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Fußball: "Allheilmittel" Kunstrasen?

zuletzt aktualisiert: 12.11.2009

Als vor wenigen Jahren der erste Kunstrasenplatz des Fußballkreises in Hasselt fertiggestellt wurde, konnte noch keiner ahnen, dass sich die "Plastik-Plätze" zu einem Statussymbol entwickeln würden.

Wachtendonk: Viel Granulat auf dem neuen Kunstrasen.  Foto: RPO
Wachtendonk: Viel Granulat auf dem neuen Kunstrasen. Foto: RPO

Kaum, dass auch in Wachtendonk ein Kunstrasenplatz entstand, wurden bei den Vereinen im Gelderland Begehrlichkeiten geweckt. In Geldern ist ein Kunstrasen ausgelegt, in Aldekerk wird es im Frühjahr so weit sein. Der SV Sevelen und andere Vereine haben Anträge gestellt oder diese in der Schublade. Ein Grund: Fußballklubs mit Kunstrasen erfreuen sich des Zulaufs von Jugendfußballern – welcher Nachwuchsspieler läuft schon gerne auf Asche?

Sportplatz-Experte Alfred Ulenberg sieht aber auch andere Gründe für die Nachfrage nach dem Kunststoff-Belag: "Es gibt viele Hersteller von Kunstrasen, die eine große Lobby bei den Fußballverbänden haben und ihre Errungenschaften gerne bis hinunter in den Amateurbereich loswerden wollen." Sprich: Selbst in der Kreisliga werden den Vereins-Verantwortlichen die Vorteile eines Kunstoffrasens schmackhaft gemacht. "Dabei", weiß Ulenberg aus Erfahrung, "werden mögliche kostenintensive Folgen von den Herstellern gerne ausgeblendet."

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So sollte er sein

Ein guter Rasen ist möglichst grün und kurz gemäht – so weit reicht bei Laien der Verstand von einem guten Fußballfeld. Alfred Ulenberg hat einen anderen Blick auf das Grün. Er denkt an Pilzbefall, Drainagesysteme, an Filzschichten und die Anzahl der Regenwürmern pro Quadratmeter. Der 70-Jährige ist ein Fachmann – der Landschaftsarchitekt mit dem Schwerpunkt Sportstätten wurde schon von Schalke 04 und Borussia Dortmund als Gutachter für die Stadien zu Rate gezogen.

Es kommt auf die Benutzung an

Für einen haltbaren Kunstrasen muss man tief in die Tasche greifen: Rund 600 000 Euro kostet der Bau – muss jedoch nach maximal 14 Jahren erneuert werden, bei "Billig-Lösungen" können schon nach vier Jahren gravierende Abnutzungserscheinungen auftreten. Für 350 000 Euro gibt es einen Rasenplatz. Dieser hält, wenn er gut gepflegt ist, gut und gerne 30 Jahre bis zur Erneuerung. Maßgeblich für die Haltbarkeit ist jedoch nicht nur die Fürsorge, sondern auch die Beanspruchung durch die Sportler. "Mehr als 800 Benutzungs-Stunden pro Jahr sind für echten Rasen Gift", sagt Ulenberg. "Auf Kunstrasen kann man aber gut 2000 Stunden spielen."

Der günstigste Belag ist – wen wundert es – der Ascheplatz. Er ist jedoch ein Auslaufmodell. Sportler spielen ungern auf dem "roten Rasen" – wegen der höheren Verletzungsgefahr. Zudem, betont Ulenberg, sei hochwertiger Rohstoff für Ascheplätze kaum mehr vorhanden.

Für den Landschaftsarchitekten bestimmt das Anforderungsprofil der Anlage die Wahl des Belages. "Kunstrasen ist kein Allheilmittel", sagt der 70-Jährige. "Doch wenn ein Verein nur über wenig Plätze verfügt, geht es manchmal einfach nicht anders."

Quelle: RP

 
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