Leichtathletik: Ein Flop sorgt für den Höhenrausch
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 22.09.2007KLEVE Als der Klever Fred Gennies mit dem Hochsprung begann, konnte man neben schönen Urkunden vor allem eins ernten: blaue Flecken. Die Latte war aus Eisen und durch einige Krümmungen nicht immer voll auf der Höhe. So wusste man beim Anlauf nie so richtig, welche Höhe man gerade übersprang. Es hing eben davon ab, an welcher Stelle die Stange überquert wurde.
Immer noch der Beste
Gennies, der am 7. Februar 1952 in Kleve geboren wurde, hält seit 32 Jahren den Kreisrekord im Hochsprung der Männer. Höher als seine 2,05 Meter, die er am 30. Juni 1975 in Goch sprang, ist seitdem kein Athlet mehr für einen Verein aus dem Kreisgebiet geflogen. Sein Vater Otto Gennies nahm den aktuellen Rekordhalter sonntags mit auf den Klever Merkurplatz. Zahlreiche hervorragende Athleten aus der ehemals starken VfL-Abteilung drehten hier ihre Runden. Und dies auf einer überschaubaren Bahn. Denn eine Runde war auf dem Merkurplatz nur etwas über 330 Meter lang. Mit dem Schersprung landete Gennies in den ersten Jahren noch auf einem Sandhaufen. Seine erste Höhe, die dokumentiert wurde, waren 1,20 Meter. Die sprang er mit 13 Jahren. Zusammen mit seinem Freund Reinhard van der Heusen, der später Handball-Nationalspieler werden sollte, und Bruder Benno trainierte er beim VfL. „Die rannten mir jedoch beide regelmäßig davon, nur im Hochsprung konnte ich mithalten“, erinnert sich Gennies.
Mit der Wälzertechnik quälte er sich die ersten Jahre über die Latte. Die Steigerungen seiner Bestleistung waren übersichtlich. „Ich hätte irgendwann wohl auch aufgehört“, erinnert sich der bislang beste Springer des Kreises, wenn nicht 1968 bei den Olympischen Spielen Dick Fosbury mit dem nach ihm benannten Flop einen neuen Sprungstil präsentierte hätte. Von da an ging’s aufwärts: Gennies Bestleistung im Jahr 1968 betrug 1,58 Meter. Ein Jahr später hatte er 1,83 als neue Marke stehen. Dank Dick 25 Zentimeter in einem Jahr. 1970 wurde er Fünfter bei den Deutschen Jugendmeisterschaften mit 1,94 Meter. Bis 1975 blieb Gennies beim VfL Merkur Kleve. In diesem Jahr stellte er auch den immer noch unangetasteten Kreisrekord auf. „Ein Problem der Hochsprunganlagen im Kreis Kleve war, dass immer nur auf den letzten drei Schritten vor dem Absprung Kunststoffläufer lagen. So rutschte man fast immer, wenn man in der Kurve beschleunigte“, erinnert sich der 55-Jährige.
Training mit System
Beruflich zog Gennies 1976 ins Sauerland: „Dort konnte man zwar Waldläufe machen, aber keinen Hochsprung.“ Zweimal die Woche fuhr er nach Dortmund und schloss sich dem OSC Thier an. Das erste Training mit einem Hauch von System begann. Gennies hatte zuvor meistens eigenständig trainiert. Aus der Serie „Ich weiß selbst am besten, was gut für mich ist“. Gennies: „Nach festen Plänen hätte ich ohnehin nicht trainieren können. Das war nichts für mich.“ 1978 sprang er in Düsseldorf mit 2,16 Meter seine persönliche Bestleistung. Gennies gehörte zu den 20 besten Hochspringern Deutschlands. Seine Erfolge auf nationaler Ebene blieben jedoch überschaubar. Bei den Hallenmeisterschaften 1979 in Berlin wurde er sogar zunächst aus dem Wettbewerb geschmissen. „Ich hatte die Werbung auf der Startnummer abgeschnitten. Irgendein Traubenzucker stand da drauf“, sagt Gennies, der nach einem Protest mit anschließender Flick- und Bastelstunde doch mitmachen durfte. Bei den Freilufttitelkämpfen 1977 in Hamburg war eine Reeperbahn-Tour wenig hilfreich, um am Morgen danach die Qualifikation zu überstehen. Gennies weiß jedoch, dass auch mit optimalem Training, einer tollen Anlage und ohne ausgiebige Besichtigung von Sehenswürdigkeiten am Tag vor einem Springen nicht mehr als 2,20 Meter drin gewesen wären. Gennies: „Bei dieser Höhe wäre Schluss gewesen. Ich bin zwar 1,92 Meter groß, doch meine Hebelverhältnisse sind zu schlecht, um höher zu springen.“ Gut genug sind sie aber Jahrzehnte für den Hochsprung im Kreis Kleve gewesen. Denn auch der 55-Jährige Rekordhalter, der jetzt in Berlin lebt, ist sich sicher: „Langsam wird’s Zeit.“
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