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Eine bewegende Reise in eine fremde Welt

VON MARCO BÜREN - zuletzt aktualisiert: 07.11.2009

Wemb Norbert Ziegelsky und Michael Köster gehören nicht zu den Menschen, die innerhalb der Gesellschaft einen Platz an der Sonne gepachtet haben. Beide sind Bewohner des Petrusheimes in Weeze-Baal. Sie leben dort gemeinsam mit anderen Menschen, die einst obdachlos waren. Im Petrusheim haben sie wieder eine Bleibe und eine Aufgabe. Sie erhalten 90 Euro Taschengeld pro Monat. "Das ist natürlich zu wenig, um am Alltag der normalen Welt teilzunehmen", sagt Fred Krusch, der Bereichsleiter des Petrusheimes ist.

Von diesem Taschengeld könnte sich kein Petrusheim-Bewohner den Besuch eines Fußball-Bundesliga-Spieles leisten, denn das Geld muss auch für die restlichen Dinge des täglichen Lebens reichen. So kam Fred Krusch auf die Idee, dem Vorsitzenden von Borussia Dortmund, Reinhard Rauball, einen Brief zu schreiben. "Ich habe ihm geschildert, dass Obdachlose gerne einmal ein Bundesligaspiel besuchen wollen, es ihnen aber finanziell nicht möglich ist", erzählt Krusch, der sich von der schnellen Reaktion der Borussen-Verantwortlichen angetan zeigte. Zweieinhalb Wochen später rief das Sekretariat des BVB-Vorsitzenden zurück und teilte mit, 100 "Ehrenkarten" an das Petrusheim zu schicken. An die freudige Botschaft erinnert sich Krusch genau: "Ich hatte das erste Mal bei dieser Geschichte eine Gänsehaut – und ein bisschen auch das Gefühl, auf den Arm genommen worden zu sein."

Letzteres bestätigte sich nicht. Als die Karten in Weeze-Baal eintrafen, wurden sie gleich an die interessierten Bewohner verteilt. Doch das war ja nur der erste Schritt, um den Besuch eines Bundesligaspiels möglich zu machen. Wie beispielsweise sollten die Bewohner und Betreuer nach Dortmund kommen sollen? "Hier zeigte sich der Flughafen Weeze als guter Nachbar", lobt Kruschs Kollege Jürgen Schoofs, denn der Airport stiftete die Busse, mit denen sich das Petrusheim auf den Weg nach Dortmund machen konnte. Der hauseigene Lebensmittellieferant stellte Lunchpakete zur Verfügung, die Sparkasse die nötige schwarz-gelbe Fanausrüstung. Am Freitag, 16.30 Uhr, ging es los, nachts um ein Uhr waren Bewohner und Betreuer wieder zurück im Petrusheim. 2:0 hatte der BVB gegen Hertha BSC gewonnen – das I-Tüpfelchen für einen gelungenen Ausflug.

"Ich war einfach gerührt, dass unsere Bewohner ein paar Stunden lang in die richtige Welt eintauchen konnten, die ihnen im Allgemeinen verschlossen bleibt", sagt Krusch. Dabei waren die Gefühle im Stadion eher wieder aus der Welt entrückt. "Wenn rund 80 000 Fußball-Anhänger wegen eines Tores in Jubel ausbrechen, ist das eine phantastische Sache", erinnert sich Krusch.

Die Bewohner des Petrusheimes hatten schon Tage vor ihrer nicht alltäglichen Reise ins Westfalenstadion vor Aufregung kaum noch ein anderes Thema als den BVB. Sie liefen mit ihrer schwarz-gelben Ausrüstung durchs Heim. Eine Woche nach dem Spielbesuch tun sie es immer noch. "Fred, wir müssen das unbedingt noch einmal machen", bekommt Krusch seither vielfach zu hören. Von Norbert Ziegelsky, von Michael Köster und von anderen auch.

Quelle: RP

 
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