht. Im Amateursport geht es den Menschen zum Glück noch mehr um die Freude und den Wettkampf und um die persönliche Fitness. Das erlebe ich zum Beispiel bei der DJK Twisteden.
Hat der Sport Platz im Gottesdienst?
van Doornick Ich habe jedenfalls schon einmal einen platten Ball in die Kirche geschossen. Das war zu Pfingsten, und ich wollte damit demonstrieren, wie es sich mit einem Menschen verhält, der den Heiligen Geist nicht verinnerlicht hat.
Gibt es Momente, wo der Sport und der Glaube nicht zusammen passen?
van Doornick Eigentlich nur dort, wo der Sport missbraucht wird, etwa durch gewaltbereite Fan-Horden. Aber die haben für meine Begriffe auch nichts mehr mit Sport zu tun.
Apropos Fan-Sein sind: Ist es unmoralisch, für den Sieg "seiner" Mannschaft oder sich selbst zu beten?
van Doornick (lacht) Nein, sicher nicht. Solange man nicht für den Sieg eines Sportlers betet, von dem man weiß, dass er dopt, ist das in Ordnung.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum