Er schweigt und siegt
VON NORBERT HEMMERSBACH - zuletzt aktualisiert: 10.01.2009Richard Valenta gilt als großes Schachtalent. Beim SC Kevelaer spielt der 18-Jährige in der zweiten Mannschaft. Weil er schneller und vorausschauender denkt, gewinnt er immer mehr Partien.
Richard Valenta redet nicht gern über sich, er sagt selten mehr als „Ja“ und „Nein“ oder „Weiß ich nicht“. Dabei wippt er mit den Füßen, er schaut auf den Boden und manchmal auf seinen Gesprächspartner, schnell und scheu. „Schach ist mein großes Hobby“, sagt der 18-Jährige. Er lächelt nicht, als er diesen Satz sagt, er spricht ihn so, wie er dieses große Spiel spielt – ohne Leidenschaft. Die könnte nur stören, wo die Logik herrscht, in der Welt hinter seiner Stirn, wo keine Könige, Damen, Bauern existieren. Nur Zahlen und Buchstaben, die er durchrechnet, bevor er Holzfiguren auf einem Brett verschiebt und mit seinem Gegner um Sieg und Niederlage spielt.
Der Verein
Der Schachclub Kevelaer ist mit drei Seniorenmannschaften (Verbandsliga und zweimal Bezirksklasse) im Spielbetrieb vertreten. Auch etwa 20 Jugendliche spielen bei dem Verein und werden von Hannes Selders trainiert.
Mathe-Einser und Kreismeister
Der Junge mit dem unbewegten Gesicht – Note eins in Mathe auf dem Kardinal-van-Galen-Gymnasiun – war in den Jugendklassen besser als die Gleichaltrigen im Kreis Kleve, dachte schneller, reagierte unberechenbarer, und plante den entscheidenden Spielzug weiter voraus. Das Talent, das als Zehnjähriger zu den Kevelaerer Schachfreunden Kontakt knüpfte, war natürlich Kreismeister und gehörte eigentlich immer zu den besten Nachwuchsspielern in dieser Region. Das war also eine ganz gute Ausgangsposition, um auch gegen die erwachsenen Akteure des Clubs um Sieg und Niederlagen zu spielen.
So kam‘s: In der dritten Mannschaft des SC Kevelaer waren die Rollen bei seinem Debüt allerdings schnell verteilt. Richard Valenta, der stundenlang vor dem Brett brüten kann bis der Kopf raucht, schüttelten die Besiegten immer schneller die Hand – er gewann die meisten Spiele. Er sagt, er spiele eben gerne Schach.
Zurzeit stehen bei seinen Partien die Figuren in der zweiten Mannschaft der Kevelaerer vor der Eröffnung in Reih und Glied auf den Brettern. Er misst sich damit als 18-Jähriger mit den ganz erfahrenen und starken Spielern des Clubs. Und seit einem halben Jahr ist er gleich um 400 Bewertungspunkte nach oben geklettert – auf insgesamt rund 1700. Das schaffen nur ganz wenige Hobbyspieler. Er lacht dabei. Ein netter Junge, der demnächst Physik einmal in Aachen studieren möchte. Aber erst einmal ist er mächtig froh, nach dem Gespräch entlassen zu sein. Reden ist eben nur Silber...
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum