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Schnelle Königsmörder

VON NORBERT HEMMERSBACH - zuletzt aktualisiert: 06.01.2009

Beim 21. Schnellschach-Turnier des SC Straelen konnten sich die Routiniers aus Kevelaer in der B-Klasse und bei den Senioren jeweils doppelt unter den ersten Zehn platzieren.

273 Teilnehmer grübelten im Forum des Straelener Gymnasiums über die Konstellationen auf dem Schachbrett.  Foto: RPO
273 Teilnehmer grübelten im Forum des Straelener Gymnasiums über die Konstellationen auf dem Schachbrett. Foto: RPO

Mucksmäuschenstill ist es im Forum des Straelener Gymnasiums, als Johannes Giesen die Eröffnungsworte spricht. 273 Akteure blicken schon bei der Begrüßung des Bürgermeisters gedankenverloren und ungeduldig auf die Bretter, auf ihre ersten Aufgaben. Wie Schüler bei einer schwierigen Klassenarbeit. Aller Anfang ist schön. Und leicht. Schnell werden die ersten Bauern nach vorne gerückt. Die Spieler wollen schließlich nicht in Zeitnot geraten. Das gilt für die alten und erfahrenen Hasen ebenso wie für die jungen Dachse.

„Ein ganz langer Tag wird das heute wieder“, sagt ein Spieler aus Rheinhausen, bevor er seinem Partner die Figuren in der ersten Runde schlägt. Er ist mit 78 Jahren der älteste Teilnehmer, und er lächelt, als er diesen Satz sagt: „Schachspielen hält geistig fit.“ Man spürt sie auch förmlich, die Pferde und Läufer, die ihm im Kopf umhergeistern. Doch das alles zählt beim 21. Schnell-Schachturnier des SC Straelen nicht. Er muss, wie alle anderen Akteure auch, nach der Eröffnungspartie sechs Stunden lang 100 Prozent geben.

Info

Schnellschach

Die Regeln unterscheiden sich nicht vom regulären Schachspiel. Beim Schnellschach wird den Spielern allerdings eine Zeitbegrenzung auferlegt: Das Zeitvolumen variiert zwischen 15 und 60 Minuten. Im sogenannten „Fischer-Spielmodus“ erhält ein Spieler 25 Minuten Zeit und eine Gutschrift von zehn Sekunden pro Zug. Bei der dritten Variante, dem Blitzschach, stehen zumeist nur fünf Minuten für alle Züge zur Verfügung.

Teilnehmer von 8 bis 78 Jahren

Das gilt natürlich auch für einen achtjährigen Schachspieler aus Krefeld, der prima gekämpft und kombiniert hat. Eine eher geringe Rolle spielt Richard Valenta vom Kevelaerer Schachclub in der C-Klasse. Er landet nach sieben Runden nur auf dem zehnten Rang. Für den 18-Jährigen, der mathematisch schneller als die Gleichaltrigen denkt, war die Platzierung aber keine große Enttäuschung. Nach guten Ergebnissen bei großen Turnieren hat er es sozusagen schwarz auf weiß, dass er zu den ganz großen Talenten zählt. Auch die erfahrenen Kevelaerer Schachspieler sind sich sicher, dass Valenta, der jeden Tag aufs Brett schaut und tüftelt, auf dem Sprung nach ganz vorne steht.

Für Peter Supplieth und Michael Maubach, die in der B-Klasse ihren König in Sicherheit bringen mussten, war das Straelener Turnier dagegen recht erfolgreich. Die Kevelaerer landeten beim Cup der Sparkassen nach der letzten Runde auf Rang vier und neun. Kleine Schlachten waren das in der Klasse der Senioren. Gottfried Faust und Siegfried Hölting vom Schachclub Kevelaer schafften es, in der Endtabelle auf Rang drei und sechs zu sein. Nummer eins und zwei sind seit Jahren Jurij Vasijlev (Schachfreunde Moers) und Willi Kempen (Rheydter Schachverein). Die beiden Ungeheuer der Routine waren wieder mal nicht bereit, auf die vorderen Plätze zu verzichten. Aber eines Tages wird das Glück wohl zu ihren Kontrahenten zurückkehren. Vielleicht, wenn der pensionierte Bürgermeister, der in der Bundesliga schon um die Punkte kämpfte, dann mitspielen sollte.

Drei Vereine mit Talenten

Wie auch immer, in den Jugendklassen behaupteten die Spieler vom OSC Rheinhausen, aus Krefeld und Xanten einmal mehr ihre Spitzenstellung am Niederrhein. Aber von ihrer Dominanz haben sie ein wenig eingebüßt. Grund genug, für die Vereine in Kevelaer, Straelen und Geldern, den schachkulturellen Nährboden weiter zu beackern.

Zum Schluss: Immer noch liest man von einem „klugen Schachzug“, wenn beispielsweise Weitsicht veranschaulicht werden soll. Ein abgegriffenes Bild, ein Schablonenwort. Das Schnell-Schachturnier, bei dem am vergangenen Wochenende die Bauern nun schon zum 21. Male von f5 nach f4 gezogen wurden, war seinerzeit ein wirklich kluger Schachzug.

Quelle: RP

 
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