Oben festgebissen
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 18.09.2006Fußball-Oberliga: Der SV Straelen besiegt Alemannia Aachen II mit 3:0. Das war der erste Dreier gegen ein Team aus dem oberen Drittel. Ein Ritterschlag für Teckis Truppe. Die Spätfolgen sind noch nicht abzusehen.
Stefan Emmerling ist Trainer von Alemannia Aachen II. Kein Übungsleiter aus der Kategorie „Hampelmann mit Brüllattacken“. Doch wurden Emmerlings Aktionen am Spielfeld im Laufe der Partie immer beschaulicher. Als der SV Straelen in der 51. Minute das 2:0 markierte, sackte er ganz zusammen. Setzte sich auf die Bank und ließ das Spiel an sich vorbeiziehen. „Es war mir klar, dass wir heute nochmal 90 Minuten spielen könnten. Wir hätten keinen gemacht“, sagte Emmerling leicht resigniert. Einen Vorwurf wollte er seiner Mannschaft nicht machen. Obwohl diese gerade mit 0:3 recht deutlich als zweiter Sieger den Platz verlassen hatte: „Ich kann doch froh sein, dass wir uns so viele Chancen herausgespielt haben. Nur hinten, da haben wir es den Straelenern zu leicht gemacht.“ In der Tat profitierten die Grün-Gelben beim 1:0 von der tatkräftigen Unterstützung des Alemannen Sören Prüter. Der verstolpert die Kugel als letzter Mann gegen Straelens Pütters. Ludwik kommt von hinten und zimmert die Kugel nach sechs Minuten zum 1:0 in den Kasten. Recht erstaunte Gesichter in Reihen der Aachener. Die durchweg junge Truppe kann es nicht fassen, was ihr Kamerad dort veranstaltet hat. Prüter selbst schaut so ungläubig wie ein Schuljunge, dessen Hund gerade unter einen Laster gerannt ist.
Teams und Tore
Wechsel SVS: 46. Muminovic (3) für Joosten, 76. Küppers (–) für Ludwik), 86. Llakay (–) für Pütters
Aachen II: Hesse (20. Schell) – Niwiadomski, Mutsch, Prüter, Schacken (62. Domgörgen), Addai, Tennagels, Moosmayer, Özgen (76. Müller), Popva, Balaban.
Tore: 1:0 Ludwik (6.), 2:0 Thönes (51.), 3:0 Atulahi (72.)
Zuschauer: 460; Schiri: Meiwes (Rheda-Wiedenbrück, Note 2)
Kläglich vergeben
Warum Aachen II zu den Top-Teams der Liga gehört, demonstrierte die Truppe im weiteren Verlauf von Hälfte eins. Vor allem Angreifer Abdul Özgen schaffte es immer wieder, auch die besten Chancen kläglich zu versieben. Was alleine Özgen an Chancen verknallte, damit sind schon ganze Weltmeisterschaften entschieden worden. Dass es bei der 1:0-Pausenführung blieb, war auch ein Verdienst von Straelens Michel Kniat. Nach einer Ecke erwischte der hinten souverän spielende SVS-Riese den Ball aus spitzem Winkel. Kniat nimmt diesen volley und haut unter die Kugel, als müsse er einen Ochsen erlegen. Gut, dass hinter dem Fangzaun hohe Bäume stehen. Der Ball wäre weg gewesen.
Nach der Pause war’s Atulahi, der derzeit in bestechender Form spielt, der das 2:0 einleitete. Er versorgte Thönes mit einem brauchbaren Pass. Thönes kurvte in den Strafraum, ließ den etwas orientierungslos herumrennenden Alemannen-Keeper Schell aussteigen und traf zum 2:0 (51.). „Ich hatte es angesprochen. Den Thönes darf man nicht alleine herumlaufen lassen. Das war das Ende“, so Emmerling. Aber nicht für Straelen. Atulahi sorgt mit einem Distanzschuss für das 3:0 (72.). Der SVS schockt die Liga weiter. Durch den Dreier sind Teckis Männer auf den zweiten Platz vorgerückt. Und dennoch wird man den Eindruck nicht los, als habe die Mannschaft so richtig noch keiner auf der Rechnung. „Ja schon, die stehen zurecht da oben. Aber in der Defensive sind sie anfällig. Das haben wir gezeigt“, sagt Emmerling. Um mit den Worten eines erfahrenen Fußballers zu schließen: „Aber wenn man 0:3 verloren hat, dann ist man besser still.“
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