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„Nicht schnell, aber lustig“

VON REINHARD PÖSEL - zuletzt aktualisiert: 18.09.2006

– ein Motto, das sich beim Staffellauf in Weeze eine Mannschaft auf die Rückseite ihrer Trikots geschrieben hatte. Es hätte aber genauso gut über der gesamten Veranstaltung stehen können, die von 239 Staffeln im Ziel geprägt wurde. Denn nicht gute Zeiten standen im Vordergrund – sondern gute Laune.

Abklatschen und los geht’s. Beim Wechselpunkt des Staffellaufes in Weeze warten die Teilnehmer auf ihre Teammitglieder. Foto: RPO

Auf dem Weg zum Staffellauf, der am Samstag zum 21. Mal ausgetragen wurde, waren die Verführungen groß. In Duisburg warb der Lichterlauf um Kundschaft, in Kevelaer das Wiesen-Walking und kurz vor dem Ziel, über die gesamte Breite eines Wohnkomplexes plakatiert, wurde mit Flügen nach Barcelona, London oder Stockholm geworben: ab 18,99 Euro. Die Angebote mochten noch so verlockend sein, wer den Staffellauf des TSV Weeze zum Ziel hatte, ließ sich von seinem Vorsatz nicht abbringen. 250 Mannschaften, zu einem großen Teil unter eigens ausgedachten Bezeichnungen, hatten ihre Meldung abgegeben. „Nur vier davon holten ihre Startunterlagen nicht ab“, berichtet Laurenz Thissen, dessen Stimme sich wie ein roter Faden durch den Nachmittag schlängelt. 239 davon kamen ins Ziel.

Stimme als Ankerpunkt

Info

Elf Wertungsklassen

Die Sieger des 21. Weezer Staffellaufes:

Argo Gaanderen I (Männer I, 1:24,44 Std.), Alem. Pfalzdorf I (Männer II, 1:33,15 Std.), Peelrunners Team II (Männer III, 1:36,50 Std.), LN Nütterden IV (männl. Schüler, 1:45,15 Std.), AV Venray Regio (männl. Jugend, 1:36,27 Std.), TSV Weeze (Frauen I, 1:43,51 Std.), Die Nordlichter (Frauen II, 2:05,29 Std.), LN Nütterden (weibl. Schüler, 1: 55,55 Std.), SV Sonsbeck (weibl. Jugend, 1:53,46 Std.), Triathlon Nachwuchs NRW (Mixed-Klasse, 1:34,13 Std.), FC Viktoria Alpen LA IV (Jedermann-Klasse, 1:40,22 Std.)

Der 57-jährige Weezer ist einer der Ankerpunkte der Veranstaltung, die in den zwei Jahrzehnten ihres Bestehens zu einem breitensportlich geprägten Fest geworden ist. „Damit bestätigt sich ein Trend, der bei den großen Stadtmarathons schon lange zu beobachten ist“, sagt Werner Paschmann, langjähriger Abteilungsleiter des TSV Weeze. In der großen Masse ist man nicht unbedingt schnell, aber eben lustig. Viele der Mannschaften kokettieren mit ihrer Langsamkeit, dessen Tempo sie am Limit ihres Schutzengels ausgerichtet sehen wollen, wie sie auf dem Rücken ihrer Laufhemden verraten. Eine Konsequenz hieraus: die Streckenrekorde in den elf Wertungsklassen, die überwiegend in der ersten Jahren des Staffellaufes aufgestellt wurden, bleiben unangetastet. 1992 benötigte der AV Tegelen für den fünf Mal zu bewältigenden, fünf Kilometer langen Rundkurs gerade mal 1:18,18 Stunden. Am Samstag ging der Gesamtsieg ebenfalls in die Niederlande (Argo Gaanderen), die Zeit aber war mit 1:24,44 Stunden erheblich langsamer. Dabei ließ ihr Startläufer Gert-Jan Wassink, der für die Startetappe gute 15:22 Minuten benötigte, noch anderes erwarten.

Die Mitglieder des Provi-Teams (v. l.:Michael Heilen, Jan Heilen, Norbert Platzer und Martin Anderson, es fehlt: Sylvia Heilen) beim Aufwärmen. Foto: RPO

Der Anfang eines Rekordlaufes war dies jedoch nicht. Trotzdem: die Freude über den Sieg war groß. Noch zwei Klassensiege gingen auf die andere Seite der Grenze. Doch auch in Weeze wurde gejubelt. Und das nicht nur, weil man wieder einmal eine wunderbare Veranstaltung auf die Beine gestellt hatte. Erika Schoofs, Annette Neinhüs-Janssen, Maria Voss, Michaela Born und Susanne Leunck (1:43,51 Std.) gewannen die Wertungsklasse der „Frauen I“. Bei den „Jedermännern“ zeigte eine andere Staffel aus Weeze, das ihre Mitglieder auch schnell auf den Beinen sind, wenn kein Ball im Spiel ist. Die „Über-Läufer“ Jörg Franssen, Hans-Jürgen Degen, Peter Francken, Daniel Reisdorf und Frank Bruckmann, die im Fußball zu Hause sind, holten sich in 1:47,10 Stunden den 10. Platz. Die Antwort von Moderator Thissen dazu: „Jeder ist ein Sieger.“ Mit einer vorderer Platzierung will er das nicht gleichgesetzt wissen, man muss sich nur innerhalb des Events gut aufgehoben fühlen. Mancher tut das so gut, dass er sich auf dem Weg nach Hause von der schon wieder aufgehenden Sonne begleiten lässt.

Quelle: RP

 
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