Fußball: Aus dem Sack gehüpft
VON KARL DICKS - zuletzt aktualisiert: 02.10.2006Fußball-Landesliga: Reichlich Tore gab es am Samstag zwischen dem SC Bocholt 26 und dem SV Walbeck. Mit einem 4:4 trennten sich die Teams. Dabei lagen die Spargeldörfler zur Halbzeit schon 1:4 hinten.
Trainerstimmen
Markus Volmering, Bocholt: „Wir haben Angst vor der eigenen Courage und vor dem Gewinnen. Die erste Halbzeit war hui, die zweite pfui. Wir haben mal wieder zu überlegen angefangen und dabei den Sieg verschlafen.“
Jens Jütten, Walbeck: „Die vielen Ballverluste haben uns nicht ins Spiel kommen lassen. Wir haben in der ersten Halbzeit bei weitem unser Potenzial nicht abgerufen, dann aber doch noch Stärke gezeigt.“
„Wir hätten den Sack nur zubinden müssen“, stöhnte Bocholts Trainer Markus Volmering nach dem Spiel. Recht hat er, doch der SV Walbeck hatte etwas dagegen. Und so sprangen die scheinbar schon aussichtslos geschlagenen Walbecker noch aus dem Sack. „Charakterstärke nach dem riesigen Halbzeit-Rückstand“, nannte das Trainer Jens Jütten. Mit präzisen Kontern hatten die Bocholter auf die ungefährlichen Walbecker Angriffe reagiert, so, als wollten sie beweisen, dass sie selbst Herr im Haus sind und nicht Stadionhund Henry, wie im Internet zu lesen war.
Ein erster Schuss von Toker und ein Kopfball von Guso änderten nichts am lethargischen Walbecker Spiel, sodass die Bocholter fast zwangsläufig zu ihren Treffern kamen. Zwei dicke Fehler von Daniel van Stiphoudt, der an diesem Tag völlig neben sich stand, ein Aussetzer von Torwart Sascha Wicher und ein beinahe nicht zu glaubender Patzer von Jörg Hegmans – das alles machte vier Tore bis zur Halbzeit. In der 17. Minute das 1:0 durch einen Kopfball des von van Stiphoudt nicht genommenen Brinkmann. Im Gegenzug gab es das 1:1 durch Kevin Gregori, der einen Bocholter zum Doppelpass nutzte. Drei Minuten später aber schon das 2:1, als Scharf einen Freistoß gegen den wie angewurzelt stehenden Wicher unterbrachte. Neben diesen und anderen Abwehrschwächen klappte auch der Aufbau im Mittelfeld nicht, und die Durchschlagskraft des Angriffs lag bei Null. Als van Stiphoudt einen Fehlpass fabrizierte, wuselte sich Terodde durch – das 3:1. Und als weder Jörg Hegmans noch Fabian Lotoszynski den springenden Ball wegbefördern konnten, war Bogazligan dazwischen und machte das 4:1. Auch bei weiteren Angriffen tanzten die Bocholter, die immer einen Tick schneller waren, die Walbecker Abwehr aus, vergaßen aber das Treffen. Nach der Pause kam Leben in die Mannschaft der Gäste. In der 49. Minute das 2:4 durch Gregori, dessen Schuss Brinkmann ins eigene Tor lenkte. Drei Minuten später ein Jütten-Freistoß, SC-Torwart Krasenbrink klatscht ab und attackiert Gunnar Gierschner. Den Elfmeter macht Mario Möllecken rein zum 3:4. Und in der 78. Minute schafft Gierschner aus der Drehung eine Neuhaus-Flanke zum 4:4 über die Linie. Lattentreffer gab‘s noch hüben wie drüben, auch noch eine Superreaktion des Bocholter Torwarts bei einem Jütten-Freistoß, doch ein Walbecker Sieg wäre aufgrund der miesen ersten Halbzeit sicherlich auch nicht verdient gewesen.
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