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Volleyball Eintracht Geldern gegen Wuppertal
  Foto: Gerhard Seybert
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Volleyball: Starker Jahrgang weggebrochen

VON STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 25.02.2010 - 12:17

Arno Verheyen und Krystian Scheinert, 1. Vorsitzender und Trainer des VC Eintracht Geldern, über die sportliche Situation des Klubs, mangelnde Trainingseinstellung, fehlenden Nachwuchs und den stetigen Niedergang des Volleyballs im Gelderland.

Zum Redaktionsbesuch: Arno Verheyen (links) und Krystian Scheinert.  Foto: Gerhard Seybert
Zum Redaktionsbesuch: Arno Verheyen (links) und Krystian Scheinert. Foto: Gerhard Seybert

Herr Verheyen, was überwiegt? Die Freude über den Klassenerhalt in der Oberliga oder der Ärger über den Abstieg aus der Landesliga?

Verheyen Im Verein beschäftigen wir uns grundsätzlich mit der gesamten sportlichen Situation. Der Ligaverbleib der Ersten Mannschaft ist für uns sehr wichtig. Wenngleich man sagen muss, dass wir auf der anderen Seite mit dem Abstieg der Zweiten gerechnet haben.

Was meinen Sie damit?

Scheinert Aufgrund der Abgänge von sechs Spielerinnen aus dem Regionalliga-Team musste man davon ausgehen, dass die Landesliga schwer zu halten ist. Diese Spielrinnen galt es zu kompensieren. Und diese Verschiebungen wirkten sich auf den gesamten Verein aus.

Info
Das Trainer-Ehepaar

Personal Krystian Scheinert ist seit der Saison 1995/96 beim VC Eintracht Geldern -­ aktuell als Coach der Zweiten. Ehefrau Maria seit 2006 ­- derzeit als Trainerin der Ersten Mannschaft.

Den anderen Teams geht es kaum besser. Die Teams in der Bezirks- und Kreisklasse bzw. Kreisliga stehen ebenso auf den hinteren Rängen.

Verheyen Man muss die Situation im Gesamtkontext betrachten. Durch die Abgänge wurden wir gezwungen, Mädchen aus der Landes- und Bezirksklasse nach oben zu ziehen. Dazu traf uns die Kürzung der Jugend-Spielzeit. Das heißt, der Jahrgang spielt jeweils nur noch ein Jahr in einer Jugend. Damit brachen unsere starken A-Junioren weg.
Scheinert Auf einmal mussten Mädchen in der Landes- oder Oberliga spielen, die noch nicht so weit waren. Mit Blick auf den zwangsweisen Neuaufbau vor der Saison bin ich mit dem Tabellenbild zufrieden.
Verheyen Dazu muss ich anfügen, dass wir ohnehin weniger auf Platzierungen schauen als auf die Entwicklung. Und die ist zu sehen. Es wachsen Spielerinnen heran, von denen wir in ein bis zwei Jahren profitieren.

Heißt, man muss sich auf zwei magere Jahre bei der Eintracht einstellen?

Verheyen Das kann man so sehen, und das haben wir auch immer so kommuniziert.

Dennoch: Beunruhigt Sie die sportliche Situation nicht, wo die Eintracht doch mal zu den sportlichen Aushängeschildern hierzulande zählte?

Verheyen Nach dem Regionalliga-Abstieg mussten wir uns auf Rückschläge einstellen. Wir haben eben nicht mehr die große Zahl von routinierten Spielerinnen, deshalb müssen wir künftig kleinere Brötchen backen.
Scheinert Man muss die Situation doch realistisch betrachten. Nach der letzten Saison durfte man doch nicht ernsthaft annehmen, dass wir die Abgänge mühelos kompensieren können und die Erste wieder aufsteigt. Ziel waren 16 Punkte, jetzt haben wir 14. Man kann innerhalb von sechs Monaten aus einem Golf eben kein Formel-1-Auto machen. Das schafft kein Trainer.

Man kann aber dafür sorgen, dass er ebenso viel Krach macht.

Scheinert Mir ist klar, dass mein Ruf selbst innerhalb des Vereins unterschiedlich ist. Wenn man gewinnt, klopfen einem alle auf die Schulter. Wenn es nicht läuft, melden sich die Kritiker. So ist das.

Sie selbst haben immer wieder kritisiert, dass Sie mit jungen Spielern nicht wie gewollt arbeiten können.

Scheinert Ich gebe mal die Erfahrungen der letzten Wochen meiner Frau wieder: Ich denke, man sollte in der Oberliga nicht mehr Pritschen und Baggern üben müssen, sondern taktisch arbeiten können.
Verheyen Wir wissen, was es zu verbessern gilt. Wichtig ist, die große Lücke zur Ersten Mannschaft, die auch ligabedingt begründet ist, zu schließen.

Damit kritisieren Sie indirekt aber die Arbeit in der Jugend.

Scheinert Das kann ich nicht beurteilen. Ich bin im Training nicht dabei. Entscheidend für mich ist, Fortschritte zu erzielen. Und ich denke, dass bei meiner Mannschaft Verbesserungen zu sehen sind. Das wird jeder Trainer für sich so sehen.

Sie haben die Spielerinnen angesprochen. Müssen Sie dann nicht auch Ihre Arbeit als Trainer hinterfragen?

