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Schwimmen: Wasserentzug für "Delphine"?

VON STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 14.12.2010

Nach einem Bericht der Betriebsleitung des Gelderner Parkbades sollen die Schwimmer des SC Delphin im Jahr 2011 wieder an Wasserzeit verlieren. Wie es heißt, aus finanziellen Gründen. Der Verein will das aber nicht akzeptieren.

Die Gelderner Schwimmer wollen an ihren Trainingszeiten festhalten. Derzeit aber wird die Bad-Nutzung der Vereine in Frage gestellt.  Foto: RPO
Die Gelderner Schwimmer wollen an ihren Trainingszeiten festhalten. Derzeit aber wird die Bad-Nutzung der Vereine in Frage gestellt. Foto: RPO

Der Cheftrainer der Gelderner Schwimmer staunte gestern nicht schlecht, und er machte auch keinen Hehl daraus, dass er mächtig sauer über die aktuellen Entwicklungen ist. Denn das, was sich Jörg Löcker mit seinen Mitstreitern beim SC Delphin Geldern in der Vergangenheit mühsam erkämpft hatte, soll nun durch die Politik wieder rückgängig gemacht werden. Die Betriebsleitung des Gelderner Parkbades empfiehlt aufgrund neuer Untersuchungen und mit Verweis auf finanzielle Zwänge, "die zusätzlichen Schwimmzeiten für den SC Delphin und die DLRG im Laufe des Jahres 2011 wieder auf den ursprünglichen Stand zurückzuführen", wie es in der Beschlussvorlage des Hauptausschusses heißt, der heute ab 16 Uhr im Gelderner Bürgerforum tagt.

Info

Flugblatt-Aktion

Der Verein SC Delphin Geldern kämpft um den Fortbestand seiner Arbeit und hat gestern deshalb seine Mitglieder auf seiner Internetseite dazu aufgerufen, an der heutigen Ausschuss-Sitzung teilzunehmen, um Solidarität mit dem Verein und Präsenz gegenüber der Politik zu zeigen.

Darüber hinaus wurden Eltern und Sportler mit Flugblättern über die Sachlage informiert.

Familienbad ausweiten

Das hieße für den Verein, dass er das Bad im kommenden Jahr donnerstags zwischen 18 und 20 Uhr nicht mehr zu Trainingszwecken nutzen könnte, weil dieses zumindest bis 20 Uhr wieder – und wie in der Vergangenheit auch – Familienbad sein soll. Damit wäre die Ausweitung der Wasserzeiten der Schwimmer, die seit dem 27. April 2009 Bestand hat, wieder hinfällig. Es blieben als Nutzungszeit stundenweise der Montag, Dienstag und Samstag. "Wir wissen, dass der SC Delphin wie auch die DLRG gute Jugendarbeit leisten", sagt der stellvertretende Betriebsleiter, Wolfgang Holla. "Daher möchte ich betonen, dass die Empfehlung zu diesem Schritt allein aus finanziellen Gesichtspunkten erfolgt."

Als Gründe nennt die Betriebsleitung die Rückgänge der Besucherzahlen, die an jedem Wochentag festzustellen sind. Auffallend stark sei dies donnerstags der Fall. Die städtische Behörde rechnet das in ihrer Vorlage wie folgt vor: Im Vergleich zu 2009 sei die Zahl der Schwimmer 2010 donnerstags durchschnittlich von 167 auf 131 zurückgegangen. Dieser Rückgang habe nicht durch die erweiterten Öffnungszeiten am Freitag aufgefangen werden können. Insgesamt betrachtet sei es durch den Rückgang an allen Tagen zu Einbußen um 7,5 Prozent gekommen, die teils auf die Einschränkungen im Familienbad zurückgeführt werden. Entsprechend regt der Betriebsausschuss die Veränderung der Öffnungszeiten an, die nach den Osterferien greifen sollen.

Jörg Löcker mag das nicht akzeptieren. Vielmehr verweist er nicht nur auf die sportliche Entwicklung, die der Verein dank der ausgeweiteten Trainingszeiten binnen kurzer Zeit genommen hat, sondern auch auf die Zuwächse der Mitgliederzahlen. Durch ein geändertes und attraktiveres Angebot ist es dem SC Delphin gelungen, den eklatanten Mitgliedereinbruch zwischen 2005 und 2009 wieder aufzufangen. Löcker spricht gar von "umzukehren". Denn gegenüber 517 Mitgliedern im vergangenen Jahr ist die Zahl inzwischen auf 561 angestiegen. "Das zeigt, dass es uns gelungen ist, die Kinder wieder ans Schwimmen zu bekommen", sagt Löcker. "Ich finde es schade, dass solche Entwicklungen offensichtlich kaum Gehör finden. Ich fühle mich im Moment ein bisschen wie gekündigt."

In den vergangenen Wochen erst hatte der Trainer vermehrt Gespräche geführt, wie man als Verein auch die Zusammenarbeit mit den Schulen ausweiten kann. Neuste Erhebungen zeigen, dass rund 200 Kinder an drei Gelderner Grundschulen nicht schwimmen können. "Auch vor diesem Hintergrund verstehe ich diese Ansätze nicht", fügt Löcker an. "Wir als Verein leisten doch auch einen großen gesellschaftlichen Beitrag, den man nur leider schwer in Geld bemessen kann." Denn neben dem Training hat der Verein auch eine Vielzahl von ehrenamtlichen Helfern aquiriert und diese als Kampfrichter oder Übungsleiter qualifiziert.

Löcker bezweifelt, dass durch eine Ausweitung des Familienbades wirklich mehr Menschen kommen. Und er verweist darauf, dass donnerstags rund 100 Kinder nicht mehr trainieren könnten, sollte der Ausschuss der Vorlage zustimmen. "Der allgemeine Rückgang liegt doch nicht daran, dass wir Schwimmer mehr Wasserzeit bekommen haben", sagt er. "Der Besuchereinbruch ist an allen Tagen festzustellen. Das liegt in meinen Augen am wenig attraktiven Angebot für die Besucher."

Quelle: RP

 
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