Fußball: Vertrauen und Müller weg
VON MICHAEL BÜHS - zuletzt aktualisiert: 27.09.2006Geldern und Trainer Norbert Müller haben sich getrennt. Einige Spieler standen nicht mehr hinter dem Coach, da wollte er nicht im Wege stehen. Zunächst übernimmt Co-Trainer Josef Molderings die Mannschaft.
Gustus geht’s besser
DJK-Keeper Tim Otterpohl hatte Sebastian Gustus am Sonntag mit beiden Fäusten am Kopf getroffen, worauf der benommene Stürmer ins Krankenhaus gebracht wurde. Ergebnis der Untersuchung: Stauchung der Nackenmuskulatur, Schädelprellung, leichte Gehirnerschütterung. Gustus kann voraussichtlich morgen das Krankenhaus verlassen.
Nur drei Punkte aus den ersten sieben Spielen, bereits 29 Gegentore und damit Schlusslicht der Tabelle – diese Bilanz des GSV Geldern in der Kreisliga A hat zu Veränderungen geführt. Was sich am Sonntagabend bereits angedeutet hatte, ist nun Gewissheit: Der GSV hat sich von Trainer Norbert Müller getrennt. „Wir haben die Zusammenarbeit in beiderseitigem Einvernehmen beendet“, erklärt Fußball-Obmann Stefan Ackermann. Es sei in einem „ruhigen und sachlichen Gespräch“ beschlossen worden. Müller bestätigt: „Es ist ohne Nebengeräusche abgelaufen.“
Nicht im Weg stehen
Die Sache ins Rollen gebracht hatte der Trainer selbst. Bereits nach der Partie in Twisteden, die der GSV mit 3:5 verlor, hatte Müller geäußert: „Ich habe derzeit nicht das Gefühl, die Mannschaft noch zu erreichen.“ In einem Gespräch zwischen Obmann Ackermann und dem Team im Anschluss an die Partie hatte sich gezeigt, dass „einige Spieler – nicht alle – nicht mehr hinter mir standen“, berichtet Müller. Dies habe ihn in seinem Entschluss bestätigt, „dass er nicht im Wege stehen will“, sagt Ackermann. „Er war mit der Situation selbst nicht glücklich.“ Eigentlich hatte sich Norbert Müller den 10. Spieltag als Ziel gesetzt, um ein erstes Fazit zu ziehen. „Dann wollte ich sehen, was bislang passiert ist, wie sich die Mannschaft entwickelt hat und wie viele Punkte wir geholt haben.“ Dies macht deutlich, dass der Trainer von Beginn an mit einer schwierigen Aufgabe gerechnet hat. Für Müller übernimmt der bisherige Co-Trainer Josef Molderings. „Er kennt die Mannschaft“, sagt Ackermann, „die Jungs haben Vertrauen zu ihm.“ Zu Norbert Müller hatte es zuletzt gefehlt, was sich auch abseits des Platzes zeigte. So kamen einige Spieler zum Kellerduell in Twisteden zu spät. „Und das bei einem so wichtigen Spiel, da ist mir der Kragen geplatzt“, sagt Müller, der aber trotz allem „nicht nachkarten“ will. Denn er hat als eine der Ursachen für den verkorksten Saisonstart ausgemacht: „Die Jungs haben kein Vertrauen in sich selbst.“ Dennoch stehen eben diese Spieler nun in der Pflicht. „Ich habe zur Mannschaft gesagt: Ab sofort gibt es keine Ausreden mehr“, berichtet Obmann Stefan Ackermann von seinem Gespräch mit dem GSV-Team, das gestern Abend von der Trennung unterrichtet wurde und jetzt „die Chance bekommt, etwas gut zu machen“. Für einen erneuten Absturz aus der Bezirksliga bis runter in die Kreisliga B, wie vor einigen Jahren, „sehe ich keine Veranlassung“, sagt Ackermann. Der Fußball-Obmann muss nun einen neuen Trainer finden. Dazu will er sich Zeit nehmen. „Ich verfalle jetzt nicht in Hektik, denn ich weiß die Mannschaft bei Josef Molderings in guten Händen.“ Er werde die Angebote, „die sicher bald kommen werden“, in Ruhe sondieren und dann dem GSV-Vorstand eine Empfehlung aussprechen. Norbert Müller wird seine neu gewonnene Freizeit anders gestalten, „und darüber freut sich meine Familie, vor allem die Kinder“. Dem Fußball und auch dem GSV will er aber erhalten bleiben, „vielleicht irgendwann mal als Jugendtrainer“. Auf den neuen Coach der ersten Mannschaft wartet derweil eine echte – und verdammt große – Herausforderung.
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