Scheinert Ich habe mich über die Jahre sehr verändert. Das bestätigen mir auch Leute, die mich kennen. Inzwischen muss man vieles tolerieren, was früher undenkbar war.

Zum Beispiel?

Scheinert Junge Menschen sind heute weniger belastbar. Als Trainer darf man loben und kritisieren, das vergessen aber viele. Wenn ich früher kritisiert wurde, sagte mein Vater: Dann musst du beim nächsten Mal eben besser spielen. Heute rufen die Eltern an und fragen: Was hast du mit meinem Kind gemacht?

Kürzlich haben Sie mit Ihrer Frau den Trainerposten getauscht. Haben Sie überlegt, selbst hinzuwerfen?

Scheinert Ach, klar mach auch ich mir Gedanken, ob mir der Job Spaß macht. In den letzten 20 Jahren gab es aber immer Höhen und Tiefen. Der Tabellenplatz war mir dabei aber nie wichtig. Zu sehen, dass sich Mädels weiterentwickeln ­ das ist das Schöne.

Wo sind Sie nächstes Jahr Trainer?

Scheinert Mal sehen.
Verheyen Wir führen derzeit Gespräche mit Trainern und Teams. Die Trainerfrage ist offen.

Woran krankt der Volleyball?

Scheinert Im Gegensatz zu anderen Klubs rekrutieren wir unsere Spielerinnen fast ausschließlich aus der eigenen Jugend. Aber die Talente werden weniger. Man muss sich nur umsehen: Herren-Teams gibt es keine mehr im Gelderland. Auch der Volleyball bekommt die Auswirkungen der Ganztagsschulen, aber auch der veränderten Interessenlage der Jugendlichen zu spüren. Früher übten Kinder oft mehrere Sportarten aus, heute finden es viele schöner, am Computer zu sitzen. Aber wer auf höherem Niveau spielen will, muss dreimal wöchentlich trainieren. Zweimal wäre Stillstand, einmal bedeutet eben Rückstand.

Muss man sich um den Sport sorgen?

Verheyen So, wie es aussieht, schon. Noch aber haben wir einen breiten Zulauf, von dem wir zehren.
Scheinert Man muss aber auch klar sagen, dass wir weit vom Schuss liegen. Es würde uns einfacher fallen, wenn wir Eintracht Duisburg wären. Wir hätten ein höheres Potential, könnten vielleicht auch Studentinnen für uns gewinnen.

Wie wollen Sie den Nachwuchs rekrutieren?

Verheyen Wir sind im Offenen Ganztag mit dabei, suchen den Kontakt zu den Kindern in den Schulen, schicken Trainer dort hin oder bieten Schnupperkurse an.

Warum aber boomt Beachvolleyball?

Scheinert Der Medienrummel um diese Sportart ist sehr groß. Dazu kommt schlicht die Tatsache, dass dort attraktive Menschen Sport treiben ­ bei schönem Wetter und guter Stimmung.

Verheyen Auch da wollen wir das Angebot ausweiten. Es gab Gespräche mit anderen Vereinen, und der Verband plant für die D- und E-Jugendlichen die Austragung einer offiziellen Westdeutschen Meisterschaft.

Der Hockeyclub Eintracht hat erfolgreich eine Deutsche Meisterschaft nach Geldern geholt. Müssten Sie als Verein nicht auch versuchen, durch die Austragung etwa von Länderspielen oder großen Turnieren Werbung für den Sport zu betreiben?

Verheyen Das haben wir, z. B. mit der Chinesischen Jugend-Nationalmannschaft und Deutschen Erstliga-Freundschafts- beziehungsweise Trainingsspielen versucht. Bislang scheiterte es am Geld oder den fehlenden Möglichkeiten ­ zum Beispiel, weil die Halle nicht den Normen entsprach. Wir führten 2008 und 2009 sehr gut besuchte Westdeutsche Meisterschaften durch, sowohl in der Halle, als auch auf den Beachfeldern des Waldfreibades in Walbeck. Ebenfalls sind wir im Vereinsumfeld sehr engagiert. Ich nenne nur das Beachcamp Salou/Spanien, den jährlichen Sportleraustausch mit Kalisz/Polen, das jährliche Trainingscamp oder die aktive Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen.

Es scheint, als kochten viele Vereine im Verband ihr eigenes Süppchen.

Verheyen Es fehlt das Miteinander. Wir müssen es schaffen, mehr Veranstaltungen gemeinsam zu stemmen. Die Beachturniere sind ein Anfang.
Scheinert Auch mit Blick auf die Talentförderung fühlt man sich als Verein schon ein wenig verlassen. Mich wundert, warum unser Verbandstrainer nicht auch mal bei uns nachfragt, welche Talente wir haben. Vor einigen Jahren war er mal bei uns, hat aber keine Spielerin für gut befunden. Stattdessen werden Jugendliche aus namhaften Vereinen in die Auswahl berufen.

Wo wollen Sie sich künftig sportlich positionieren?

Scheinert Wir müssen schauen, dass wir eine Oberliga-Mannschaft etablieren und die Liga mit allen Mitteln halten. Zudem ist es wichtig, die Leistungs-Differenz zur Zweiten zu verringern.
Verheyen Ich glaube an meine Mädels und damit an einen Klassenerhalt der I. und III. Mannschaft, evtl. sogar einen Wiederaufstieg der Damen II in die Landesliga.  

Vielen Dank für das Gespräch.


 
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