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Laufen: Endspurt hinter Mauern

VON CHRISTINA RADEMACHER - zuletzt aktualisiert: 23.11.2010

Häftlinge, Bedienstete und Gastläufer aus Vereinen sind innerhalb der JVA Geldern am Wochenende beim zweiten Ponter Jail-Run gestartet. Gelaufen wurde über zehn und 15 Kilometer sowie in der Staffel.

Die Spitzengruppe des Jail-Runs, an dem Häftlinge (Gesichter unkenntlich gemacht) aus Pont und Wittlich sowie Läufer aus Kevelaer und Geldern teilnahmen.  Foto: RPO
Die Spitzengruppe des Jail-Runs, an dem Häftlinge (Gesichter unkenntlich gemacht) aus Pont und Wittlich sowie Läufer aus Kevelaer und Geldern teilnahmen. Foto: RPO

Meterhohe Mauern aus Beton, zusätzlich gesichert mit Stacheldraht, empfangen den Besucher. Kaum zu glauben, dass hinter diesen Mauern eine Laufveranstaltung stattfindet. Organisiert für Häftlinge aus den Gefängnissen in Pont und Wittlich in der Eifel. Ergänzt wird das Läuferfeld durch Athleten des GSV Geldern und der LLG Kevelaer. Einige von ihnen kommen schon zum zweiten Mal ins Ponter Gefängnis, wo vor einem Jahr der so genannte Jail-Run geboren wurde.

Doch was macht die Veranstaltung so interessant? Müssen sich die Teilnehmer nicht wie Hamster in einem Laufrad vorkommen, wenn sie immer wieder die gleiche, nur wenige Meter lange Runde innerhalb der mit Stacheldraht umzäunten Mauern zurücklegen? Die Antwort überrascht. Für die meisten Gefangenen ist der zweite Jail-Run "wie Ostern und Weihnachten zusammen", wie einige der Teilnehmer berichteten.

Info

Ponter Jail-Run

Die Disziplinen:

Die Teilnehmer starteten zunächst über die 10-km-Distanz, anschließend über 15 km. Darüber hinaus gingen über die gleiche Strecke auch Staffeln ins Rennen.

JVA Pont als "Vorzeigeobjekt"

Dietmar S., Häftling der JVA Wittlich sagte: "Es ist etwas ganz Besonderes, dabei sein zu dürfen. Eine Abwechslung, die gut tut. Eine neue, längere Strecke und andere Gesichter. Ich habe hier viele Freunde wieder getroffen, die ich aus anderen JVAs kenne." Rainer Schuler, Bediensteter der JVA Wittlich, hatte die Qual der Wahl und musste sich für acht Gefangene entscheiden, die er mitnehmen durfte. "Ich habe zunächst einmal nach Zuverlässigkeit der Häftlinge entschieden und nicht nach Leistung", erklärte der 60-Jährige, der selbst über die Zehn-Kilometer-Distanz startete. Schuler leitet in der JVA Wittlich ein Marathonprojekt und nutzte die Laufveranstaltung in Pont als Vorbereitung.

"Eine andere Lauf-Möglichkeit in diesem Rahmen gibt es nicht. Die JVA Pont ist in Sachen Sport ein Vorzeigeobjekt in Nordrhein-Westfalen", sagte Dietmar Kantner, Sportkoordinator der JVA Pont. "Wir versuchen, die Veranstaltung so familiär und professionell wie möglich zu gestalten." Eine Siegerehrung, Preise, motivierende Streckenposten und warme Speisen sollten dazu beitragen, dass die Häftlinge zumindest für einen Tag vergaßen, dass sie sich im Gefängnis befinden. "Einer unserer Häftlinge hat heute Geburtstag. Er erzählte mir, dass dieser Lauf für ihn das schönste Geschenk sei, das er sich vorstellen könne", so Schuler. Das bestätigte auch Nicolas N., Häftling in Pont, der als Zweiter über zehn Kilometer ins Ziel kam: "Die Veranstaltung ist super organisiert, und es macht Spaß, an den Streckenposten vorbei zu laufen, die uns anfeuern." Normalerweise steht den Läufern zweimal pro Woche ein 200 Meter langer Sportplatz zur Verfügung. "Da muss man schon oft hin- und herlaufen, um die zehn beziehungsweise 15 Kilometer zusammen zu bekommen. Mehr als 90 Minuten stehen den Häftlingen für ihr Training nie zu Verfügung", erklärte Sportkoordinator Georg Lemm.

Guido van Straelen läuft für den GSV Geldern und startete schon zum zweiten Mal in der Ponter JVA. Van Straelen war begeistert: "Keine Zuschauer und statt eines Landschaftslaufes eine graue Mauer, Stacheldraht und Sicherheitsbeamte. Das hält mich aber trotzdem nicht davon ab, auch bei zukünftigen Läufen wieder dabei zu sein."

Quelle: RP

 
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