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Vereine: Der Brühl, ein Zuhause – für wen?

VON NORBERT HEMMERSBACH - zuletzt aktualisiert: 24.12.2010

Viele Jahre war die Sportanlage Am Brühl die Heimat des RSV Geldern. Nach der Fusion mit Gelria 09 wird der Platz von den GSV-Altherren benutzt. Untermieter ist Rot-Weiß Geldern, der eine eigene Herberge bis heute nicht gefunden hat.

Gebrüder Molderings (v.l.): Josef, Günter und Kurt. Foto: RPO
Gebrüder Molderings (v.l.): Josef, Günter und Kurt. Foto: RPO

Fast jeden Samstag sitzen im Vereinsheim "Am Brühl" die Altherrenfußballer des GSV, und das Programm, das sie dort zwei Stunden bei der Sportschau im Fernsehen zu absolvieren haben, ist aufeinander abgestimmt wie die Kür von Synchronschwimmerinnen.

Gemeinsame Kommentare, gemeinsames Kopfschütteln, gemeinsames Zigarettenrauch-Kringeln bis der Uhrzeiger gegen acht rückt. Es ist das Milieu einer Fußballbasis. Einfach – und trotzdem wärmend.

Und es ist noch gar nicht so lange her, da gingen die Jugendlichen vor dem ersten Kick ins Vereinsheim, von dem aus man einen guten Blick auf den Platz mit der roten Asche hat, lernten soziales Verhalten und auch Schuheputzen vor der Kabine. Heute sieht man dort aber keine Ronaldinhos mehr, keiner will mehr ein Wassereis. Die Jugendlichen lernen dort auch nicht mehr im Team zu spielen. Alles hatte damals irgendwie seine Ordnung.

Info

Zahlen und Fakten

Mitglieder

GSV Geldern: 800

Rot-Weiß Geldern: zirka 100

Mannschaften

GSV Geldern: drei Seniorenteams, eine Altherrenmannschaft

Rot-Weiß Geldern: zwei Seniorenteams, keine Altherrenmannschaft

Jugendmannschaften

GSV Geldern: sechs

Rot-Weiß Geldern: seit kurzem eine Bambini-Abteilung

Die Vergangenheit

Der Platz neben dem Platz war ebenfalls geordnet, dafür sorgten schon die Mitglieder des Eisenbahnersportvereins. Die setzten sich allerdings gerne mal für lau auf die Böschung an der Bahn und schauten von dort aus den Spielen zu. Vielleicht ist der Gründungsmythos des RSV Geldern nicht zuletzt auch dadurch begründet, weil Eisenbahn und Fußball in Geldern immer eins waren. Überdurchschnittlich viele Gelrianer arbeiteten nämlich bei der Bahn, überdurchschnittlich viele von ihnen ihr ganzes berufliches Leben lang. Die Bahn war Arbeitgeber und Besitzer des Areals. Auch das war geregelt.

Der verschneite Ascheplatz am Brühl, wo der RSV Geldern lange Zeit heimisch war. Foto: RPO

Ganz hinten Bäume und Sträucher, die von den Gewaltschüssen der Stürmer allerdings immer sehr schnell entlaubt werden. Dahinter Zechenhäuser und das Bahngelände. Dazwischen liegt der Fußballplatz des GSV, und wenn man sich auf eins der Tore stellt, kann man beinahe das Stadion am Holländer See sehen.

Das hatte schon viele große Auftritte und ist die Zukunft des Fußballs in Geldern, denn er findet dort auf einem gekämmten Rasen und seit kurzem sogar auch auf einem Kunstrasenplatz statt. Der Fußballsport wird davon profitieren. Wahrscheinlich auch der GSV, denn er hat in Eigenleistung ein schmuckes Clubhaus gebaut.

Einweihung am 31. Juli 1955 im Stadion "Gelderland" – 8000 Zuschauer erlebten das Spiel der Oberliga-Mannschaften Schwarz-Weiß Essen - Alemannia Aachen 0:2. Foto: RPO

Die Gegenwart

Die Gegenwart, das sind die Probleme der Rot-Weißen. Zurzeit werden sie im Sportausschuss der Stadt leise warmgeredet. Dass die Fußballer zuvor schon mal etwas lauter wurden, kann man gut verstehen, denn seit dreißig Jahren suchen sie in Geldern eine Herberge für sich, haben bislang aber noch keine gefunden haben.

Ohne eigenen Platz und ohne eigenes Vereinsheim haben sie allerdings nur geringe Chancen, dass sich Jugendliche bei ihnen anmelden. Bei den Rot-Weißen gibt es erst seit kurzem wieder Nachwuchs.

Den Ball abspielen auf dem Platz, den anderen sehen, etwas mit dem anderen teilen, das konnten die Kleinen "Am Brühl" lange nicht mehr. Jetzt ist man bemüht, eine Jugendabteilung zu gründen. Mit den Bambinis ging es kürzlich los. Die RSVer, die den alten Zeiten nachhängen, trainieren und spielen dort. Die Rot-Weißen, die sich in diesem Stadtteil wohlfühlen wie die Besucher auf einem Bauernhof, kicken aber ebenfalls auf einem Aschenplatz, der seinen Zauber noch nicht verloren hat.

Die erste Mannschaft des RSV Geldern am 1. April 1984 mit dem Vorsitzenden Heinrich Ackermann (links). Foto: RPO

Die Vergangenheit ist das Vereinsheim "Am Brühl". Es ist mit Wimpeln, Fotos und Erinnerungen dekoriert. Es ist zwar von den "Alten Herren" des GSV nach der Fusion mit finanziellen Mitteln der Stadt umgebaut worden, aber das Milieu hat sich in den letzten Jahren nicht geändert. Es ist das Milieu der Fußballbasis, in dem sich Zuschauer und Fußballer wohlfühlten. Obwohl sportlich längst nach unten durchgereicht, ist die Vereinsgaststätte vor allem für die ehemaligen RSVer immer noch ein Stück Heimat.

Gegenwart des Fußballs in Geldern. Wer genau hinhörte, der erfuhr, dass die Mitglieder von Rot-Weiß Geldern an ihrem runden Geburtstag von allen Seiten viel Lob bekamen. Politiker und Fußballer waren zunächst nämlich sehr skeptisch, ob der Verein lange durchhalten würde. Er hat durchgehalten, und das ist sehr schön. Nun braucht er nur noch eine eigene Herberge.

Quelle: RP

 
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