Goch: Abschied von Liebfrauen
VON SABINE WOTZLAW - zuletzt aktualisiert: 27.11.2010Goch (RPO). Mehr als 100 Mitglieder der ehemaligen Liebfrauengemeinde in Goch kamen zu einem Jahresamt, um sich von ihrer Kirche zu verabschieden. Die Zukunft des Gebäudes ist immer noch ungewiss.
Die Stimmung ist gedrückt. Auch ein Jahr nach Schließung der Liebfrauenkirche steht vielen Gläubigen noch immer die Trauer ins Gesicht geschrieben.
Mehr als hundert Mitglieder der ehemaligen Gemeinde waren zum Jahresamt in die Arnold-Janssen-Kirche gekommen, um sich von ihrer Liebfrauenkirche zu verabschieden. Aber auch, um hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.
Kaum Vorstandsmitglieder
Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates und Kirchenvorstandes dagegen waren schwach vertreten. Auch Pfarrverwalter Günter Hoebertz blieb dem Jahresamt, zu dem der Aktionskreis Liebfrauen eingeladen hatte, fern.
Liebfrauenkirche
Pläne Die Katholischen Kliniken möchten mit dem Gocher Hildegardishaus ins Liebfrauen-Kirchengebäude umziehen. Entgegen stehen könnte den Plänen aber der Denkmalschutz. Auch ein Veranstaltungs- und Konzertraum ist im Gespräch.
Jubiläum Erst im Jahr 2008 hatte die Liebfrauenkirche ihr 75. Jubiläum mit einem großen Festprogramm gefeiert.
"Vielen Menschen im Gemeindeteil fehlt ihre Kirche nach wie vor als der gewohnte Mittelpunkt ihres Lebens", hatte es in der Einladung vom Aktionskreis Liebfrauen geheißen, die sich nicht nur an Mitglieder der ehemaligen Gemeinde richtete.
Der Gottesdienst, der unter dem Motto des Psalmes 18, Vers 30 "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern" stand, sollte das Jahr der Trauer beschließen und neue Wege in eine gemeinsame Zukunft weisen. In seiner Predigt ermunterte Pater Peters die Gläubigen, die Zeit in der Liebfrauenkirche und das Pfarrheim mit seinen großzügigen Räumlichkeiten in positiver Erinnerung zu behalten und sich in das neue und spannende Gemeindeleben aufzumachen.
Ideen gibt es viele: Ob die Trägergesellschaft der Katholischen Kliniken im Kreis Kleve das Gebäude für den Umzug des Hildegardishauses nutzen wird oder ob das Gotteshaus ein Veranstaltungs- und Konzertraum wird, bleibt weiterhin ungewiss.
"Auch wenn die Stimmung gedrückt war, herrschte insgesamt eine positive Atmosphäre. Ich musste aber immer wieder mit den Tränen kämpfen", sagte Georg Kuypers, der den Gottesdienst zusammen mit Andreas Bölker und Theo Aymans vom Aktionskreis Liebfrauen organisiert hatte.
"Die Trauer ist einfach noch nicht ganz vorbei." Doch die Lieder des Liebfrauenchores hätten Mut und Hoffnung unter den Gläubigen verbreitet. "Wir hoffen, dass wir im vergangenen Jahr durch unsere monatlichen Treffen eine Trauerbewältigung und einen Schritt in die Großgemeinde getan haben", sagte Kuypers gegenüber der RP.
Weniger Kirchenbesucher
Im Anschluss an das Jahresamt versammelten sich rund 70 Mitglieder zu einem Umtrunk und Gedankenaustausch in den dunklen Fluren des Arnold-Janssen-Pfarrheims.
"Viele fühlen sich weiter von der Diktatur, wie ich die Oberen in Münster bezeichne, fremdbestimmt und nicht ernst genommen", so Kuypers. Die Folge seien weniger Aktive und weniger Kirchenbesucher.
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