Leichtathletik: Mehr als ein Tausch von Jacken
VON REINHARD PÖSEL - zuletzt aktualisiert: 20.02.2012Leichtathletik (RP). Als KSV-Trainer gewann Ludwig Klaassen mit Kathrin van Bühren und Felix Bruckmann fünf Deutsche Meistertitel. Nach 16 Jahren zerbrach die Ehe mit dem Kevelaerer SV, mittlerweile trainiert er den ASC Düsseldorf. Einmal in der Woche hilft der 50-Jährige noch bei seinem früheren Verein aus.
Leichtathletik-Trainer Ludwig Klaassen wurde in der laufenden Hallensaison immer wieder mit Fragen konfrontiert, die aus der Verwunderung herrührten, ihn in der roten Vereinsjacke des ASC Düsseldorf anzutreffen. "Es gibt Vereine, die verbindet man mit einem bestimmten Namen – und den KSV eben mit deinem", schildert Klaassen eine dieser Begegnungen. Eine Aussage, in der Anerkennung mitschwingt für die Arbeit, die Klaassen im Umfeld des Hülsparkstadions geleistet hat. 16 Jahre lang hat er dort die Leichtathletik geprägt, der Sportart in Kevelaer ihre bisher erfolgreichste Zeit beschert.
Und trotzdem: Nach Ende der vergangenen Saison hat Klaassen den Kevelaerer SV verlassen. Schweren, vielleicht aber auch ein Stück weit leichten Herzens, weil er emotionalen Ballast hinter sich lassen konnte, der sich in den letzten etwa drei Jahren wie Mehltau auf die Trainingsarbeit gelegt hatte. Mit dem Wechsel zum ASC Düsseldorf vollzog Klaassen einen Schritt, in dessen Zusammenhang Franz-Josef Probst, Ehrenvorsitzender der Abteilung und des KSV, sogar das Wort "Mobbing" gebraucht. Immer weniger sei es den Grüppchen, die sich in der Abteilung gebildet hatten, um die Sache, das Fortkommen der Athleten, gegangen. Persönliche Befindlichkeiten und Eigeninteressen gerieten in den Vordergrund, Missgunst hielt mehr und mehr Einzug.
Stationen als Trainer
Erste Trainererfahrungen sammelte Ludwig Klaassen bei seinem Heimatverein TV Rheurdt. Später zog es ihn zum TSV Nieukerk. Vor 16 Jahren erlag Klaassen dem Werben von Franz-Josef Probst und wechselte zum Kevelaerer SV. Seit einigen Wochen ist er beim ASC Düsseldorf angestellt und dürfte dort eine der wenigen Vollzeitstellen eines Trainers im Landesverband Nordrhein besitzen.
Angefangen hatte alles vor vier Jahren mit der Ankündigung von Probst, sich aus dem operativen Geschäft der Abteilung zurückzuziehen und Jüngeren das Ruder in die Hand zu geben. Die dadurch entfachte, nicht beabsichtigte Diskussion über die zukünftige Ausrichtung der Leichtathletik in Kevelaer riss Gräben auf, die im Laufe der Zeit tiefer und breiter wurden. Einige sprachen von verbrannter Erde, die entstand. Dem später neu gewählten Vorstand um Jörg Dethloff, der im vergangenen Jahr nach noch nicht einmal einer Amtsperiode schon wieder zurücktrat, gelang es nicht, ein verträglicheres Klima durchzusetzen.
Vor dieser Gemengelage reifte bei Klaassen die Entscheidung heran, sich mit den immer mal wieder an ihn herangetragenen Angeboten anderer Klubs ernsthafter zu beschäftigen. Insgesamt 130 Titel und mehr als 300 Medaillen bei Deutschen, Westdeutschen und Nordrhein-Meisterschaften der von Klaassen betreuten Athleten hatten den Fokus auch auf ihn gelenkt. Außerhalb Kevelaers blieb nicht verborgen, dass die Leichtathletik beim KSV nicht zuletzt durch die äußerst qualifizierte Arbeit Klaassens eine herausragend gute Zeit erlebte.
Emotional intensive Augenblicke gab es viele in dieser Zeit. Wo solle er anfangen, fragt Klaassen. "Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich beispielsweise an die Deutschen Meisterschaften 2003 in Ulm zurückdenke, bei denen Kathrin (van Bühren, d. Red.) im Weitsprung und unsere 4x400-Meter-Jugendstaffel mit Florian und Oliver (Verheyen, d. Red.), Tim (Bruckmann, d. Red.) sowie Andreas (Grieß, d. Red.) nahezu zeitgleich Silber gewannen", gesteht er.
Der heute 50-Jährige schien aufs Engste mit der Kevelaerer Leichtathletik verwachsen zu sein – eine Trennung unvorstellbar. Doch die Beziehung zerbrach, weil offensichtlich niemand die Stärke und Autorität besaß, alle in der Abteilung hinter einer gemeinsamen Linie zu versammeln. Befeuert vielleicht auch dadurch, weil der rasant vor sich gehende Niedergang der Sportart im Kreis Kleve auch vor Kevelaer nicht halt machte.
Dabei vertrat Klaassen den Standpunkt, dass nationale Erfolge für den KSV immer außergewöhnliche Momente sein würden. Niemals wäre er der Idee verfallen, aus den DM-Titeln von Felix Bruckmann und Kathrin van Bühren eine Regel abzuleiten. Klaassen hätte es ausgehalten, kleinere Brötchen zu backen.
Er sei dazu bereit gewesen, "doch dann hätte man mir den Rücken stärken müssen". Offenbar schienen einige Verantwortliche die Notwendigkeit nicht oder zu spät zu spüren. Stattdessen sahen sie deutlich zu lange zu, wie sich andere in der Abteilung als Brandbeschleuniger eines immer schlechter werdenden Miteinanders betätigten.
Als Interimsvorsitzender nach dem Rücktritt des Vorstandes versuchte Probst zu retten, was es zu retten gab. Doch einige Weichen zeigten unumkehrbar in eine andere Richtung. Dazu gehörte neben dem Weggang von Athleten auch die Entscheidung von Klaassen, seine Trainertätigkeit beim ASC Düsseldorf fortzusetzen. Dort ist er für den Bereich Sprung und das Hürdentraining zuständig. Bereits nach kurzer Zeit hat er sich in seiner neuen Umgebung nach eigenem Bekunden prima eingelebt.
Ein Wechsel, der für ihn jedoch mehr ist als der Tausch einer Trainingsjacke. "Die Zeit beim KSV waren überwiegend schöne Jahre", bekennt Klaassen. Und weil das so war, konnte er der Bitte von Probst, an seinem freien Tag beim Training des KSV auszuhelfen, nicht abschlagen. Ob er sich einen Gefallen damit tut, weiß Klaassen nicht.
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