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Fußball: Wie in den 70ern

VON DANIEL GONZALES - zuletzt aktualisiert: 20.08.2007

Tore zu niedrig: Protest läuft

Was sich in der Defensive beim SV Straelen gestern abspielte, erinnerte an den guten alten Fußball der 1970er Jahre: Klassisch mit tief stehendem Libero (Sebastian Clarke) wurde dort gespielt, die Manndecker Sander Lenders, Ronny Ernst, Tim Oploh und Hajo Peters rannten ihren Gegenspielern jeden Zentimeter hinterher. „Wir wussten, dass Homberg am Montag damit 85 Minuten den Kasten sauber gehalten hat und Köln vorne statisch mit drei Stürmern spielt“, erklärte der als Abwehrchef auserkorene Clarke. 55 Minuten hielt das Bollwerk. Bis auf einige Standards, bei denen Oldie Carsten Cullmann aufrückte und gleich dreimal mit dem Kopf scheiterte, ließ der SVS aus dem Spiel kaum was zu. Zur Pause änderte FC-Trainer Frank Schaefer das System, weil er erkannt hatte, dass die Schwachpunkte der Straelener Defensive auf den Außenbahnen lag. Er sollte Recht behalten. Beim 1:1 war der für Ronny Ernst eingewechselte Moritz Schacht kräftig beteiligt (55.), beim 2:1 der Gäste macht Tim Oploh hinten rechts einen folgenschweren Fehler. „Wir legen uns die Dinger selber rein“, ärgerte sich Clarke. SVS-Keeper Marian Gbur, der vor dem 1:1 mit Sander Lenders zusammen geknallt war, wollte dem Niederländer keinen Vorwurf machen. „Wenn ich rauskomme, kann so was passieren. Was für mich überwiegt ist, dass sich heute alle voll reingehängt haben.“ Dem stimmte auch Mario Schwarz zu. „Auf einigen Szenen kann man aufbauen“, sagte der Stürmer.

Der SV Straelen ist immer wieder für Überraschungen gut und sorgt damit für Gesprächsstoff in der Liga. Ein ganz neues Fass öffnete der SVS beim Auswärtsspiel in Dattenfeld. Nach gut zwei Stunden Autofahrt packte SVS-Mäzen Hermann Tecklenburg dort nämlich den Zollstock aus, weil einige seiner Akteure sich kaputt gelacht hatten, als sie das Tor auf dem Platz der Germania betrachtet hatten. Das „amtliche Endergebnis“ der Mesung: An den Außenpfosten soll die Hütte zehn Zentimeter, in der Mitte sogar 15 Zentimeter zu niedrig gewesen sein. Hektisch wurde noch vor dem Spiel ein Schriftstück angefertigt und beim Schiedsrichter eingereicht. Der nahm den Einwand zur Kenntnis und pfiff das Spiel an.

Nicht unspektakulär wäre gewesen, der SVS hätte das Spiel gewonnen und sich somit im Nachhinein ein Eigentor geschossen. Nun sagen einige, wären die Tore doch noch niedriger gewesen, dann wäre das 0:4-Debakel vielleicht humaner ausgefallen. Die halbe Liga diskutiert eifrig und mosert, der SVS könne nicht verlieren. Das interessiert Tecklenburg wenig, der die Mess-Aktion wie folgt begründet: „Wir spielen nicht in der Kreisklasse, sondern in der Oberliga. Ich will nicht als Streithammel auftreten, aber es kann nicht sein, dass in der Oberliga Tore so gravierend zu niedrig sind.“ Deshalb rief er einige Tage nach dem Auswärtsspiel den Vorsitzenden der Verbandsspruchkammer, Horst Buchterkirche, an und fragte, ob ein Einspruch überhaupt Sinn hätte. Der konnte ihm nicht auf Anhieb eine Antwort geben, schließlich käme solch ein Fall nicht jeden Tag vor. Anders ausgedrückt: Straelen würde für einen Präzedenzfall sorgen. Darauf ließ sich „Tecki“ ein. Nun wird es in der nächsten Woche zu einer nicht alltäglichen Spruchkammersitzung kommen, deren Ergebnis vollkommen offen ist. Offizieller Titel der Aktion: „Der unsachgemäße Spielaufbau“. Heraus kommen kann entweder die Produktion von reichlich Spesen ohne nennenswerter Ergebnisse, bestenfalls für den SVS sogar eine Spielwiederholung. Würde das passieren, der SV Straelen wäre bundesweit Gesprächsthema. Ganz ohne Aufstieg…

Quelle: RP

 
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